Studie zu Motiven Wie Pegida-Teilnehmer ticken

Pegida wirft den Medien vor, Fakten falsch darzustellen und sie in die rechte Ecke zu stellen. Aber wie denken die Teilnehmer der Bewegung wirklich? Eine Antwort fand die erste wissenschaftliche Pegida-Studie.

Als Hauptmotivation nennen die Pegida-Teilnehmer die „Unzufriedenheit mit der Politik

Nur knapp ein Viertel der Demonstrationsteilnehmer geht gegen eine vermeintliche Islamisierung auf die Straße. Das Hauptmotiv ist stattdessen eine "generelle Unzufriedenheit mit der Politik". Die Teilnehmer empfinden eine große Distanz zwischen Politik und den Problemen der Bürger. Als zweithäufigste Motivation wurde die Kritik an den Medien und der Öffentlichkeit genannt. Erst an dritter Stelle folgen die Vorbehalte gegenüber Asylbewerbern und Zuwanderern, insbesondere Muslime.

Wissenschaftler der TU Dresden haben damit die erste wissenschaftliche Befragung der Pegida-Teilnehmer vorgelegt. An drei Demonstrationstagen im Dezember und Januar befragten die Wissenschaftler insgesamt 400 Teilnehmer der Dresdner Demo. 65 Prozent lehnten die Befragung allerdings ab. Die Forscher fragten neben der Motivation für die Pegida-Teilnahme auch nach soziodemographischen Merkmale wie Wohnort, Beruf, Parteizugehörigkeit.

Die Mehrheit der Pegida-Teilnehmer ist demnach berufstätig und verdient ein für sächsische Verhältnisse leicht überdurchschnittliches Einkommen. Das widerlegt das häufige Vorurteil, dass der Protest von Rentnern und frustrierten Arbeitslosen getragen wird. Nur zwei Prozent der Teilnehmer sind arbeitslos.

Die meisten Teilnehmer (38 Prozent) hatten einen Realschulabschluss oder sind Akademiker (28 Prozent). Die große Mehrheit der Demonstranten ist männlich (75 Prozent), das Durchschnittsalter liegt bei 48 Jahren.

Die sieben größten Ängste der Deutschen

Die meisten Demonstrationsteilnehmer fühlen sich keiner Partei verbunden. Die Politikverdossenheit zieht sich als roter Faden durch die Ergebnisse, viele sind mit dem politischen System der Bundesrepublik unzufrieden. Besonders deutlich wurde die empfundene Kluft zwischen Volk und Politikern.

Der Gegensatz von "Die da oben" und "Wir hier unten", gepaart mit fremdenfeindlichen Einstellungen, gehöre "traditionell zum rhetorischen Arsenal rechtspopulistischer Strömungen", wie die Autoren der Studie schreiben. Viele gehen auch aus Protest gegen die empfundene Diffamierung der Pegida-Bewegung auf die Straße, ganz nach dem Motto "Jetzt erst recht".

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Die Bewegung existiert seit dem Herbst vergangenen Jahres und wird wöchentlich größer. Am vergangenen Montag schlossen sich 25.000 Menschen dem Protestmarsch in Dresden an. Zugleich gingen in vielen deutschen Städten zehntausende Pegida-Gegner auf die Straße.

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