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Ulm gegen Leipzig Warum sich ausgerechnet diese Städte so gut entwickeln

Was haben Ulm und Leipzig gemeinsam? Nichts, könnte man meinen. Und doch liegen die beiden Städte im WiWo-Dynamikranking dicht beieinander. Die hippe Start-up-Metropole im Osten und das bodenständige Mittelstands-Mekka im Ländle haben ganz unterschiedliche Stärken – und wissen sie zu nutzen.

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Diese Städte haben sich am besten entwickelt
Fürth Quelle: Fotolia
Heilbronn Quelle: Fotolia
Nürnberg Quelle: DPA/Picture-Alliance
Fuggerei in Augsburg Quelle: dpa
Regensburg Quelle: Dpa
Frankfurt
Würzburg Quelle: DPA

Auf den ersten Blick erfüllt Ulm alle Klischees, die ein Städtchen im Schwabenland so mitbringen kann: Die Fassade des Rathauses zieren Malereien aus den vergangenen Jahrhunderten, kunstvolle Fresken und eine astronomische Uhr. Geschichte und Tradition, wohin man auch geht: der Ulmer Münster, das Schwörhaus und das Fischerviertel verleihen der Stadt trotz ihrer mehr als 120.000 Einwohner eine geradezu dörfliche Atmosphäre. Besucher gewinnen den Eindruck: Hier ist die Welt noch in Ordnung, hier essen Familien noch sonntags miteinander Spätzle und Maultaschen.

Ganz anders Leipzig. Statt dicht gedrängten Fachwerkhäuschen reihen sich hier imposante Gründerzeitbauten aneinander, Zeugen des Baubooms zur Jahrhundertwende. 1940 zählte die Stadt mehr als 700.000 Einwohner, galt als europäische Kulturmetropole. Mit ihren großzügig angelegten Plätzen und Parks, den vielen herrlich restaurierten Häusern, erhaltenen Bauwerken wie der Thomaskirche oder dem Reichsgericht wirkt die Stadt sehr urban. Und ihre Einwohner – darunter viele junge Familien und Kreative – geradezu kosmopolitisch. Von Ost-Tristesse kaum eine Spur.

Leipzig und Ulm: Zwei Städte die unterschiedlicher nicht sein könnten – jedenfalls scheinbar. Groß gegen klein, Ost gegen West, Hipstertum gegen Tradition, lässige Start-Up-Szene gegen seriösen Mittelstand. Und doch liegen die Städte im WirtschaftsWoche-Dynamikranking 2017 direkt hintereinander – Leipzig auf Platz 11, Ulm auf dem 12. Platz. Das Dynamikranking misst die Entwicklung einer Stadt in den vergangenen fünf Jahren. Leipzig ist die einzige ostdeutsche Stadt in der Top 20, Ulm legte im Vergleich zu 2016 um beeindruckende 27 Plätze zu und ist somit der Aufsteiger des Jahres.

Ganz unterschiedliche Voraussetzungen also und doch am Ende eine vergleichbare Standortstärke. Wie und woher kommt das? Ulm und Leipzig, dieses ungleiche Paar, erzählt eine Menge darüber, wie viel eine kraftvolle, lebenswerte und aufstrebende Stadt in Deutschland ausmachen kann.

In Wahrheit hat Ulm weitaus mehr zu bieten als nur Idylle und Gut-Bürgerlichkeit. Mit einer Arbeitslosenquote von 2,8 Prozent herrscht hier Vollbeschäftigung, In der Kategorie „Wirtschaftsstruktur“, die 30 Prozent der Gesamtplatzierung im Dynamikranking ausmacht, erreicht Ulm sogar bundesweit den dritten Platz nach Ingolstadt und Darmstadt. Die Stadt ist einer der attraktivsten Standorte für Unternehmen in Süddeutschland, große Firmen wie der Generika-Hersteller Teva, die Drogeriekette Müller und das Luft- und Raumfahrt-Unternehmen Hensoldt gehören zu den größten Arbeitgebern der Region.

Otto Sälzle ist Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ulm und beschäftigt sich von Berufswegen mit den Gründen für die Standortattraktivität seiner Stadt. Er sagt: „Unsere Region zeichnet sich durch einen sehr guten Branchenmix aus, der die Entwicklung trägt – das funktioniert oft besser, als in einer Region, die von einer einzelnen Branche abhängt, wie zum Beispiel der Autoindustrie.“

Eine große Rolle spielt auch die Lage. Ulm liegt direkt an der Grenze zu Bayern, in der Mitte zwischen Stuttgart und München. Zu einem gut ausgebauten Autobahnnetz kommt bald außerdem noch die Schnellstrecke zwischen Stuttgart und Ulm hinzu. Dann braucht man mit dem Zug vom Ulmer Hauptbahnhof aus nur 30 Minuten bis zum Stuttgarter Flughafen.

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