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Tage der Entscheidung Papst empfängt umstrittenen Bischof vorerst nicht

Papst Franziskus hat auch am Dienstag zunächst keinen deutschen Besuch empfangen, um den Fall des umstrittenen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst zu erörtern.

Welchen Institutionen die Deutschen vertrauen
Platz 12: ParteienDas geringste Vertrauen haben die Deutschen mit gerade einmal 16 Prozent in ihre Parteien – mal wieder. Regelmäßig landen die Parteien im Vertrauensranking auf dem letzten Platz. Die in letzter Zeit sich häufenden Plagiatsaffären bekannter Politiker sind nicht gerade hilfreich dies zu ändern. Auch die Kredit-Affäre um die ehemaligen Bundespräsidenten hat dem Image der Politik und der Parteien geschadet. Alle Werte stammen aus einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung. Die vollständige Studie finden Sie hier. Quelle: dpa
Platz 11: Internationale KonzerneGerade einmal 26 Prozent vertrauen noch den größten Arbeitgebern im Land. Oft haben große Unternehmen mit Korruptions-Affären das Vertrauen vieler Anleger verspielt. In Deutschland kämpfte Siemens lange Zeit mit kompromittierenden Nachrichten bezüglich nebulöser Geldflüsse. Auch Volkswagen und Porsche gerieten in den Fokus, als Porsche Ambitionen meldete den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen. Eon und RWE geraten immer wieder unter Verdacht die Energiewende mithilfe der Politik auf die Verbraucher abzuwälzen. Quelle: dapd
Platz 10: InternetNur etwas mehr als jeder dritte Deutsche ( 34 Prozent) vertraut dem World Wide Web. Vielen ist es unbehaglich, dass sich schnell wachsenden Internetunternehmen wie Google oder Facebook in ihre Privatsphäre einnisten und ihre Nutzer zunehmend ausspähen. Sei es Google Steet View oder das soziale Netzwerk Facebook, dass persönliche Daten auch nach Löschung eines Account behält. Dass wofür das Internet eigentlich sorgen sollte, verhindern gerade die Pioniere des Internets. Die Transparenz. Denn für die Internetnutzer ist nur schwer nachvollziehbar, was die Riesenfirmen mit ihren Daten anstellen. Quelle: dpa
Platz 9: RegierungMit diesem Ergebnis wäre Angela Merkel wohl nicht Bundeskanzlerin geworden. Nur 34 Prozent der Deutschen vertrauen der derzeitigen Regierungen. Die Bundeskanzlerin leidet unter demselben Problem wie das Internet. Mangelnde Transparenz lässt viele deutsche Wähler gegenüber der Fähigkeit und Ehrlichkeit misstrauisch werden. Immerhin zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Verbesserung. 2012 lag das Regierungsvertrauen bei gerade einmal 29 Prozent. Quelle: AP
Platz 8: EuroIn diesen Jahr als neue Kategorie hinzugefügt wurde der Euro. Die Gemeinschaftswährung belegt einen Platz im unteren Mittelfeld. 38 Prozent der Befragten vertrauen dem Euro. In Zeiten der Krise der europäischen Gemeinschaftswährung ein beachtlicher Wert. Quelle: dpa
Platz 7: KirchenIm letzten Jahr sorgten zahlreiche Missbrauchsfälle in kirchlich geführten Internaten für internationale Empörung. Priester und Bischöfe, die als moralische Instanz gelten, haben sich an Kindern vergriffen. Die komplette Aufklärung, die die Kirchenoberhäupter in Deutschland versprachen, folgte nicht. Im Gegenteil: In die Aufklärung eingebundene Wissenschaftler wurden entlassen, weil die Ergebnisse nicht den Vorstellungen der Kirche entsprachen. In der Folge traten viele Deutsche aus der Kirche aus, das Vertrauen in die Institution sank auf 39 Prozent. Quelle: dpa
Platz 6: MedienIm Vergleich zum Vorjahr ist das Vertrauen in die Medien mit 43 Prozent leicht gesunken. Insgesamt ist die Lage in der Medienlandschaft keine einfache. Besonders Zeitungen leiden unter dem Siegeszug des Internets. Daran sind die großen Verlage aber nicht ganz unschuldig. Unüberlegt haben sich alle Zeitungen während des Internet-Hypes auf das neue Format geworfen ohne wirklich funktionierende Strategien zu entwickeln. Die Nachwehen dieser Euphorie bekommen sie nun zu spüren. Quelle: dpa

Das Bulletin des Vatikans vermerkte keine Audienz des Papstes, also auch kein Gespräch mit Tebartz-van Elst oder dem Vorsitzenden der deutschen Bischöfe, Robert Zollitsch. Die mittägliche Mitteilung des Heiligen Stuhls führt einen Amtsverzicht und Ernennungen in anderen Ländern auf.

Zollitsch und Tebartz-van Elst sind beide in Rom. Zollitsch will den Skandal von Limburg in dieser Woche mit dem Papst erörtern. Das dürfte bis zum Donnerstag der Fall sein. Auch der 53-jährige Bischof möchte mit dem Papst über seine Zukunft reden. Offen ist, ob Tebartz-van Elst eine Audienz beim Papst erhält. Tebartz-van Elst steht wegen der enormen Kosten für den Neubau seiner Bischofsresidenz unter Druck. Zudem hat die Staatsanwaltschaft Hamburg einen Strafbefehl wegen Falschaussage gegen ihn beantragt.

Im Finanzskandal um die neue Residenz des Limburger Bischofs hat unterdessen die Katholische Jugend die Zusammenarbeit mit Franz- Peter Tebartz-van Elst aufgekündigt. Aus Sicht der Mitglieder der katholischen Jugend in Limburg sei eine Katastrophe eingetreten, sagte der Vorsitzende des Bundes der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ), Dirk Tänzler, am Dienstag dem rbb-Hörfunksender radioeins. „Und sie sagen ganz deutlich: Wir können uns nicht vorstellen, mit dem Bischof weiter zusammenzuarbeiten.“ Zur Zukunft des Bischofs sagte Tänzler: „Ich hoffe, dass er in der Tat für sich Konsequenzen zieht (...).“

In Arbeit
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Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller warf den Kontrollorganen im Bistum Limburg vor, versagt zu haben. „Man staunt wirklich, dass ein solches Palais entsteht und keiner merkt, was hier an Summen verbaut wird“, sagte Schüller im Bayerischen Rundfunk. Unter den Vorgängerbischöfen sei im Bistum Limburg immer eine seriöse und konservative Finanzpolitik betrieben worden, sagte Schüller, der Referent des früheren Limburger Bischofs Franz Kamphaus war. Dieses seriöse Image sei jetzt „mit einem Schlag komplett zerstört“ worden.
Das Bistum Speyer kündigte an, die Finanzen des Bischöflichen Stuhls offenzulegen. In den vergangenen Tagen hätten sich viele Gläubige mit Sorge an ihn gewandt, teilte Bischof Karl-Heinz Wiesemann mit. Gegen Tebartz-van Elst hat die Hamburger Staatsanwaltschaft zudem einen Strafbefehl wegen falscher Versicherung an Eides statt beantragt - dabei geht es um eine Flugreise des Bischofs nach Indien in der ersten Klasse. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht einen Riesen-Imageschaden für die katholische Kirche. „Er reicht mit Sicherheit an die Qualität der Missbrauchsdebatte heran“, sagte Schüller „Focus Online“.
Der Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan, Pater Bernd Hagenkord, sagte den „Ruhr Nachrichten“ (Dienstag), dass der Limburger Bischof sein Schicksal in die Hände des Papstes legen wolle - „das klingt für mich fast wie die Ankündigung eines Rücktrittsangebots“.

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