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Tarifkonflikt Wieder Warnstreiks im öffentlichen Dienst

Streik Quelle: dpa

Volle Mülltonnen, keine Betreuung für Kinder, Nahverkehr im Stillstand: Erneut haben Tausende Beschäftigte im öffentlichen Dienst ihre Arbeit niedergelegt. Die nächsten Wochen sind nur regionale Arbeitskampfmaßnahmen geplant - und eine Pause über Ostern.

Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes haben sich am Donnerstag nach Gewerkschaftsangaben bundesweit rund 10 000 Menschen an Warnstreiks beteiligt. Die Schwerpunkte seien diesmal in Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gewesen, teilte die Gewerkschaft Verdi in Berlin mit. Besonders traf es München, wo mehr als 3000 Beschäftigte streikten. Müll wurde nicht abgeholt, Kitas blieben geschlossen.

Für die kommenden Wochen werde es nur „regionalisierte Aktivitäten“ geben, sagte eine Verdi-Sprecherin. In dieser Form solle es - nach einer Streikpause über Ostern - auch nach den Feiertagen weitergehen. Erst um den 9. April herum, eine Woche vor der geplanten nächsten Verhandlungsrunde, seien wieder bundesweite Arbeitskampfmaßnahmen geplant.

Die Gewerkschaften fordern für die 2,3 Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes in Bund und Kommunen sechs Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro pro Monat. Zudem sollen die Ausbildungsvergütungen und Praktikantenentgelte um 100 Euro pro Monat erhöht werden. Die Arbeitgeber lehnen den geforderten Mindestbetrag ab.

Die Müllentsorgung in München war von den Warnstreiks am Donnerstag „stark betroffen“, wie eine Sprecherin des Abfallwirtschaftsbetriebs mitteilte. 90 Prozent der Mülltonnen seien nicht geleert worden und alle Wertstoffhöfe geschlossen geblieben. Auch mehr als 200 von 430 städtischen Einrichtungen seien betroffen gewesen, teilte das Münchner Bildungsreferat mit - darunter auch mehrere Kindertageseinrichtungen. Drei Schwimmbäder blieben wegen der Arbeitsniederlegungen geschlossen.

In Mainz traf es vor allem den Nahverkehr. Nach Angaben eines Sprechers der Mainzer Verkehrsgesellschaft (MVG) fuhren ab Schichtbeginn zunächst nur Subunternehmer. Diese Fahrten machten knapp zehn Prozent der Verkehrsleistung aus.

In Stuttgart wurden die Ganztagesbetreuung von Schülern sowie das Garten-, Friedhofs- und Forstamt bestreikt. Betroffen von den Arbeitskampfmaßnahmen waren nach Verdi-Angaben aber auch Städte wie Ludwigsburg, Göppingen und Aalen.

Unterdessen hat eine Studie ergeben, dass es im vergangenen Jahr in Deutschland kaum Streiks gegeben hat. Die Zahl der aus diesem Grund ausgefallenen Arbeitstage habe sich 2017 im Vergleich zu 2016 auf 238 000 beinahe halbiert, wie das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftlichen Böckler-Stiftung. Einen niedrigeren Wert hatte es zuletzt im Jahr 2010 gegeben.

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