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TV-Dreikampf Gysi und Trittin treiben Brüderle ins Abseits

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Gysi will differenziert Sparen

Doch der einzige, dem es gelingt, nicht nur Keynes Namen fallen zu lassen, sondern auch seine Theorie in Grundzügen zu erklären, ist Gregor Gysi: „Einen Bundeshaushalt müssen sie umgekehrt führen als einen Privathaushalt.“ Während ein Privathaushalt sparen müsse, wenn wenig Geld da sei, müsse der Staat genau dann investieren, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, erklärt Gysi. Wenn es der Wirtschaft gut gehe, müsse der Staat hingegen sparen. Doch wo soll der Staat sparen? „Differenziert“, antwortet Gysi kurz. Bei der Bürokratie, bei den Rüstungsausgaben, sagt er. Doch dass sich durch das Kürzen dieser Posten der Berg der Staatsschulden nicht wirklich verkleinert, sollte auch dem letzten Linken-Wähler klar sein.

Brüderle im Abseits

Trotzdem, gegen das Pass-Spiel von Gysi und Trittin hat FDP-Stürmer Rainer Brüderle kaum eine Chance. Er ist heiser, wirkt lädiert und schafft es nicht dem stimmgewaltigen Trittin das Wort zu nehmen. Insbesondere beim Thema Griechenland gelingt es Brüderle nicht, die schwarz-gelbe Politik zu verteidigen. Zu Schäubles Ankündigung eines dritten Rettungspakets für das Krisenland sagt er nur: „Es war von vorne herein klar, dass man Ende 2014 überprüft, ob die Maßnahmen, die man ergriffen hat, richtig sind.“ Doch die Opposition fordert einen sofortigen Richtungswechsel. „Ohne Wachstum wird man Griechenland nicht aus der Krise führen können“, sagt Jürgen Trittin. „Sie wollen Euro-Bonds“, fällt ihm Brüderle mit erhobenem Zeigefinger ins Wort. Moderator Schönenborn muss beschwichtigend eingreifen: „Lassen Sie uns einfach die Spielregeln beachten.“

Doch die Spielregeln interessieren die drei mittlerweile rotwangigen Redner herzlich wenig. Sie sind heute vor die Kameras getreten, um die Wähler aufzurütteln und zu warnen. Es sei die Schuld von Schwarz-Gelb, dass Deutschland nicht mehr als Vorreiter beim Thema Klimaschutz gelte, proklamiert Jürgen Trittin. Die von der CDU und FDP eingeführten Ausnahmen von der Ökostrom-Umlage für Unternehmen müssten rückgängig gemacht werden. Brüderle hingegen forderte ein Ende der Subventionen für Solarhersteller. Jetzt zahle die „Oma mit der Leselampe“ die Subvention für die Solarzellenbetreiber, empört sich Brüderle – und sichert sich damit die Höchstpunktzahl für den absurdesten Vergleich.

Maßnahmenkonsortium

Gregor Gysi präsentiert gleich ein ganzes Konsortium an Maßnahmen, mit denen die Deutschen Strom sparen könnten. Zum Beispiel einen Sockeltarif bei den Strompreisen für Privathaushalte. Demnach sollen 300 Kilowattstunden pro Haushalt und weitere 200 Kilowattstunden pro Person gebühren frei sein, darüber hinaus müsse der Preis dann höher ausfallen, um Anreize zum Stromsparen zu geben. Eine weitere Idee: Eine Abwrackprämie für alte Haushaltsgeräte. „Genial“, spottet Brüderle.

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Ob er sich eine Ampel-Koalition vorstellen könnte, fragen die Moderatoren den FDP-Spitzenstürmer. Der spottet gleich weiter: „Ich esse wann ich will und was ich will“, sagt Brüderle. Ein Veggie-Day, das passe nicht zu einer Partei der Freiheit. Und auch Trittin darf erklären, warum die Grünen und die CDU niemals ein Traumpaar werden können: „Den grünen Wandel gibt´s nur mit starken Grünen und nur in einer rot-grünen Koalition“, erklärt er. Gysi hingegen nutzt die Frage nach einer Kooperation mit der SPD, noch einmal die Linken als Anti-Kriegs-Partei darzustellen. Ohne ein eindeutiges Nein der SPD zu Syrien und einem Umdenken beim Thema Arbeitslosengeld sei eine Koalition unwahrscheinlich.

Ein Gewinner lässt sich nach dieser Debatte nicht ausmachen. Wahrscheinlich ist es der Wähler: FDP, Grüne und Linke haben eine gute Chance, dass diese Debatte doch den ein oder anderen Unentschlossenen aufrütteln konnte.

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