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Subventionen Deutschland päppelt die Filmbranche auf

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Deutsche Gelder für US-Produzenten

Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg (Tom Cruise) in einer Filmszene in dem Film

Während der DFFF sein Geld nicht mehr zurückfordert, vergeben die FFA und Ländergesellschaften nur "bedingt rückzahlbare Darlehen". Abstottern muss ein Filmemacher den Kredit aber erst, wenn er aus den Einnahmen seines Werks die gesamten Kosten gedeckt hat. Was er darüber hinaus verdient, geht zur Hälfte an die Fördergesellschaften, die andere Hälfte darf er behalten.

Wie viel Geld zurückfließt, "ist schwer zu sagen", sagt Nikolaus Prediger vom FilmFernsehFonds Bayern. Viel dürfte es nicht sein, heißt es im Kreis der Förderer, Schweiger sei einer der wenigen, der die volle Fördersumme zurückzahle.

Die Vielfalt der Förderung nutzen die Produzenten reichlich aus. Wer in Babelsberg dreht, aber in München schneidet, kann zweimal die Hand aufhalten: in Berlin-Brandenburg und in Bayern. "Die Achse Berlin–München funktioniert relativ gut", sagt Produzent Wiedemann. Selbst US-Produzenten profitieren von den deutschen Beihilfen.

So kassierte "Inglourious Basterds" 6,8 Millionen Euro und "Operation Walküre" 4,8 Millionen Euro. Beide Streifen wurden in Babelsberg gedreht. Das reichte, um die Fördermillionen zu angeln.

"Längst gibt es einen Wettlauf der Subventionen", sagt Andreas Brey, Filmexperte der DZ Bank. So überboten sich Deutschland und Frankreich, um die US-Produktionen "Inglourious Basterds" und "Die drei Musketiere" ins Land zu holen. Schließlich bezuschussten vier deutsche Förderer die "Musketiere" mit elf Millionen Euro.

Reformbedürftige Förderpraxis

"Internationale Koproduktionen sichern Arbeitsplätze, lasten die Produktionsstätten aus", rechtfertigt Staatsminister Neumann die Hilfen. "Von 2007 bis 2011 förderte der Deutsche Filmförderfonds Produktionen mit 297 Millionen Euro und löste damit ein Investitionsvolumen von 1,8 Milliarden Euro allein in Deutschland aus."

Schon überprüft die EU-Kommission die Förderpraxis in Europa. Die deutsche ist zumindest reformbedürftig. Ohne Hilfen gäbe es viele Filme nicht. Da hat Neumann recht. Aber deshalb muss nicht alles bleiben, wie es ist. Die Subventionen fördern nicht nur deutsche Filmkultur, sie blähen auch eine Branche auf, die es ohne Staatsknete in dem Ausmaß nicht gäbe.

Deutschland



Es mangelt nicht nur an Koordination, sondern auch an Klarheit. Mal werden Produzenten unterstützt, mal Drehbuchautoren, mal Verleiher, Kinos oder Videotheken. Doch nicht jeder, der sich für einen Cineasten hält, ist förderungswürdig. Und ob ein US-Regisseur in Deutschland dreht, ist für die Pflege deutscher Kultur schnuppe.

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