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Überflieger Deutschland Wo wir überall Spitze sind

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Lokomotive Deutschland

Untersuchungen des Harvard-Professors Kenneth Rogoff zeigen, dass Schuldenquoten jenseits der 90-Prozent-Marke das Wirtschaftswachstum auf lange Sicht deutlich bremsen. Gelingt es Deutschland, die Quote unter der Marke von 90 Prozent zu halten, könnte es seinen Wachstumsvorsprung noch ausbauen.

Kein Wunder also, dass sich die Unterstützung für das System der sozialen Marktwirtschaft trotz Krise seit Oktober 2008 auch in der Bevölkerung stabilisiert hat. Mehr als jeder Zweite glaubt inzwischen wieder, das Wirtschaftssystem habe sich bewährt, so eine Befragung des Bankenverbands. Nach Ausbruch der Finanzkrise war dieses Vertrauen noch massiv gestört.

„Die Gesellschaft hat sich verändert“, sagt Jürgen Gerhards, Direktor des Instituts für Soziologie an der Freien Universität Berlin. Der Modernisierungsschub der vergangenen Jahrzehnte habe sowohl eine „neue faktische Realität geschaffen“ als auch „die Werte der Menschen verändert“, konstatiert er. Es gibt mehr Migranten, mehr offen lebende Homosexuelle und mehr Patchwork-Familien. Die Gesellschaft ist „eindeutig toleranter geworden“, findet der Soziologe. Mit dem Wohlstand verändert sich auch „das Wertegerüst einer Gesellschaft“.

Das strahlt ab in die Welt. Im Ausland hat sich das Bild Deutschlands und seiner Menschen verändert. Noch unmittelbar nach der Wiedervereinigung habe, so Gerhards, die Skepsis gegenüber einer zu neuer Stärke findenden „mitteleuropäischen Macht“ überwogen. Doch die Ängste seien verflogen. Selbst der Zweite Weltkrieg spiele heute nur noch eine nachgeordnete Rolle: „Die Einfärbung des Deutschlandbildes durch den Holocaust ist stark verblasst.“

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    Lohnende Zurückhaltung

    Menschen anderer Länder begegnen Deutschen oft mit einer Spur Bewunderung, zumindest aber positiv, so die Erfahrung von WirtschaftsWoche-Korrespondenten und Managern vor Ort: 

    90 Prozent aller Chinesen haben ein positives Bild von Deutschland, so eine Umfrage. Deutsche gelten als gründlich, solide, ernst und langfristig orientiert – diese Begriffe sind bei Chinesen positiv besetzt. Zudem hielten sich Deutsche an Absprachen und seien nicht auf kurzfristigen Profit aus. Ein Job bei einer deutschen Firma gilt bei vielen als Sechser im Lotto.

    Sehen sich Japaner innerhalb Asiens als überlegene Nation, so gilt das nicht für Beziehungen mit dem Westen, insbesondere Deutschland. Deutschland gilt als anspruchsvoll und fortgeschritten.

    Qualität, Ordnung, Sauberkeit, beinahe penetrant genaues Arbeiten — das ist das klischeehafte Bild von den Deutschen, und es wirkt positiv. Russen machen sich zuweilen über den deutschen Ordnungssinn lustig, karikieren das aber auch im Kontrast zu ihrer selbst empfundenen chaotischen Natur.

    Gewissen der Welt

    Deutsche Unternehmen sind in Brasilien stark präsent, und viele Brasilianer haben deutsche Wurzeln. Der Ansturm chinesischer Konzerne auf Südamerikas Rohstoffquellen bringt ein neues Interesse an deutschem Know-how: Vor allem der deutsche Mittelstand soll helfen, Brasiliens Wirtschaft zu stärken.

    Effizient, effektiv, geordnet — das klingt nach Langeweile. Oft hadern die Deutschen mit diesem Bild: Ach, wüssten die Leute doch nur, wie fröhlich, humorvoll und warmherzig wir sein können, legen wir erst einmal die Krawatten ab! Das aber trifft nicht den Kern, sagt Simon Anholt. Der Brite ist Experte für Nationen-Marketing. „Die Wahrheit ist, dass viele Menschen die offizielle Erscheinung der Deutschen bevorzugen.“ Die Deutschen hätten deswegen gar das Potenzial dazu, als „Gewissen der Welt“ aufzutreten.

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