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Studie der Bertelsmann-Stiftung Eltern wünschen mehr Ganztagsbetreuung

Der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz für Ein- und Zweijährige ist gerade erst in Kraft getreten. Da zeigt sich: Auch für ältere Kinder gibt es noch viel zu tun. Es fehlen Ganztagsschulen.

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Ganztagsschule in Berlin: Eltern hätten gerne mehr davon. Quelle: dpa

Berlin Eltern in Deutschland wünschen sich mehr Ganztagsschulen für ihre Kinder. Derzeit besuchten knapp 31 Prozent aller Kinder eine Schule mit Unterricht oder Betreuung auch am Nachmittag, berichtet das Magazin „Focus“ unter Berufung auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Ein Ganztagsangebot wollten aber 70 Prozent der Eltern. Das Angebot variiert dabei zwischen Ost- und Westdeutschland deutlich: Während in Sachsen 78,5 Prozent der Schüler auf Ganztagsschulen gehen, sind es in Bayern nur 11,4 Prozent. Im Wahlkampf kündigt sich Streit über die Finanzierung eines Ausbaus an.

Ein flächendeckender Ausbau gebundener Ganztagsschulen würde Deutschland nach Schätzung der Stiftung 9,4 Milliarden Euro kosten, schreibt das Magazin. An gebundenen Ganztagsschulen werden die Stunden über den Tag verteilt, Unterricht wechselt also mit Entspannungsphasen ab.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) sagte mit Blick auf die Kosten, der Bund müsse mit den Ländern ins Gespräch kommen. „Sicher ist: Mehr Ganztagsbetreuung zumindest in der Grundschule wird in den kommenden Jahren das nächste große Thema bei Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein.“

SPD-Bundesvize Manuela Schwesig kündigte für den Fall eines Wahlsieges ein Ganztagsschulprogramm an. „Dabei geht es uns nicht nur um einen quantitativen, sondern vor allem auch um einen qualitativen Ausbau des Angebotes.“ Obwohl für Schulen vorrangig die Länder zuständig sind, warf sie der Bundesregierung Versäumnisse vor: „Schwarz-Gelb hat den weiteren Ausbau von Ganztagsschulen verschlafen.“ Die rot-grüne Regierung unter Kanzler Gerhard Schröder (SPD) habe mit einem Vier-Milliarden-Programm zwischen 2003 und 2009 mehr als 8000 Ganztagsschulen geschaffen.

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl sagte dem „Focus“, es sei „grotesk, dass wir derzeit bei der Betreuung der unter Sechsjährigen aufs Gaspedal drücken, aber bei der Nachmittagsbetreuung der Schulkinder stehen wir auf der Bremse“. Deshalb brauche man einen Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz für alle Schüler. Die Debatte um Kita-Plätze habe gezeigt, dass „bedarfsgerechter Ausbau offenbar nur passiert, wenn es einen Rechtsanspruch gibt“.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Bundestag, Patrick Meinhardt, lehnte einen solchen Anspruch ab. „Deutschland braucht keine bundesweit einheitliche Ganztagskäseglocke.“ Nötig seien „passgenaue Angebote, die von den Schulen vor Ort kommen müssen“.

Derweil ist bei der Stichtagsregelung zum Betreuungsgeld Regierung und Unionsfraktion nach Einschätzung von Unionspolitikern ein Fehler unterlaufen. Ein Bundestagsabgeordneter sprach gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) von einer „Panne“, ein führender CDU-Landtagsabgeordneter aus einem unionsgeführten Bundesland sagte: „Da haben wir richtig Mist gebaut.“ Während seit dem 1. August der Rechtsanspruch auf einen staatlich geförderten Betreuungsplatz für Ein- und Zweijährige gilt, gehen Eltern, die ihre gleichaltrigen Kinder privat betreuen, leer aus. Stichtag für den Anspruch auf das ebenfalls am Donnerstag eingeführte Betreuungsgeld ist nämlich das Geburtsdatum 1. August 2012, die Kinder von Anspruchsberechtigten dürfen derzeit also höchstens zwölf Monate alt sein. Die Aussage von Familienministerin Kristina Schröder (CDU), Eltern von Kleinkindern hätten die freie Wahl zwischen einem U-3-Betreuungsplatz und dem Betreuungsgeld, trifft somit gegenwärtig nicht zu.

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