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Studie zerpflückt duales System Ende der PKV würde Milliarden sparen

Arzt bekommt Geld Quelle: imago images

Die private Krankenversicherung ist eines der großen Streitthemen in Deutschland. Eine neue Studie gießt nun Öl ins Feuer – und errechnet ein milliardenschweres Einsparpotenzial, wenn die PKV abgeschafft würde.

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Es ist eine der Gretchenfragen in Deutschland: Wie hast du’s mit der Krankenversicherung? Oder, genauer noch, mit der PKV? An ihr scheiden sich die Geister. Wer sich privatversichert, dem winken eine Reihe an Vorteilen, von schnelleren Terminen über Einzel- oder zumindest Doppelzimmer bis hin zur Chefarztbehandlung. Auf der anderen Seite wird die PKV gerade für Senioren oft zur finanziellen Belastung. Und Egalitaristen halten das duale System aus GKV und PKV, also gesetzlicher und privater Versicherung, generell für ungerecht.

Nun gießt eine neue Studie Öl ins Feuer der PKV-Kritiker. Das Berliner Iges-Institut hat im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung errechnet, dass ein Ende der PKV neun Milliarden Euro freisetzen würde – und das Jahr für Jahr. Jeder derzeit gesetzlich Versicherte könnte so gemeinsam mit seinem Arbeitgeber 145 Euro im Jahr sparen.

„Der durchschnittliche GKV-Versicherte zahlt jedes Jahr mehr als nötig, damit sich Gutverdiener, Beamte und Selbstständige dem Solidarausgleich entziehen können“, kritisiert Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Stiftung. Etgeton fordert seit Jahren ein Ende des dualen Systems in Deutschland.

Die Überlegung hinter der Studie: Privatversicherte sind deutlich wohlhabender als gesetzlich Versicherte, sie verdienen im Schnitt 56 Prozent mehr. Zusätzlich sind sie laut Studie im Schnitt auch noch gesünder.

Würden all diese gesünderen Gutverdiener nun ganz normal in die GKV einzahlen, ließe sich der Beitragssatz um 0,6 bis 0,7 Prozentpunkte senken, rechnet das Iges-Institut vor. Der Nettofinanzüberschuss der Kassen stiege auf bis zu 10,6 Milliarden Euro pro Jahr.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung wehrt sich gegen die Bertelsmann-Studie. Eine mögliche Ersparnis von 145 Euro gehe „voll zu Lasten der ärztlichen Versorgung“. Gemeint ist, dass Ärzte für einen privatversicherten Patienten etwa 2,5-mal so viel Honorar bekommen wie für einen gesetzlich Versicherten. Fiele die PKV also weg, hätten die Ärzte mit einer Einkommenslücke zu kämpfen. Der PKV-Verband spricht von 54.000 Euro pro Arztpraxis pro Jahr.

Dass Ärzte weniger Einnahmen hätten, ist auch der Bertelsmann-Stiftung bewusst. Von einer Existenzgefahr für Ärzte ist allerdings keine Rede, auch deshalb, weil Privatversicherte mitnichten immer lukrativer für Ärzte sind. Die Studie kalkuliert ein zweites Szenario, in dem die Krankenkassen den Ärzten die fehlenden Honorare ausgleichen. Und selbst in diesem Szenario würden die GKV-Beiträge noch um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte sinken.

Mehr zum Thema: Viele private Krankenversicherer erhöhen ihre Beiträge. Vor allem ältere Versicherte denken nun über einen Wechsel nach. Einige wollen in die gesetzlichen Kassen flüchten. Das ist zwar oft schwierig, aber meist möglich. 

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