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Streitgespräch "Griechenland hängt der starke Euro wie ein Stein am Hals"

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ARCHIV: Das Logo der Quelle: dapd

Willsch: Wir sind uns ja einig, dass so ein Schlendrian im gemeinsamen Währungsraum nicht einreißen darf. Aber das einzige Mittel gegen übermäßige Verschuldung sind hohe Zinsen, und das schalten wir aus mit diesen neuen Instrumenten. Das Geld, das wir für die Griechen ins Schaufenster stellen, ist geliehen von unseren Kindern.

Die Kanzlerin sagt, der Euro sei eine Frage von Krieg und Frieden. Oder ist das bloß eine verbale Notbremse, um so Renitente wie Willsch auf Kurs zu bringen?

Altmaier: Europa war bei seiner Gründung eine Frage von Krieg und Frieden. Ich warne davor, auch wenn wir heute nicht über Kriege sprechen, diese Dimension zu unterschätzen.

Willsch: Ich halte nichts davon, das Thema derart moralisch aufzuladen. Die Süd- und Nordstaaten der USA haben in der gleichen Währung bezahlt und trotzdem aufeinander geschossen. Es gibt doch keine Kriegsgefahr in Europa, das ist Unfug.

"Unsere Durchsetzungsfähigkeit auf europäischer Ebene ist in Gefahr"

Altmaier: Heute geht es um unseren Wohlstand. Zum Thema Mehrheit sage ich übrigens: Als Parlamentarischer Geschäftsführer habe ich immer Wert darauf gelegt, dass unterschiedliche Meinungen in der Fraktion artikuliert werden. Genauso wichtig ist aber, dass alle am Ende eine Mehrheitsentscheidung auch geschlossen mittragen. Sonst ist unsere Durchsetzungsfähigkeit auf europäischer Ebene in Gefahr.

Willsch: Ich gehe nicht leichtfertig mit dem Mehrheitsprinzip um. Aber ich bin fachlich überzeugt, dass dieser Weg falsch ist, verbunden mit dem gewaltigen Risiko für folgende Generationen und dem Bruch des Versprechens, dass wir unseren Leuten gegeben haben. In dieser Kombination ist es für mich nicht mittragbar. Ich kann da nicht zustimmen.

Versuchen Sie, Willsch umzustimmen?

Altmaier: Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir am Ende nicht nur mit großer Mehrheit, sondern auch in völliger Geschlossenheit unsere Position vertreten – einschließlich des Kollegen Willsch.

Willsch: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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