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Studie Hohe Steuern bremsen Innovationen

Weg ist die Kohle: Ein Mann schaut Geldscheinen in einem Abfluss hinterher. Quelle: imago

Eine aktuelle Studie aus den USA zeigt: Hohe Steuern bremsen die Innovationsaktivitäten der Unternehmen. Verbände fordern daher, die Steuern zu senken.

Über das Steuergeschenk haben sich die US-Unternehmen gefreut. Dank der Trump'schen Steuerreform müssen sie nun weniger an den Fiskus zahlen – der US-Präsident hat den Unternehmenssteuersatz vor knapp einem Jahr von 35 auf 21 Prozent gesenkt. Glaubt man einer neuen Studie aus den Vereinigten Staaten, war das der richtige Schritt: Denn niedrige Unternehmenssteuern begünstigen Innovationen, zeigen Berechnungen von vier Ökonomen der Universitäten von Harvard und Chicago*.

Mehr Innovationen nutzen nicht nur den Unternehmen, sondern der gesamten Volkswirtschaft. Denn Ideen sind für zukunftsfähige Produkte der Rohstoff einer Industrie- und Wissensgesellschaft. Das gilt gerade in Zeiten der digitalen Transformation, in denen sich die Innovationszyklen deutlich verkürzen.

Die Studie zeigt, dass die Einkommen- und Unternehmenssteuern einen umfassenden Einfluss auf die Zahl, die Qualität und die regionale Verteilung von Innovationen haben. Je höher die Steuern, desto weniger innovativ sind die Unternehmen.

Steigt der Spitzensatz der Unternehmenssteuer um einen Prozentpunkt, geht dies mit einem Rückgang der Zahl der von den Firmen angemeldeten Patente um 1,2 Prozentpunkte einher, haben die Forscher errechnet. Das lässt sich unter anderem damit erklären, dass Unternehmen ihre Forschungs- und Entwicklungsabteilungen bei hohen Steuern in benachbarte Staaten verlegen.
Der Effekt der Einkommenssteuern auf die Forschungsaktivitäten der Angestellten ist zwar weniger stark ausgeprägt, aber ebenfalls negativ. Ein höheres Nettoeinkommen, so scheint es, beflügelt den Einfallsreichtum der Mitarbeiter in den Labors.

Ausnahme Kalifornien

Die Forscher messen die Innovationen eines Unternehmens anhand der angemeldeten Patente. Dazu haben sie die Patentdaten und die Forschungsaktivitäten von US-Unternehmen seit den 1920er-Jahren ausgewertet. Ein Beispiel aus der Historie: 1968 erhöhte der Bundesstaat New York seinen Unternehmenssteuersatz von 5,5 auf 7 Prozent, während der Steuersatz in Kalifornien unverändert blieb. Nach der Steuerreform zeigten sich die Unternehmen in New York deutlich weniger innovationsfreudig als die Firmen an der Westküste.

Ohnehin scheint Kalifornien eine Ausnahme zu sein. Dort konnten die Forscher einen geringeren Einfluss der Steuerbelastung auf die Innovationsaktivitäten der Unternehmen feststellen. Daraus folgern sie, dass in überdurchschnittlich innovativen Regionen der Effekt von Steuern nicht so wichtig ist. „Ein Staat, in dem sich Unternehmen aus einer Branche konzentrieren“, wie etwa im kalifornischen Silicon Valley, „zieht trotz desselben Steuerniveaus mehr Forschende an als ein Staat, in dem weniger Firmen im Ballungsraum vertreten sind“, heißt es in dem Papier.

BDI befürchtet nachteiligen Trend für Deutschland

Die Erfahrungen der USA dürften die Unternehmensverbände hierzulande in ihren Forderungen nach niedrigeren Steuern bestätigen. Zumal sich die öffentliche Hand zunehmend aus der Mitfinanzierung von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Unternehmen zurückgezogen hat, wie eine Analyse des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) zeigt. Demnach lag der Anteil des Staates in den Achtzigerjahren noch bei 18 Prozent, aktuell beträgt er nur noch drei Prozent.

„Deutsche Unternehmen sind mit ihren Investitionen in Forschung und Entwicklung zunehmend auf sich allein gestellt“, heißt es beim BDI. Eine Trendumkehr sei dringend nötig. Die Bundesregierung hat immerhin angedeutet, dieses Thema anzugehen. Bis 2025 sollen mindestens 3,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts für Forschung und Entwicklung aufgewendet werden, ist im Koalitionsvertrag zu lesen.

Steuerliche Anreize stärken die Innovationskraft

Auch der diesjährige Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Romer fordert, die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten der Unternehmen von staatlicher Seite zu unterstützen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine zwei Jahre alte Studie der Unternehmensberatung PwC. Mehr steuerliche Anreize würden die Innovationskraft deutscher Unternehmen merklich steigern, heißt es in der Untersuchung, bei der weltweit fast 50 Großkonzerne befragt wurden. Steuerliche Ersparnisse sind vor allem dann hilfreich, wenn den Unternehmen Verluste drohen. Schließlich revolutioniert nicht jede Idee sofort den Markt.

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