Tauchsieder

Die Gefahren der Share-Economy

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Uber und Airbnb

Erst als vor wenigen Wochen die Firma "Uber" von sich reden machte, meldeten sich die Marktheiligen zu Wort - und das Online-Portal, das Fahrgästen Mietwagen mit Fahrer sowie private Mitfahrgelegenheiten vermittelt, avancierte flugs zum Symbol einer Befreiungsbewegung: Vulgärliberale aller Länder, vereinigt Euch! Denn es geht wider die Zünfte und die Gewerkschaften, die Krake Staat und die Bürokratie!

Da kommen ein paar kregle junge Menschen mit einer guten Idee daher, wollen ihren Kunden den Anblick von ungewaschenen Soziologen ersparen, die mürrisch hinterm Steuer überteuerter Taxis sitzen - und was passiert: Der Staat wehrt sich gegen die neue Konkurrenz, schützt die Torfnasen mit ihren Lizenzen und Beförderungsscheinen und lässt dem freien Unternehmertum mal wieder keine Chance... Stand der Dinge: Uber wurde in einigen deutschen Städten gerichtlich verboten - und bietet weiter seine Dienste an.

Nun kann man trefflich über das Für und Wider des deutschen Taxiwesens und der Firma "Uber" diskutieren - wenn man wollte. Allein, worum es den eifrigsten Befürwortern von Uber geht, ist kein Austausch von Argumenten, sondern blankes Ressentiment. Ansonsten würde man sich nicht blindlings die Logik der Linksbewegten zu eigen machen, die sich längst als irrig erwiesen hat. Würde nicht das naiv hochgestimmte Lied von der Kundensouveränität und der selbstbestimmten Vernetzung im gewerkschaftsfreien Netz singen, sondern nüchtern zur Kenntnis nehmen, dass hinter Uber Investoren wie Benchmark Capital, Goldman Sachs und Google Ventures, kurz: Profitinteressen von reichen Privatinvestoren und Datenkonzernen stecken.

Warum Uber so umstritten ist

Auch das ach' so coole Unternehmen "Airbnb", eine Plattform für die private Vermietung von Wohnungen, taugt nicht zur Verheißung eines Zeitalters altruistisch vernetzter Privatkapitalisten mit Spaß am Tausch und am Teilen, die endlich dem schlechten Service-Personal in Hotels entkommen wollen und sich lieber einen Finger von der Hand abtrennen als der Putzkolonne einen Euro aufs Kopfkissen legen. Vielmehr ist es so, dass es sich bei "Airbnb" um einen protokapitalistischen Netzkonzern handelt, der bereits rund 800 Millionen Dollar an Investorengeldern eingesammelt hat, um Konkurrenten aufzukaufen und das Geschäft mit der Wohnungsvermittlung zu monopolisieren - ein Geschäft im Übrigen, das zu 70 Prozent von Profi-Vermietern, nicht von Privatanbietern bestritten wird. 

In Arbeit
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Es lohnt sich daher, nicht mit romantisch verklärtem, sondern mit soziologisch kaltem Blick auf den Plattform-Kapitalismus der Zukunft zu schauen - und sich den Sinn dafür zu erhalten, dass "Share-Economy" eine euphemistische Bezeichnung für etwas ist, was auf einen sukzessiven Machtzuwachs der intermediären Ebene hinausläuft.

Der Vermittler eines Geschäfts zwischen zwei Privatleuten kann beim Kunden mit der Ausschaltung von Transaktionskosten (Steuern und Abgaben) punkten, dafür einen satte Provisionsgebühr erheben und sich selbst bereichern - und alle drei Parteien zusammen - der Käufer einer Dienstleistung, der Verkäufer und der Vermittler - berauben den Staat, sich gleichsam wechselseitig gratulierend, seiner Kontroll- und Einnahmemöglichkeiten. Das aber heißt nichts anderes -und so viel ist sicher: Die Macht aller öffentlicher Institutionen, Kollektivvertretungen und Interessenverbände - des Steuerstaates, der Gewerkschaften, der Industrieverbände - wird erodieren.

Zweitens dürfte feststehen, dass es sich bei der "Share-Economy" um eine evolutorische Weiterentwicklung des digitalen Konzernkapitalismus handeln wird. Was drittens die offenen Frage aufwirft, wer am Ende zu ihren Gewinnern zählen wird: Der Plattformbetreiber allein - oder auch jene, die sich auf seinen Plattformen tummeln?

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