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Tatort-Autoren in Wut Angriff auf die Netzgemeinde

Tatort Internet: 51 Drehbuchautoren der Krimiserie beschimpfen die Netzgemeinde. Sie fordern: mit der Gratiskultur muss endlich Schluss sein. Die Diskussion um den Urheberschutz gewinnt an Brisanz.

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Die Schauspieler Simone Thomalla und Martin Wuttke posieren für einen Tatort. Die Drehbuchautoren der Krimiserie wenden sich gegen die Gratiskultur im Netz. Quelle: dpa

Düsseldorf Die Anrede ist weitschweifig, aber eindeutig: „Liebe Grüne, liebe Piraten, liebe Linke, liebe Netzgemeinde!“ lautet sie und stammt von jenen 51 Autoren, die Deutschland jeden Sonntag Abend mit der neuesten Folge der Krimiserie „Tatort“ beglücken. Die Autoren haben am Donnerstag einen Brief an die Angesprochenen veröffentlicht und damit in eine im Netz tobende Debatte eingegriffen.

Es geht um den Urheberschutz - um den inzwischen verbissen gekämpft wird: Auf der einen Seite steht dabei jener Teil der Generation Web 2.0, die sich für die Gratiskultur im Internet stark macht. Auf der anderen Seite formiert sich aber inzwischen eine Gegenbewegung, deren Größe zunimmt und die jetzt mit den Drehbuchautoren neue öffentliche Unterstützer gefunden haben. Sie wollen dem Gratistrend ein Ende setzen und verlangen, dass geistiges Eigentum im Internet nicht kostenlos für jeden zugänglich sein darf.

Die „Tatort“-Autoren fordern die Netzgemeinde auf, "sich von ein paar Lebenslügen zu verabschieden". zum Beispiel: "Die Menschenrechte garantieren in der Tat einen freien, aber doch keinen kostenfreien Zugang zu Kunst und Kultur. Diese politische Verkürzung von Grünen, Piraten, Linken und Netzgemeinde dient lediglich der Aufwertung der User-Interessen, deren Umsonstkultur so in den Rang eines Grundrechtes gehievt werden soll." Rechtsverstöße wie illegales Kopieren, so klagen die Autoren weiter, werden "zum Freiheitsakt hochgejazzt". Die Grundrechte der Urheber aber würden dagegen marginalisiert: Zum Beispiel das Grundrecht auf geistiges Eigentum.

„Die vermutlich gravierendste Lebenslüge der selbsternannten Problemlöser“, so meinen die Autoren sei diese: „Wenn man Urheber und User besser stellen will, braucht es ja einen, der diesen Alle-haben-alle-wieder-lieb-Kompromiss, der den Kram bezahlt – denn wie in allem, was hergestellt wird, steckt auch im „Content“ verdammt viel Arbeit von Urhebern und kostet deshalb auch Geld, das irgend jemand bezahlen muss. Diesen omnipotenten Zahler kennt die Netzge-meinde auch schon ganz genau: Nein, nicht Google, youtube und die anderen Internetserviceprovider, die sich dumm und dämlich daran verdienen, illegale Kontakte zu vermitteln, den kriminellen Modellen wie kino.to, megaupload, the Pirate Bay etc. überhaupt zum Erfolg zu verhelfen. Nein, für die Grünen, Piraten und Netzpolitiker aller Parteien ist der große Übeltäter die Verwertungsindustrie: Sony, Universal, Bertelsmann und, ganz wichtig, natürlich die GEMA und die anderen Verwertungsgesellschaften. Das sind in ihren Augen die Blutsauger, die sollen die Zeche zahlen.“

Mit einer Floskel verabschieden sich die 51 Briefschreiber am Ende: „Für konstruktive Gespräche über den anstehenden historischen Kompromiss zwischen Urhebern und Usern stehen wir jederzeit bereit.“

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