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Streit um Kernenergie Der 250-Milliarden-Poker um die Atomkraft

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Im Gegenteil: Sie müssen regelrecht weiterhin alles daransetzen, bei der Bundesregierung längere Laufzeiten ihrer AKWs durchzusetzen. Denn leichter können sie ihre Bilanzen nicht auffrischen. Schon acht Jahre mehr als Rot-Grün durchsetzte, würden den Betreibern unter den gegenwärtigen Bedingungen einen Netto-Zusatzgewinn von fast 20 Milliarden Euro bescheren.

Steigt der durchschnittliche Strompreis an der Börse, wovon die Fachleute und auch die Bundesregierung ausgehen, explodieren die Zusatzgewinne förmlich. Bei acht Cent je Kilowattstunde würden E.On, RWE, EnBW und Vattenfall rund 45 Milliarden Euro zusätzlich einstreichen. Das geht aus einer Studie des Bremer Energieexperten Professor Wolfgang Pfaffenbeger hervor. Eine Verlängerung um 28 Jahre, wie es die Betreiber gerne hätten, würde ihnen gar bis zu 250 Milliarden Euro bringen.

Die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ist der Meinung, dass längere Laufzeiten der Atommeiler nicht bloß im Interesse der Betreiber liegen. Sie sieht darin auch den einzig bezahlbaren Weg, die Energieerzeugung langfristig auf Wind, Sonne und Biomasse umzustellen.

Hielte die Bundesregierung am Ausstiegsbeschluss der früheren rot-grünen Koalition fest, hat Kemfert ausgerechnet, würde das die privaten Strompreise bis 2020 um 18 Prozent hochtreiben. Denn dann würden massive Investitionen in neue Kohlekraftwerke notwendig, um eine Stromlücke zu vermeiden. Zudem würde mit dem Zubau deutlich mehr Kohlendioxid ausgestoßen – das Klimaziel der Bundesregierung einer 40-prozentigen CO2-Reduktion gegenüber 1990 rückte in weite Ferne. 

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