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Tauchsieder

Die Wahl ist wieder offen

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Es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, dass die Union sich am Wahlabend mit knapp über 30 Prozent ins Ziel rettet - vor allem dank einer wieder erstarkten CSU - und dass die FDP bei knapp unter 20 landet. Selbst in Baden-Württemberg erreicht die CDU Umfragen zufolge kaum mehr als 34 Prozent. Ein Grund dafür ist denkbar einfach: Wer die Große Koalition abwählen will, macht sein Kreuz bei den Gelben. Wer sie erhalten will, macht sein Kreuz bei den Roten. Nur wem es so oder so egal ist, macht sein Kreuz bei den Schwarzen - oder verbringt den Sonntag im Grünen. Kurzum: Es hat schon triftigere Gründe gegeben, die Union zu wählen.

SPD als neue Wahlalternative

Schon mal daran gedacht, dass Merkel kommende Woche Geschichte sein könnte? Unwahrscheinlich, sicher, aber durchaus denkbar. Mal angenommen, die Union landet wirklich nur bei 32 Prozent und verpasst doch noch eine Koalition mit der FDP, weil die jungen Gutverdienenden sich in Freiburg und im Prenzlauer Berg in Berlin sich im letzten Moment noch einmal bei den Grünen erwärmen wollen - man will sich gar nicht ausmalen, mit welcher Lust eine programmatisch entkernte Union sich ihrer ungeliebten Vorsitzenden entledigt.

Wahrscheinlicher ist, dass für SPD-Kandidat Frank-Walter-Steinmeier am Sonntagabend der eigentliche Wahlkampf erst beginnt. Bei einem Ergebnis um die 25 bis 28 Prozent wird die Sozialdemokratie nicht nur brennen - ganz egal, ob sie sich in die Große Koalition retten kann oder nicht; sie wird auch beginnen, sich neue Machtoptionen zu eröffnen, die FDP als bockbeinig hinzustellen und der Linkspartei Avancen zu machen, zunächst in Thüringen und im Saarland, dann im Bund - und Deutschland wird staunen über das atemberaubende Tempo, mit dem sich Rot-Rot-Grün als Wahlalternative darstellt.

Nur Westerwelle muss sich keine Sorgen machen - ein politisches Wunder angesichts einer Wirtschaftskrise, in der die Liberalen das Kunststück fertigbringen, eine Grundsatzposition nach der anderen zu räumen zu müssen und sie dennoch zu behaupten. Westerwelle gewinnt also, so oder so. Reicht es für Schwarz-Gelb, hat er allein seine Partei zurück in die Regierungsverantwortung geführt. Reicht es wieder nicht, wird er noch einmal in die Opposition gehen, noch einmal vier Jahre Stimmen sammeln, die FDP noch einmal stärker machen - wenn auch auf die Gefahr hin, sich radikaloppositionell zu verausgaben.

So oder so: Die Spannung steigt, weil diesmal alles, aber auch wirklich alles möglich ist  - und weil mich “mein Gefühl” auf den letzten Metern verlässt. Ich kann mir 30 oder 40  Prozent bei der Union vorstellen, 20 oder 30 bei der SPD, 10 oder 20 bei der FDP. Vielleicht fängt die SPD die Union auf den letzten Metern sogar noch als stärkste Partei ab, weil so viele zur FDP gewechselt sind? Vielleicht straft Merkel alle Kritiker Lügen und stutzt die FDP mit ihrem Präsidialwahlkampf doch noch auf Normalmaß zurück?

Was meinen Sie? Tippen kostet nichts. Nur zu.

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