Studie Mindestlohn fördert Schwarzarbeit

Der Mindestlohn lässt einer Studie zufolge die Zahl der Schwarzarbeiter in Deutschland ansteigen. Alleine 2015 sollen rund 30.000 weitere Schwarzarbeiter dazukommen.

Der Mindestlohn schlägt zu – aber nicht überall
8,50 Euro stehen als große Aufsteller vor dem Bundeskanzleramt Quelle: dpa
Jemand trägt einen Tannenbaum Quelle: dpa
Ein Mann steht auf einer Leiter, die an einen Stapel aus Baumstämmen angelehnt ist Quelle: AP
Eine Frau trägt ein Tablett mit verschiedenen Biersorten Quelle: dpa
Ein großes Glas Bier im Vordergrund im Hintergrund der Berliner Fernsehturm "Alex" Quelle: dpa
Lastwagen eines Umzugsunternehmens vor der neuen Zentrale der EZB Quelle: dpa
Eine Friseurin frisiert eine Kundin Quelle: dpa

"Das sind Beschäftigte in der offiziellen Wirtschaft, die nach Feierabend und am Wochenende schwarz arbeiten", sagte Friedrich Schneider von der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Durch die seit Januar geltende Lohnuntergrenze von 8,50 Euro je Stunde wachse die Schattenwirtschaft in diesem Jahr um etwa 1,5 Milliarden Euro. "Die Verwerfungen durch den Mindestlohn sind moderat", sagte Schneider, der für seine Studie Befragungen vorgenommen und makroökonomische Daten für das erste Quartal ausgewertet hat. "Wäre er auf zehn Euro festgesetzt worden, hätte das den Umsatz der Schattenwirtschaft gleich um vier bis sechs Milliarden Euro nach oben getrieben."

In welchen Branchen Mindestlöhne bereits fällig sind
FleischindustrieDie Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert einen bundesweiten Mindestlohn von 8,50 Euro für die deutsche Fleischindustrie. In der Branche arbeiten rund 80.000 Arbeitnehmer. Die Bezahlung der Mitarbeiter in der Branche ist bisher über einzelne Haus- oder regionale Tarife geregelt, die nur rund 27. 000 Beschäftigte erfasst. Nach Gewerkschaftsangaben wiesen die Arbeitgeber die Forderung zurück. Dies sei zwar für den Westen möglich, kurzfristig jedoch nicht für die ostdeutschen Bundesländer. Nach mehreren Stunden vertagten die Tarifparteien die Gespräche auf den 17. Dezember. Die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns in Deutschland ist auch Ziel der SPD in ihren Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU. Quelle: dpa
Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) warnt vor einem flächendeckenden Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde. Die Politik solle mit einer niedrigeren Lohnuntergrenze - beispielsweise bei sieben Euro - beginnen und sich langsam steigern. Insgesamt würden bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro 17 Prozent der Arbeitnehmer einen höheren Stundenlohn erhalten - die Lohnsumme würde jedoch nur um drei Prozent steigen, so das DIW. Schließlich gebe es viele Niedriglöhner, deren Partner gut verdienen. Das Plus werde dann von der Steuer gefressen. Auch Arbeitslose, die sich etwas dazu verdienen, hätten nichts vom höheren Lohn, da dieser mit den Sozialleistungen verrechnet werde. Der Mindestlohn von 8,50 Euro hätte dagegen zur Konsequenz, dass mehr Unternehmen auf Minijobs als auf Festangestellte setzen und letztlich die Preise bei den sogenannten konsumnahen Dienstleistungen steigen. Frisöre, Kleinst- und Gastronomiebetriebe würden die höheren Lohnkosten an die Kunden weitergeben. Quelle: dpa
In der Friseurbranche wird es ab August 2015 einen bundesweit einheitlichen Mindestlohn von 8,50 Euro geben. Dem Tarifvertrag wollen laut Angaben von Landesverbänden und der Gewerkschaft Verdi auch mehrere Friseurketten betreten. Bis Ende Juni soll der Vertrag von allen Seiten unterschrieben sein. Der flächendeckende Mindestlohn werde von August 2013 an in drei Stufen eingeführt. Der Osten startet mit 6,50 Euro Stundenlohn, der Westen mit 7,50 Euro. Diese verschiedenen Stufen waren nötig, weil bislang regional sehr unterschiedliche Tarifverträge existierten. In den neuen Bundesländern gab es zum Teil Ecklöhne von nur knapp mehr als drei Euro pro Stunde, wie Verdi-Verhandlungsführerin Ute Kittel sagte. Quelle: dpa
In welchen Branchen Mindestlöhne bereits fällig sindDie Zeitarbeit führt als elfte Branche in Deutschland ab dem 1. Januar 2012 Mindestlöhne ein. Festgelegt ist, dass dann bis zum 31.Oktober 7,89 Euro in Westdeutschland und 7,01 Euro in Ostdeutschland gezahlt werden müssen. Zwischen dem 1. November 2012 und dem 31. Oktober 2013 wird die Lohnuntergrenze dann auf 8,19 Euro in Westdeutschland und 7,50 Euro in Ostdeutschland angehoben. Quelle: Hans-Böckler-Stiftung Quelle: dpa
Im Wach- und Sicherheitsgewerbe gilt seit dem 1. Juni 2011 ein Mindestlohn von 6,53 Euro. Anders als in den meisten Branchen ist der Tarif hier deutschlandweit einheitlich. Zum 1. Januar 2013 sollen die Stundenlöhne steigen, die Beschäftigten können dann mit einem Tarif zwischen 7,50 Euro und 8,90 Euro rechnen. Foto: dpa   Quelle: Hans-Böckler-Stiftung
Wäschereien müssen ihren Beschäftigten im Osten 6,75 Euro die Stunde zahlen. Im Westen liegt der Mindestlohn über einen Euro höher, hier bekommen Angestellte mindestens 7,80 Euro. Quelle: dpa
Reinigungskräfte bekommen für den Innendienst einen Stundenlohn von sieben Euro (Ostdeutschland) und 8,55 Euro (Westdeutschland). Genau 2,78 Euro mehr pro Stunde… Foto: dpa

Diese dürfte nach Prognose des Wirtschaftsprofessors im laufenden Jahr unterm Strich auf 339,6 Milliarden Euro zulegen. Das wäre der erste Zuwachs seit dem Krisenjahr 2009. Einerseits verleite der Mindestlohn zu mehr Schwarzarbeit, da er viele Arbeiten teurer mache - besonders für personennahe Dienstleister wie Friseure, in der Landwirtschaft sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe. Andererseits sinke der Anreiz dazu, da viele Erwerbsfähige dank der guten Konjunktur und des boomenden Arbeitsmarkt eine legale Beschäftigung finden.

"Die deutsche Wirtschaft brummt", sagte Schneider. "Mit dem Aufschwung verliert Schwarzarbeit an Attraktivität."

Zur robusten Konjunktur trage auch der Mindestlohn bei. "Dadurch haben vor allem in Ostdeutschland, aber auch in wirtschaftlichen schwächeren westlichen Regionen wie Schleswig-Holstein mehr Geld in der Tasche", sagte der Experte. "Sie geben einen Großteil davon wieder aus, was den Konsum belebt und über die Mehrwertsteuer auch beim Fiskus ankommt." Dennoch wäre ein regional gestaffelter Mindestlohn "ökonomisch schlauer" gewesen, betonte der Experte. "Denn dann hätte er wohl gar keinen Effekt auf die Schwarzarbeit ausgeübt."

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