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Tourismus in Deutschland Das erwartet Ostsee-Urlauber

Harry Glawe ist für den Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern zuständig. Quelle: dpa

Harry Glawe (CDU) ist Wirtschaftsminister in Mecklenburg-Vorpommern. Wenn Deutschland nun langsam wieder aus dem Shutdown erwacht, hofft vor allem der Tourismus auf Besserung. Doch wie soll das gehen mit Corona? Der Minister sagt: Es muss.

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Harry Glawe, 66, ist seit 2016 Minister für Wirtschaft und Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern. Er ist in dieser Funktion auch für den Tourismus im Land zuständig.

WirtschaftsWoche: Herr Glawe, kann sich ein Urlaubsland wie Mecklenburg-Vorpommern ein Jahr 2020 ohne Sommertourismus leisten?
Harry Glawe: Wir wollen es uns nicht leisten müssen. In unserem Land allein sichert der Tourismus 130.000 Jobs direkt und weitere 40.000 bei Zulieferern, Biobauern beispielsweise. Er steht für acht Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Deshalb tun wir alles dafür, damit Urlaub und Erholung trotz Corona bei uns möglich werden.

Wie wird die „neue Normalität“ an den Ostsee-Stränden zwischen Heringsdorf und Wismar aussehen?
Sie hat bereits begonnen. Seit dem 1. Mai dürfen Eigentümer wieder in ihre Zweitwohnungen und Gäste auf Campingplätze. Kommende Woche öffnen wir die Gastronomie. Eine Woche später folgen Hotels und Ferienwohnungen, die wieder bezogen werden dürfen. Ab dem 25. Mai heißen wir dann wieder alle Bürger aus Deutschland bei uns als Gäste willkommen.

Und wie soll verhindert werden, dass die Strände überfüllt, die Frühstücksbuffets umringt sind?
Hotels erlauben wir deshalb nur eine Belegung von maximal 60 Prozent. Alle Betreiber müssen strenge Hygienekonzepte erfüllen. An den Stränden werden etwa durch die Vermietung von Strandkörben für Abstände sorgen.

Reicht die schrittweise Öffnung, die nun im ganzen Land startet, um alle Betriebe am Leben zu halten?
Es wird trotzdem einige Unternehmen geben, die in Schwierigkeiten geraten – wenn sie es nicht schon längst sind. Deshalb fordern wir von der Bundesregierung ein Sonderprogramm für den Tourismus in Deutschland in Höhe von 30 Milliarden Euro.

Noch mehr Staatshilfe?
Ja, ich hielte das für richtig. Das Geld sollte eingesetzt werden, um Sanierungen und Modernisierungen zu fördern. Es würde nicht nur der Branche selbst helfen, den Hoteliers und Gastronomen, sondern auch dem Handwerk.

Haben Sie eigentlich keine Angst vor einer zweiten Welle an Infektionen, die dann einen erneuten Shutdown nach sich zöge?
Natürlich ist eine zweite Welle nicht ausgeschlossen. Aber wir haben bislang hier nur sehr wenige Fälle gehabt und sind sehr zuversichtlich, dass wir diese gute Lage erhalten können.

Kann die gesamte deutsche Wirtschaft noch mit einem blauen Auge davonkommen?
Ja, das kann gelingen. Wir müssen die Infektionen in beherrschbaren Größen halten – und gleichzeitig verantwortlich öffnen. Die Pflicht zum Schutz der Gesundheit und das Interesse an stabilen ökonomischen Verhältnissen kann und muss ausbalanciert werden.

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