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Theologe Bülent Ucar "Islamischer Calvinismus"

Seite 2/2

Frau mit Kopftuch in Berlin Quelle: dpa

Was heißt das?

Der sparsam lebende Investor kommt dem Ideal des Islam wohl am nächsten, wobei Luxus nicht per se verboten ist. Maßhalten ist das Stichwort.

Jetzt haben wir eine große muslimische Diaspora in Europa. Stellt sich der Islam darauf ein?

Er muss es. Früher gab es in Europa keine Religionsfreiheit, sodass es für Muslime kaum vorstellbar war, in einem christlichen Staat zu leben. Denken Sie etwa nur an die Judenverfolgungen, an die Kreuzzüge oder an die Reconquista in Spanien. Heute verhält es sich ganz anders, Religionsfreiheit ist ein fester Bestandteil aller Verfassungen.

Kann die soziale Eingliederung der Muslime denn funktionieren? Im Koran steht: „Nehmet nicht die Juden und die Christen zu Freunden“ (Sure 5,51) – das ist doch ein Problem?

Auch hier müssen wir die historischen Umstände berücksichtigen. Wenn man das nicht tut, können die heiligen Texte aller Religionen sehr unheilig werden. Religiöse Extremisten deuten solche Stellen gerne wörtlich aus, statt sie in ihren Zusammenhang zu stellen. Übrigens darf auch nach orthodoxem islamischem Verständnis der Muslim eine Christin heiraten. Und wie wollen Sie mit jemandem das Leben teilen, ohne befreundet zu sein?

Aber müssen Muslime in Deutschland nicht mehr für ihre eigene Integration tun?

Sicherlich! Als Minderheit müssen wir viel mehr auf die Mehrheitsbevölkerung zugehen, aber auch die Mehrheitsgesellschaft muss mehr tun, als in aufgeregten Debatten geistige Brandstifter zu verurteilen. Über 90 Prozent der Muslime in Deutschland halten die Demokratie für die beste Staatsform, gleichzeitig bezeichnen sich rund 90 Prozent als religiös. Islam und Demokratie gehen zusammen, und zwar in der Theorie wie in der Praxis!

Sie selber bilden Religionslehrer für deutsche Schulen aus. Wie werden Ihre Studenten als Lehrer den Enkeln und Urenkeln der ersten Gastarbeiter diese Probleme vermitteln?

In Respekt gegenüber Andersgläubigen oder Nichtgläubigen und in Verbundenheit zum eigenen Bekenntnis, wobei die Kompatibilität des Islam zu Demokratie und Menschenrechten für mich elementar ist. 

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