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Tauchsieder

Was auf uns zukommt

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Verantwortungslos und zynisch

Selbstverständlich ist Angst keine angemessene Reaktion auf Flüchtlinge, die Hilfe suchen. Deutschland ertrinkt nicht in einem „Migrationsstrom“ und wird auch von keiner „Flüchtlingswelle“ erfasst. Setzt man die Asylbewerberzahlen ins Verhältnis zu den Einwohnerzahlen, werden in Schweden, Österreich (und Ungarn) derzeit noch mehr Asylanträge gestellt als hierzulande.

Auch hat die OECD soeben wieder Zahlen vorgelegt, die belegen, dass Migration positive Effekte für die Wirtschaft des Ziellandes hat. Gleichwohl ist Skepsis eine angemessene Reaktion auf eine Politik, die von einem hohen Maß an Irrationalität geleitet ist. Ist Großbritannien, das Milliarden dafür aufwendet, um Flüchtlinge vor allem in der Nähe ihrer Heimatländer zu versorgen, hartherzig oder klug?

Auf welche Grundlage will die EU künftig ihre Beziehungen zu den reichen Golfstaaten stellen, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Krisenländern befinden - und die ihren Glaubensbrüdern aus Angst vor dem Import von Islamismus und Demokratie die Tür vor der Nase zuschlagen?

Was schließlich ist mit all’ den Argumenten, die der britische Ökonom Paul Collier in seinem Buch „Exodus“ zusammengetragen hat: Dass das Vertrauenskapital in Aufnahmeländern sich zu verzehren droht, wenn die „Absorption“ der Fremden nicht gelingt, wenn zu viele Migranten aus dysfunktionalen Staaten ihre Moralvorstellungen importieren und das Grundverständnis des Zusammenlebens in den Zielländern unterlaufen?

Deutschland



Dass die Solidarität der Reichen mit den Armen in dem Maße abnimmt, wie sich mit ihr einer kulturelle Distanz verknüpft? Dass Nationalstaaten „unsere einzigen Systeme“ sind, die öffentliche Güter bereitstellen - und dass diese Nationalstaaten nur funktionieren können auf der Basis geteilter Wertvorstellungen?

Eine Politik, die Flüchtlinge abweist und die Augen verschließt vor der Not der Menschen, ist verantwortungslos und zynisch. Eine Politik, die vor lauter „Wir-schaffen-das-Optimismus“ der Frage nach den soziokulturellen Kosten ihrer Asyl- und Migrationspolitik ausweicht, wäre es auch.

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