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Tarifverhandlungen 2013 Lohn der kargen Jahre

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Zuletzt lebte Deutschland in einer idealen Wirtschaftswelt

Wer Deutschland lahmlegen kann
Gewerkschaft der Flugsicherung: Die GdF beziffert ihren Organisationsgrad auf deutlich mehr als 80 Prozent der etwa 2000 Fluglotsen der Deutschen Flugsicherung (DFS). Auch in den anderen Berufsgruppen für den unmittelbaren operativen Betrieb, zum Beispiel Techniker und Flugdatenverarbeiter, sei die Quote ähnlich hoch. Das Personal (vor allem Fluglotsen, aber auch Techniker und Ingenieure) arbeitet in vier Kontrollzentren und in den Towern der 16 internationalen Flughäfen Deutschlands. Quelle: dapd
Die Gewerkschaft der Flugsicherung hat gerade einmal knapp 3000 Mitglieder - der Flugsicherung. Trotzdem ist ihre Macht groß, denn wenn die Fluglotsen in den Ausstand treten, darf kein Flugzeug mehr abheben. Erst kürzlich drohte die GdF, durch einen Streik den gesamten Flugverkehr lahmzulagen. Dann sagte sie den Ausstand aufgrund der Vulkanasche-Wolke zunächst ab und einigte sich schließlich noch vor einem Streik mit den Arbeitgebern. Quelle: dpa
Unabhängige Flugbegleiter Organisation: Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation hat , nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Mitglieder. Sie vertritt das Kabinenpersonal der Fluggesellschaften. Flugbegleiter gründeten sie 1992, da sie sich von den großen Gewerkschaften nicht ausreichend gut vertreten sahen. Streiks der UFO-Beschäftigten bei Lufthansa wurden im vergangenen Jahr in letzter Minute mit einer Tarifeinigung abgewandt. Auch derzeit verhandelt UFO wieder mit Lufthansa. Quelle: dpa
Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (Fahrpersonal): Von den rund 11.000 Zugbegleitern der Deutschen Bahn sind nach GDL-Angaben 30 Prozent GDL-Mitglied, also etwa 35.000 Mitglieder. Die kleine Gewerkschaft sorgte vor allem mit ihren Streiks im Winter 2007/2008 für Aufsehen, als zwar nur wenige der Lokführer ihre Arbeit niederlegten, den Bahnverkehr damit aber massiv mit beeinträchtigten. Quelle: dpa
Die GDL vertritt das gesamte Fahrpersonal, neben den Lokführern also auch etwa Zugbegleiter. Ihr Tarifvertrag mit der Deutschen Bahn gilt trotzdem nur für Lokführer - auch für die der anderen Bahngewerkschaften. Die GDL wehrt sich gegen den Kurs von Transnet und GDBA, denen sie eine zu große Nähe zur Bahn vorwirft. Quelle: dpa
Transnet: Die Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands hat die Eisenbahner ebenfalls vertreten, fusionierte am 30. November 2010 jedoch mit der Verkehrsgewerkschaft GDBA zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die bei ihrer Gründung 240.000 Mitglieder hatte. Die GDL wirft der Konkurrenz-Gewerktschaftlern stets eine zu große Nähe zu der Deutschen Bahn vor. Quelle: dpa
Vereinigung Cockpit (Flugkapitäne): Die VC vertritt rund 8200 Piloten aller deutschen Fluggesellschaften. Als die VC-Piloten bei Deutschlands größter Fluggesellschaft Lufthansa streikten, hoben nur noch wenige Flugzeuge ab. Meist geht es den Streikenden darum,  Erreichtes gegen Einschnitte zu verteidigen. Quelle: dpa

Im Schnitt über alle Branchen erwarten Konjunkturexperten, dass die Arbeitnehmer in diesem Jahr etwa so abschneiden wie in den vergangenen Jahren - was für sie eine gute Nachricht wäre. Denn seit nunmehr drei Jahren in Folge steigen die durchschnittlichen Bruttogehälter pro Jahr um rund drei Prozent. Das ergibt sich aus dem Lohnindex des Statistischen Bundesamtes. Nach Abzug der Inflation blieb ein reales Plus von 1 bis 1,5 Prozent im Jahr. Das klingt zwar nach bescheidenen Zuwächsen, stellt aber den stärksten Reallohnanstieg seit 20 Jahren dar. Selbst ein gewerkschaftsnaher Ökonom wie Gustav Horn, Leiter des Instituts für Makroökonomie- und Konjunkturforschung (IMK), mag da nicht klagen: "Deutschland ist bei der Lohnentwicklung jetzt auf dem richtigen Weg, auf dem müssen wir bleiben."

Und so wie es aussieht, bleibt das Land tatsächlich auf diesem Pfad. Die Konjunkturexperten etlicher Institute - vom ifo in München, vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel und auch von Horns IMK in Düsseldorf - sagen auch für dieses Jahr um etwa drei Prozent steigende Löhne voraus. Das entspräche preisbereinigt wiederum etwas mehr als einem Prozent realem Plus. Betrachtet werden dabei die tatsächlich gezahlten durchschnittlichen Stundenlöhne, die oft von den Tariflöhnen abweichen, in guten Zeiten sogar nach oben.

"Es wird mehr sein, als wir im Durchschnitt des Euro-Raums erwarten können", sagt IMK-Direktor Horn, "das ist gut, auch für die Binnennachfrage." Kürzlich forderten einzelne Ökonomen einen zusätzlichen Aufschlag von noch einmal zwei Prozent auf die höheren Gehälter, um die Binnennachfrage zu stärken und um außerdem die Kostenunterschiede in Europa zu verringern. Horn hält davon nichts: "So mechanistisch funktioniert das nicht." Aber wenn die Löhne noch etwas stärker steigen würden, sei das seiner Meinung nach "auch kein Problem".

Der wichtigste Grund für die heute wieder höheren Lohnaufschläge dürfte die gesunkene Arbeitslosigkeit sein. Dadurch verbessert sich die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer, zumindest in einigen Branchen und Regionen des Landes. Außerdem stehen viele Unternehmen gut da und können Lohnaufschläge verkraften. Selbst die öffentliche Hand erwirtschaftete zuletzt Überschüsse, auch wenn sie immer noch gigantische Schulden vor sich herschiebt. So lange aber die Situation am Arbeitsmarkt stabil bleibt, könnten die Löhne weiter wachsen, nicht berauschend, aber stetig.

Zwei Wermutstropfen trüben allerdings diese günstige Entwicklung. Erstens: Un- und angelernte Arbeitnehmer haben davon bisher nur in geringem Maße profitiert, und eine Trendwende ist nicht in Sicht. Ihre Löhne stiegen in den vergangenen fünf Jahren inflationsbereinigt nur um etwas mehr als ein Prozent, wie eine Erhebung des Statistischen Bundesamtes zeigt. Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung dagegen gewannen real rund zweieinhalb Prozent dazu.

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