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Tauchsieder

Die Zukunft der Arbeit

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Ganze Branchen werden ausgelöscht

Die Digitalisierung der Wirtschaft wird diese Entwicklung mit einiger Gewissheit auf die Spitze treiben. Denn ganz gleich, ob die Zukunft liquiden Unternehmen gehört, die mit kleinen Kernbelegschaften je nach Auftragslage freie Spezialisten zu projektbezogenen Teams sourcen, ganz gleich, ob sie der Machtkonzentration von Datenkonzernen in die Hand spielt oder im Gegenteil ein Netz von gemeinschaftlich-dezentral organisierten Prosumenten (Produzenten und Konsumenten) erzeugen wird, die ihre Autos teilen und selbst ausgedruckten Häuser tauschen - sicher ist, dass das, was wir traditionell unter „Arbeit“ verstehen, sich im Digitalkapitalismus dramatisch verändern wird.

Wie immer an einer Epochenschwelle, fallen die Szenarien der Wissenschaft so unterschiedlich aus wie die Rhetorik der Publizistik an raunender Kraft gewinnt. Mit Blick auf die Vernetzung von Maschinen und kommunizierenden Computern, mit Blick auf Tauschportale für Wohnungen, selbstfahrende Autos und entmaterialisierte Medien (Film, Musik, Buch etc.)  macht das Wort von „disruptiven“ Technologien die Runde - von Basisinnovationen, die Produkte und Dienstleistungen, ja: ganze Branchen und Geschäftsmodelle auslöschen wird.

IT Innovation Readiness Index 2014 - Ergebnisse für Industrie 4.0

In den meisten dieser „Dystopien“ ist von menschenleeren Fabriken und Datenkonzernen die Rede, die den homo sapiens als Informationslieferanten ausbeuten, um ihn seinen Profitzielen zu unterwerfen. Schenkt man etwa einer Berechnung der Bank ING-Diba Vertrauen, könnten Maschinen in den kommenden Jahren 18 Millionen Arbeitnehmer aus ihren Jobs drängen: Bürokräfte und Monteure vor allem, aber auch Handwerker, vorrangig mit Routine-Aufgaben betraute Ingenieure, vielleicht auch ganze Berufsgruppen wie die Piloten.

Hilfe, ein Roboter klaut meinen Job!

Auf der anderen Seite sehen „Utopisten“ vor allem Potenziale: Der Wirtschaftsstandort Deutschland könne von der vierten industriellen Revolution „kräftig profitieren“, heißt es in einer gemeinsamen Studie des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation und des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom): Durch die „Industrie 4.0“ seien allein in sechs wichtigen Branchen Produktivitätssteigerungen von 78 Milliarden Euro und ein Beschäftigtenzuwachs vor allem in der IT-Branche möglich...

Nüchtern betrachtet allerdings, lässt sich über die Arbeit der Zukunft sinnvoll nur in gegenläufigen Szenarien spekulieren. Alle Studien, die es mit Blick auf die Auswirkungen des „digitalen Kapitalismus“ auf den Arbeitsmarkt an Ambivalenz mangeln lassen, dürften sich als wertlos erweisen. Daher - einerseits für alle Apologeten des Fortschritts, Apple-Jünger und Google-Gläubige, andererseits für alle Maschinenstürmer, Aldous-Huxley-Leser und Algorithmus-Furchtsame - eine kleine Diskussionsanregung in drei Punkten: 

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