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Subventionen Deutschland päppelt die Filmbranche auf

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Fördergelder trotz Millionenerfolg

Das Kinoplakat zur Deutschlandpremiere des Kinofilms

Til Schweiger plant darum US-Remakes seiner Filme. Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Produzenten. Seine jüngste Komödie "Kokowääh" sahen sich 4,3 Millionen Zuschauer an, mehr als jede andere deutsche Produktion. Den Gewinn schätzt die Branche auf acht bis neun Millionen Euro.

Trotzdem beantragt auch Schweiger Fördermillionen. Seinen neuen Film "Schutzengel", der am 27. September startet und 7,5 Millionen Euro kostet, finanziert er zunächst zu 54 Prozent aus Beihilfen.

"Auch für Til Schweiger ist die Förderung wichtig, damit der Film überhaupt zustande kommt", verteidigt Staatsminister Neumann die Beihilfe. Schweigers Produktionsfirma Barefoot Films will nicht so hoch ins Risiko gehen. Denn nicht jedes seiner Stücke war ein Kassenschlager.

Die meisten deutschen Banken scheuen ebenfalls das Risiko und haben sich aus dem Filmgeschäft verabschiedet. Am geschäftigsten ist noch die DZ Bank, die im Jahr 120 bis 150 deutsche Filme finanziert und so auf einen Marktanteil von 60 bis 70 Prozent kommt. Seit Februar 2011 stellt auch die staatseigene KfW Bankengruppe „einen zweistelligen Millionenbetrag im unteren mittleren Bereich“ bereit.

"Wir wollen im Jahr 10 bis 15 Filme mitfinanzieren", sagt KfW-Filmexperte Markus Röhle. Bisher hat die KfW aber erst einen Film finanziert. Sein Titel: "Was weg is, is weg".

Privatinvestoren reichen nicht

Zuschussgeschäft: Die Fördervolumina für die deutsche Filmbranche

Doch selbst die wenigen Banken beschränkten sich meist „nur noch auf die Zwischenfinanzierung“, klagt Produzent Wiedemann. "Das ist ein sehr risikoarmes Geschäft." Sie strecken das Geld vor, das Förderer und Filmverleiher schon zugesagt, aber noch nicht ausbezahlt haben. Privatinvestoren engagieren sich zwar auch, reichen aber nicht aus.

Und die Film- und Medienfonds, die Ende der Neunzigerjahre aufkamen, sind versiegt, seit sie nicht mehr als Steuersparmodell taugen.

Zum wichtigsten Geldgeber hat sich so die Filmförderungsanstalt (FFA) entwickelt, die jährlich fast 102 Millionen Euro verteilt (siehe Grafik). Gespeist wird sie vor allem von den Kinobetreibern und den Video-Anbietern, die 1,8 bis 3,0 Prozent ihres Jahresnettoumsatzes abzweigen müssen. Der Kulturstaatsminister verfügt über einen Förderetat von jährlich 100 Millionen Euro, 60 Millionen Euro davon im DFFF.

Die Fördergesellschaften der Länder finanzieren sich größtenteils aus Steuermitteln, einen kleineren Beitrag liefern die Fernsehsender, vor allem die öffentlich-rechtlichen, die von den Rundfunkgebühren leben, also von Zwangsabgaben der Bürger. Zudem beteiligen sich die öffentlich-rechtlichen Anstalten als Co-Produzenten und Lizenznehmer an der Filmfinanzierung und zahlen auch in die FFA ein.

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