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TV-Kritik Geballte Euro-Skepsis bei Maybrit Illner

Rainer Brüderle ist wieder in der Talkshow-Arena, Bernd Lucke von der neuen Anti-Euro-Partei nun auch. Dazu gesellten sich Oskar Lafontaine und Dirk Müller. Zum Thema Italien und Euro-Krise ging es erfrischend hoch her.

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Bei Maybrit Illner trafen Oskar Lafontaine, Rainer Brüderle und Börsen-Erklärer Dirk Müller aufeinander. Quelle: Carmen SauerbreiZDF/Carmen Sauerbrei

"Pizza Monti"- und Pasta-Witze zur Einleitung, im Studiohintergrund große Fotos grell geschminkter Clownsgesichter, dazu der Sendungstitel "Chaos, Clowns und Euro-Krise -  zieht uns Italien in den Abgrund?" - Maybrit Illners gestrige ZDF-Talkshow legte die Messlatte zunächst beinahe auf den Fußboden. Und dann sprang die Sendung umso souveräner hoch darüber. Eurokrisen-Talk mit so vielen disparaten Meinungen gab es im Fernsehen lange nicht.

Das war der Gästeauswahl zu verdanken, die zwar einem in der Logik der Talkshow-Konkurrenz spektakulären Casting entsprang, aber auch in der Zusammenstellung der inhaltlichen Positionen gelungen war. Vordergründig spektakulär war der erste Auftritt des FDP-Politikers Rainer Brüderle seit der Aufregung um den "Stern"-Artikel über ihn und die folgende Sexismus-Debatte (die ja auch so einige Talkshows gefüllt hatte). Am Schluss bekam er einen Dirndl-Witz Illners zu hören, der weder passend, noch auch nur ansatzweise lustig war ("Was würde Italiens Wirtschaft helfen, vielleicht eine Modewelle für Dirndl?"). Nicht unspektakulär auch das TV-Debüt der "Alternative für Deutschland". Für die frisch gegründete Anti-Euro-Partei trat der Hamburger Makroökonomie-Professor Bernd Lucke auf.

Inhaltlich spektakulär: die ungewöhnliche Vielfalt plausibel darstellbarer, aber drastisch gegensätzlicher Argumentationen und der teils wechselnden Oppositionen, die sich im Verlauf der Sendung im Studio bildeten.

Eine ungewöhnlich große Koalition gegen den Euro bildete sich rasch heraus. Angeführt wurde sie vom eloquenten, immer gern als "Mister Dax" annoncierten Talkshow-Stammgast Dirk Müller, der aus irgendeinem Grund zunächst im Publikum platziert worden war und erst nach einem Einzelinterview mit Illner aufs Podium gebeten wurde. Dort sicherte er sich dann die meisten Redeanteile. Auch Euro-Gegner Lucke machte mit feinem Lächeln zur bunten Krawatte eine gute Figur. Er redete weniger, aber wenn, dann schnell und konzise. Nicht unüberraschend zeigte sich Oskar Lafontaine, der Veteran der Linken, in vielem mit Müller und Lucke einig.

Lafontaine schöpfte die einprägsamsten polemischen Bilder, nannte etwa Angela Merkel "die Kurtisane der Reichen Europas". Müller hatte für seine Meinung, der Euro sei "die falsche Währung für die meisten Staaten in Europa", eine Fülle von Beispielen parat und prophezeite am Ende gar Griechenland einen bevorstehenden "Staatsstreich von der rechten Seite". So viel Euro-Skepsis war in einer öffentlich-rechtlichen Talkshow versammelt.

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