Streit um Homo-Ehe CDU-Vordenker Geißler nennt Teile seiner eigenen Partei "reaktionär"

Exklusiv

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler kritisiert die Entscheidung des Berliner Landesverbandes gegen die Homo-Ehe. Auf Bundesebene sollte sich die Union vom Berliner Landesverband nicht beeinflussen lassen.

Diese Länder befürworten die Homo-Ehe
Beim Referendum zur Homo-Ehe hat in dem erzkatholischen Irland am Samstag eine klare Mehrheit für die Gleichstellung homosexueller Paare gestimmt Quelle: AP
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann (r) und sein Lebensgefährte trauen sich in Stuttgart. Doch eine wirkliche Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren ist Homosexuellen in Deutschland verwehrt. Die seit 2001 bestehende eingetragene Lebenspartnerschaft gibt homosexuellen Paaren in einigen Bereichen ähnliche Rechte wie Heterosexuellen, nicht jedoch bei der Steuer und der Adoption. Leibliche und angenommene Kinder eines Partners kann zwar der andere adoptieren, eine Adoption als Paar ist aber nicht möglich. Deutsche Politiker fordern jetzt, Deutschland solle nachziehen. Quelle: dpa
Demonstrationen, die Erfolg brachten: Die Homo-Ehe ist in Frankreich seit Mai 2013 erlaubt. Zuvor galt die seit 1999 eingeführte Lebenspartnerschaft, die Gleichstellung in bestimmten Steuer- oder sozialen Fragen, nicht aber bei Erbschaften und Adoption gewährte. Quelle: dpa
England und Wales stimmten im Juli 2013 für die Einführung der Homo-Ehe, Schottland folgte im Februar 2014. Zuvor gab es eine „bürgerliche Partnerschaft“, die seit 2005 Gleichstellung bei Adoption, Erbschaft, Arbeit und Rente gewährte. Quelle: dpa
Homosexuelle Paare haben praktisch dieselben Rechte wie Heterosexuelle. Die Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen ist dort seit 2003 erlaubt, die Adoption von Kindern seit 2006. Quelle: dpa
Die Homo-Ehe ist seit Juli 2005 eingeführt. Auch die Adoption durch homosexuelle Paare, ob verheiratet oder nicht, ist erlaubt. Quelle: dpa
In Portugal sind Homo-Ehen seit Juni 2010 erlaubt, Adoptionen durch Homosexuelle weiterhin unzulässig. Quelle: dpa
Mans Zelmerloew, Gewinner des diesjährigen Eurovision Song Contest, dürfte derzeit wohl einer der begehrtesten Schweden sein – und auch viele männliche Fans haben. Seit Mai 2009 erlaubt Schweden homosexuellen Paaren, standesamtlich oder kirchlich zu heiraten. Seit 1995 bestand dort bereits die Möglichkeit zur eingetragenen Partnerschaft. Quelle: REUTERS
Fast wie in Brasilien: Auch die Dänen feiern jedes Jahr ausgelassen Karneval. Weltweit war das Land bei der Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft 1989 Vorreiter. Seit Juni 2012 ist die Homo-Ehe auch kirchlich erlaubt. Seit 2009 ist die Adoption für Homosexuelle erlaubt. Quelle: dpa
Auch Finnland ist auf einem guten Weg: Das finnische Parlament stimmte im vergangenen Jahr für die Einführung der Homo-Ehe, das Gesetz soll aber erst 2017 in Kraft treten. Quelle: dpa
Das Großherzogtum führte die Homo-Ehe im Juni vergangenen Jahres ein. Im Mai dieses Jahres heiratete Regierungschef Xavier Bettel seinen Lebensgefährten. Quelle: AP
Als erstes Land in Afrika führte Südafrika im November 2006 die Homo-Ehe mit Adoptionsrecht ein. Als erstes Land Lateinamerikas tat dies im Juli 2010 Argentinien. In den USA sind Homo-Ehen in 37 der 50 Bundesstaaten und in der Hauptstadt Washington möglich. Quelle: dpa

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hat die Entscheidung des Berliner Landesverbandes gegen die Homo-Ehe heftig kritisiert. "Die Berliner CDU ist für eine Weltstadt wie Berlin zu konservativ, und zwar nicht im positiven, sondern im schlechten Sinn. Die CDU ist in den Städten teilweise gar reaktionär", sagte Geißler der WirtschaftsWoche. "Sie erreicht damit nur ein ganz bestimmtes, nicht repräsentatives Milieu."

Geißler äußerte sich auch zum aktuellen Streit um eine Öffnung des Ehebegriffs: "Das Bundesverfassungsgericht wird die volle Gleichstellung mit dem Recht auf Adoption beschließen. Ob die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften als Ehe bezeichnet werden können, ist ein verfassungsrechtlich und theologisch dogmatisch interessantes, aber in der Sache unerhebliches Problem."

Gleichzeitig riet er der CDU von einer Befragung der Mitglieder ab: "Eine Mitgliederbefragung, an der dann nur 30 Prozent teilnehmen, macht keinen Sinn und ist für die CDU kontraproduktiv. Die Union im Bund sollte sich von der Entscheidung des Berliner Landesverbandes nicht beeinflussen lassen."

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