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Tarifverhandlungen Gefährliche Forderung der IG Metall

Die IG Metall möchte 6,5 Prozent mehr Lohn für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Doch die Forderung ist nicht nur überzogen, sondern für den Standort Deutschland auch eine Gefahr. Zu kräftige Lohnerhöhungen könnten Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit kosten.

Ein Schmelzer arbeitet in Salzgitter in einem Stahlwerk beim Roheisenabstich am Hochofen Quelle: dapd

Diese Geizhälse, möchte man denken: Die Arbeitgeber haben die Forderung der IG-Metall-Bezirke nach bis zu 6,5 Prozent mehr Geld für die Metall- und Elektroindustrie abgelehnt. Dabei ist die Arbeitslosigkeit so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr, und die Erwerbstätigkeit liegt mit mehr als 41 Millionen Beschäftigten auf Rekordniveau.

In den vergangenen zwei Jahren haben deutsche Unternehmen mehr als eine Million neue sozialversicherungspflichtige Jobs geschaffen. Zwar haben sich seit dem Sommer 2011 die Aussichten für die Weltwirtschaft verschlechtert, die deutsche Wirtschaft wird wohl um höchstens ein Prozent wachsen, doch der Arbeitsmarkt bleibt stabil. Auch in diesem Jahr wird die Arbeitslosenzahl unter drei Millionen bleiben.

Deutschland ist so robust, so scheint es, dass kräftige Reallohnzuwächse für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durchaus gerechtfertigt sind. Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, kontert indes: „Wir sehen in einer derartigen Größenordnung ein Stück Leichtfertigkeit“, und schulmeistert: „Übermut tut selten gut.“ Kannegiesser hat recht.

Bildergalerie: Tarifkalender 2012

Tarifkampf im Wechselbad der Konjunktur
In Folge der Finanzmarktkrise im Jahr 2008 stürzte die exportabhängige Industrie in ein tiefes Loch, aus der sie sich aber 2010 auch wieder bemerkenswert schnell herausgearbeitet hat. Die dazugehörigen Tarifabschlüsse sahen so aus... Quelle: dpa
4. Mai 2007:Mit einer Forderung nach 6,5 Prozent mehr Geld war die IG Metall während eines Aufschwungs in die Verhandlungen gezogen, die bald von harten Warnstreiks begleitet wurden. In der ersten reinen Entgeltrunde nach mehreren, von komplizierten Fachthemen geprägten Jahren, vereinbarten die Tarifpartner im Pilotbezirk Südwest über 19 Monate neben zwei Einmalzahlungen noch zwei Gehaltsstufen, die erste von 4,1 Prozent und dann noch einmal 1,7 Prozent. Quelle: ap
12. November 2008: Mit der Forderung nach acht Prozent höherem Entgelt entging die IG Metall in der plötzlich aufgetretenen Wirtschaftskrise nach der Lehman-Pleite nur knapp einer Bruchlandung. Quelle: ap
Wegen der massiven Absatzprobleme der Autoindustrie schienen Streiks kaum möglich, so dass im Schnellverfahren wieder im Südwesten ein Abschluss gezimmert wurde, der den Unternehmen hohe Flexibilität einräumte. So konnte der Zeitpunkt der zweiten Tarifstufe um bis zu sieben Monate nach hinten verschoben werden. In dem Zeitraum von 18 Monaten vereinbarten die Tarifpartner zwei Tarifstufen von jeweils 2,1 Prozent, eine verbindliche Einmalzahlung und eine von der Lage des jeweiligen Betriebes abhängige. Quelle: dpa
18. Februar 2010:Zur Beschäftigungssicherung in der Krise hat die IG Metall erstmals in ihrer Geschichte auf eine konkrete Forderung verzichtet. Die Tarifpartner einigten sich in einem 22 Monate laufenden Vertrag auf Verfahren zur tariflichen Kurzarbeit bei Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen. Für die ersten zehn Monate müssen die Beschäftigten mit einer Einmalzahlung von 320 Euro auskommen. In der Lohntabelle geht es erst im Frühjahr 2011 um 2,7 Prozent nach oben. Quelle: dpa
Wegen der guten Konjunktur wird in vielen Betrieben die Stufe um zwei Monate auf den Februar vorgezogen. Trotzdem sieht die IG Metall den sogenannten verteilungsneutralen Spielraum für das Jahr 2011 nicht ausgeschöpft und will darüber in der aktuellen Runde diskutieren. Quelle: dpa

Denn der Verteilungsspielraum aus Produktivitätswachstum und erwarteter Inflation liegt nur knapp unter drei Prozent. Eine Forderung von bis zu 6,5 Prozent ist zu hoch.

Denn wie konnte es überhaupt zum deutschen Jobwunder kommen? Ursache waren vor allem die Arbeitsmarktreformen der Jahre 2003 bis 2005 und die Tatsache, dass es während der letzten Krise kaum Entlassungen gab, sondern die Unternehmen auf Kurzarbeit und flexible Arbeitszeiten setzten. Zuletzt hat aber auch die Lohnzurückhaltung dabei geholfen.

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