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Strompreise Was die EEG-Umlage für Verbraucher bedeutet

Seit Tagen ist die Höhe der Ökostrom-Umlage im Gespräch. Sie wird steigen - und mit ihr der Strompreis. Wie viel die Subvention von erneuerbaren Energien den Verbraucher kostet - und welche Ausnahmen geplant sind.

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So setzt sich der Strompreis zusammen
Traditionelle Erzeuger Quelle: dapd
Neue Energien Quelle: REUTERS
Strombörse Quelle: dpa
Verschiedener Strom Quelle: dpa
Die Endverbraucher Quelle: dpa
EEG-Umlage Quelle: dpa

Schon seit Tagen kursieren Zahlen, wie hoch sie denn nun wird, die von allen Verbrauchern über den Strompreis zu zahlende Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien. Bis zu 5,3 Cent je Kilowattstunde seien denkbar, hieß es, der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) ging sogar von neun Cent aus. Bisher sind 3,59 Cent je Kilowattstunde über den Strompreis zu zahlen. Da das Konto, über das die Förderung des noch unrentablen Wind- und Solarstroms finanziert wird, bereits mit rund 2,7 Milliarden Euro in den Miesen ist, müssen die Deutschen ab nächstem Jahr mehr Umlage zahlen.

184 Euro im Jahr für Ökostrom

Ab soll 2013 die deutlich auf rund 5,27 Cent je Kilowattstunde steigen. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Branchenkreisen. Damit drohen Haushalten jährliche Mehrkosten von 50 bis 60 Euro. Für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden könnten die Belastungen durch die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Umlage von 125 auf rund 184 Euro pro Jahr steigen - ohne Mehrwertsteuer. Die Erhöhung gilt als Politikum, weil Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Zuge der Energiewende 2011 betont hatte, die Umlage solle auf dem bisherigen Niveau stabilisiert werden.

Offiziell wird die Höhe der Umlage erst am Montag von den vier Übertragungsnetzbetreibern bekanntgegeben. In Branchenkreisen hieß es, die Zahl stehe aber jetzt schon fest, Veränderungen seien unwahrscheinlich.

Die Erhöhungen sind besonders ärgerlich, da sich schon jetzt rund 45 Prozent des Strompreises aus Steuern, Abgaben und Umlagen zusammensetzen. Und mit einem raschen Sinken der im Preis enthaltenen Förderumlagen ist nicht zu rechnen: Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind für Wind- und Solarparks, Biogasanlagen und Wasserkraftwerke auf 20 Jahre garantierte feste Vergütungsätze festgelegt.

Wie die Umlage funktioniert

Ein weiteres Problem ist, dass die Bundesregierung Ökostromanbietern einen bestimmten Abnahmepreis garantiert hat, der nicht immer am Markt zu erzielen ist. Die Differenz wird dann mit der EEG-Umlage ausgeglichen. So bekommt beispielsweise ein Hausbesitzer mit einer Solaranlage auf dem Dach seit Oktober 18,36 Cent pro Kilowattstunde - garantiert. Wird der Strom an der Strombörse aber nur für sieben Cent verkauft, muss die Differenz von 11,36 Cent an den Hausbesitzer gezahlt werden. Hier springt die EEG-Umlage, beziehungsweise der Topf, in den die Umlage fließt, ein.

Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und von Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Fördersummen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert. Das Problem: Die eigentlichen Förderkosten für Ökostrom sind viel geringer als immer propagiert. Die Umlage wird künstlich aufgebläht, vor allem weil die Verbraucher Rabatte und Ausnahmen für immer mehr energieintensive Betriebe mittragen müssen. Der Bundesverband erneuerbare Energien (BEE) beziffert die eigentlichen Förderkosten für Ökoenergie auf 2,3 Cent je Kilowattstunde für kommendes Jahr.

Ausnahmeregeln und Energieberater

Was Verbraucher zahlen
Stromverbraucher finden bei der Zusammensetzung des Strompreises einen Posten namens EEG-Umlage. Sie ist seit dem Jahr 2000 im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) verankert, um Ökoenergien zu fördern. Quelle: dpa
Derzeit sind 3,59 Cent je Kilowattstunde zu zahlen. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr sind das für eine Familie Ökoförderkosten von 125 Euro pro Jahr. Gezahlt wird die Differenz zwischen dem Marktpreis, etwa für eine Kilowattstunde Solarstrom, und dem festen Fördersatz. Ein Beispiel: Quelle: dpa
Derzeit bekommt ein Hausbesitzer mit einer Solaranlage auf dem Dach 19,5 Cent pro Kilowattstunde. Wird der Strom an der Strombörse für 7 Cent verkauft, müssen die Verbraucher 12,5 Cent über die EEG-Umlage bezahlen. Quelle: dpa
Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Förderzahlungen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert. Für 2013 werden Steigerungen bei der Umlage vorausgesagt. Quelle: dpa
Diese wären aber nicht primär dem rasant steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix (derzeit 20 Prozent) anzulasten. Industrieunternehmen wurden teilweise von Ökoförderkosten befreit, um sie in Deutschland zu halten. Gleiches gilt für Netznutzungskosten. Lasten werden also auf weniger Schultern verteilt. Quelle: dpa
Hinzu kommt eine teure Marktprämie für Besitzer von Wind- und Solarparks, die Strom selbst vermarkten. Und die mögliche Steigerung liegt in der Umlageberechnung begründet. Da immer mehr Solarstrom mittags den Börsenstrompreis senkt, wächst die Differenz zum Fördersatz und damit die Kosten für die Bürger. Der Solarstrom wird so also Opfer des eigenen Erfolges. Quelle: dpa

Das merken die Verbraucher nicht nur bei der Stromrechnung, sondern auch beim Lebensmittelkauf. "Wenn jetzt die EEG-Umlage auf über fünf Cent angehoben wird, muss ich meine Preise um rund acht Prozent erhöhen", sagte beispielsweise Fleischer Christoph Ranft aus Schwelm im ARD-Wirtschaftsmagazin WISO. Er könne wegen der Förderung der Öko-Energie die Preise in seinem Familienbetrieb nicht mehr halten. Damit steht er nicht alleine da.

Die Politiker sämtlicher Lager suchen nun nach Lösungen für das Strompreisproblem. So haben beispielsweise die freien Wähler im Bayerischen Landtag gefordert, eine Überprüfung der Befreiung privilegierter Industriebetriebe von der EEG-Umlage zu forcieren. "Die derzeit begünstigten Unternehmen haben einen Anteil von 18 Prozent am Gesamtstromverbrauch, tragen jedoch nur 0,3 Prozent der gesamten EEG-Umlage", sagte Florian Streibl, Parlamentarischer Geschäftsführer der freien Wähler. Auch eine aktuelle Studie der Umweltorganisation Greenpeace zeigt, dass die pauschal formulierten Regelungen dazu führen, dass auch jene Unternehmen von solchen Ausnahmen profitieren, die ohne die Maßnahmen keinerlei Wettbewerbsnachteile zu befürchten hätten.

Kostenlose Energieberatung ist ein Witz

Die Forderung, der Industrie ihre Privilegien zu streichen, ist noch eine der Vernünftigeren. Bundesumweltminister Peter Altmaier hatte nach erstem Bekanntwerden der Zahlen überlegt, allen Deutschen eine kostenlose Energieberatung angedeihen zu lassen. Mithilfe der Beratung soll es den Verbrauchern möglich sein, den Energiepreisen "ein Schnippchen zu schlagen", sagte der Minister nach dem Stromspargipfel am Dienstag in Berlin. Nur bei steigenden Lebensmittelpreisen, den immer noch vorhandenen Nachtspeicherheizungen oder Durchlauferhitzern in alten Häusern bringt es wenig, wenn der Verbraucher lernt, das Licht auszumachen, wenn er einen Raum verlässt. Davon ab plante Altmaier "einige 100.000 Beratungen pro Jahr" - bei 40,4 Millionen Haushalten ist das ein Witz.

Zunächst sollen einkommensschwache Haushalte lernen, wie man Strom spart, außerdem sollen sie künftig auch Hilfen zur Anschaffung energieeffizienter Geräte erhalten können. Nur wer den Stromspar-Kühlschrank für Geringverdiener und Arbeitslosengeld-Empfänger bezahlen soll, darauf hat Altmaier keine Antwort. Dementsprechend gerechtfertigt ist die Kritik von FDP, Opposition und Sozialverbänden. So sagte beispielsweise der Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Holger Krawinkel: "Wir können nicht innerhalb eines Vierteljahres alle deutschen Haushalte beraten, damit sie die zwei Cent Stromeinsparung erzielen, die die Erneuerbare-Energien-Umlage demnächst kosten wird." Kurzfristig helfe nur eine Senkung der Stromsteuer.

Besonders deutlich drückte die stellvertretende Sprecherin der nationalen Armutskonferenz, Michaela Hofmann, ihre Ablehnung der Pläne aus: "Für wie naiv hält Bundesumweltminister Altmaier die Verbraucher?", fragte sie. "Die steigenden Strompreise gehen vor allem auf politische Entscheidungen zurück und sind auf keinen Fall allein durch Sparmaßnahmen der Verbraucher aufzufangen". Trotzdem: Altmaier will bis 2020 eine "in der Regel kostenlose" Beratung für alle Deutschen.

Ausnahmeregeln für Golfplätze

In Arbeit
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Am Donnerstag will Altmaier einen Vorschlag zum weiteren Vorgehen bei der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vorlegen. Die FDP hatte dessen Abschaffung gefordert, Altmaier hält jedoch grundsätzlich daran fest. Er strebe ein Gesetz an, das am Ende nicht nur von Union und FDP, sondern auch von SPD und Grünen mitgetragen werde, sagte er. Außerdem will er Ausnahmeregelungen zur Befreiung von den Kosten der Ökostromförderung überprüfen. "Es gibt bestimmte Vorwürfe, dass wir auch Nahverkehrsbetriebe, Golfplätze und andere begünstigen würden. Dem muss man im Einzelnen nachgehen", sagte der Minister am Mittwoch dem Sender N24.

ked mit Material von dpa und dapd

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