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Stromnetz-Gebühren Drohen jetzt noch höhere Strompreise?

Nachdem erst am Montag die gestiegene Ökostromzulage den Deutschen die Laune verhagelte, drohen jetzt erneut Mehrkosten durch höhere Gebühren für die Nutzung der Stromnetze. Und ein Ende der Preisrally ist nicht in Sicht.

So setzt sich der Strompreis zusammen
Traditionelle Erzeuger Quelle: dapd
Neue Energien Quelle: REUTERS
Strombörse Quelle: dpa
Verschiedener Strom Quelle: dpa
Die Endverbraucher Quelle: dpa
EEG-Umlage Quelle: dpa

Als hätte die steigende Ökostromumlage nicht gereicht: Stromverbraucher müssen im kommenden Jahr mit noch höheren Preisen rechnen. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, wollen die großen Stromnetzbetreiber ihre Nutzungsgebühren zum Teil deutlich erhöhen. Geplant seien Entgelterhöhungen von bis zu 23 Prozent, schreibt das Blatt unter Berufung auf Informationen des Hamburger Ökostromanbieters Lichtblick.

Im Durchschnitt dürften sich die Gebühren um rund zehn Prozent erhöhen, wie das Energie-Vergleichsportal Verivox aus den prognostizierten Entgelten für 2013 berechnete. Laut Lichtblick steigen die Kosten 2013 um gut 0,5 Cent auf insgesamt sieben Cent je Kilowattstunde (kWh). Das ist rund ein Viertel des Strompreises.

Was Verbraucher zahlen
Stromverbraucher finden bei der Zusammensetzung des Strompreises einen Posten namens EEG-Umlage. Sie ist seit dem Jahr 2000 im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) verankert, um Ökoenergien zu fördern. Quelle: dpa
Derzeit sind 3,59 Cent je Kilowattstunde zu zahlen. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr sind das für eine Familie Ökoförderkosten von 125 Euro pro Jahr. Gezahlt wird die Differenz zwischen dem Marktpreis, etwa für eine Kilowattstunde Solarstrom, und dem festen Fördersatz. Ein Beispiel: Quelle: dpa
Derzeit bekommt ein Hausbesitzer mit einer Solaranlage auf dem Dach 19,5 Cent pro Kilowattstunde. Wird der Strom an der Strombörse für 7 Cent verkauft, müssen die Verbraucher 12,5 Cent über die EEG-Umlage bezahlen. Quelle: dpa
Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Förderzahlungen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert. Für 2013 werden Steigerungen bei der Umlage vorausgesagt. Quelle: dpa
Diese wären aber nicht primär dem rasant steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix (derzeit 20 Prozent) anzulasten. Industrieunternehmen wurden teilweise von Ökoförderkosten befreit, um sie in Deutschland zu halten. Gleiches gilt für Netznutzungskosten. Lasten werden also auf weniger Schultern verteilt. Quelle: dpa
Hinzu kommt eine teure Marktprämie für Besitzer von Wind- und Solarparks, die Strom selbst vermarkten. Und die mögliche Steigerung liegt in der Umlageberechnung begründet. Da immer mehr Solarstrom mittags den Börsenstrompreis senkt, wächst die Differenz zum Fördersatz und damit die Kosten für die Bürger. Der Solarstrom wird so also Opfer des eigenen Erfolges. Quelle: dpa

Bereits am Montag war bekannt geworden, dass die auf den Strompreis aufgeschlagene Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien um 47 Prozent auf 5,277 Cent je Kilowattstunde steigt. Allein dieser Anstieg kostet einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh im Jahr bis zu 60 Euro mehr - ohne Mehrwertsteuer.

Wie teuer es wirklich?

Obwohl vermutlich nicht alle Netzbetreiber ihre Gebühren erhöhen werden, dürfte der Strompreis für die meisten Verbraucher steigen. Je nach Haushaltsgröße und Stromverbrauch ergeben sich bei einem durchschnittlichen Preisanstieg von zehn Prozent unterschiedliche Mehrkosten.

Singlehaushalt

durchschnittlicher Stromverbrauch: 1500 kWh/Jahr

Mehrkosten Netzentgelt: 7 Euro/Jahr

Mehrkosten EEG-Umlage: 25 Euro/Jahr

Gesamte Mehrkosten: 32 Euro/Jahr

Paare

durchschnittlicher Stromverbrauch: 2800 kWh/Jahr

Mehrkosten Netzentgelt: 14 Euro/Jahr

Mehrkosten EEG-Umlage: 48 Euro/Jahr

Gesamte Mehrkosten: 62 Euro/Jahr

Familien

durchschnittlicher Stromverbrauch: 4000 kWh/Jahr

Mehrkosten Netzentgelt: 20 Euro/Jahr

Mehrkosten EEG-Umlage: 67 Euro/Jahr

Gesamte Mehrkosten: 87 Euro/Jahr

Großfamilien

durchschnittlicher Stromverbrauch: 6000 kWh/Jahr

Mehrkosten Netzentgelt: 30 Euro/Jahr

Mehrkosten EEG-Umlage: 102 Euro/Jahr

Gesamte Mehrkosten: 132 Euro/Jahr

Ist das alles?

In den oben errechneten Preisen ist die Mehrwertsteuer noch nicht enthalten. Laut FTD dürften die gesamten Mehrkosten für einen durchschnittlichen Haushalt knapp unter der 100-Euro-Marke liegen. Unwahrscheinlich ist das nicht, denn weitere Preistreiber sind schon im Anmarsch und stehen in den Startlöchern.

Während die Bundesregierung mit der Kürzung der Subventionen für Solaranlagen eigentlich Kosten senken wollte, hat sie damit einen regelrechten Sturm auf Solar ausgelöst. Viele wollen die Vergütung für ins Netz eingespeisten Strom mitnehmen, solange es sie noch gibt. Der zusätzliche Solarstrom trieb die EEG-Umlage. Trotzdem ist Regulierung in aller Munde, Bundesumweltminister Peter Altmaier plant eine Quotenregel für Windräder und Solarpaneele. Der Effekt dürfte derselbe sein wie bei den Photovoltaikanlagen: Investoren werden schnell noch in Windräder investieren, bevor die Quote kommt. Der EEG-Umlage droht erneuter Aufwind.

Für alles eine Umlage

Und Umlagen sind im Energiebereich im Moment en vogue. Auch die sogenannte Sonderkundenumlage, die Haushalte und Mittelstand zur Entlastung der Industrie zahlen, dürfte sich laut Experten im kommenden Jahr erhöhen. Aktuell liegt sie bei 0,151 Cent je Kilowattstunde.

Zusätzlich haften Stromkunden ab 2013 noch für Windparks in Nord- und Ostsee. Auch dafür wird eine Offshore-Umlage in Höhe von 0,25 Cent pro Kilowattstunde fällig. Ein Ende der Strompreisrally scheint also kaum in Sicht.

Kein Wunder, dass die Netzbetreiber den Preisanstieg gerne auf die Energiewende und damit auf die Bundesrepublik abwälzen. Laut FTD rechtfertigen sie die höheren Netzgebühren mit der steigenden Produktion von Ökostrom. Das Einspeisen der erneuerbaren Energien in die Netze erfordere hohe Investitionen in deren Ausbau und die Steuerung der Strommengen.

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