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Um die Sache geht es schon lange nicht mehr Die K-Frage wird als offene Schlacht ausgetragen

Wer wird im Wahlkampf für die Union in das Rennen um das Bundeskanzleramt einziehen? Quelle: dpa

Armin Laschet – oder doch Markus Söder? Das eigentliche Problem sind nicht die Köpfe, die für die Union zur Kanzlerkandidatur drängen. Sondern die wirtschaftspolitische Ununterscheidbarkeit, für die sie beide stehen.

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Nun ist sie also da: Die Lage, die so viele lieber vermieden hätten. Die K-Frage der Union wird als offene Feldschlacht ausgetragen – oder sagen wir besser: als halboffenes, bitteres Scharmützel. Denn ob nun Armin Laschet oder Markus Söder CDU und CSU in den Wahlkampf führen werden, wird sich daran entscheiden, wer nun in den entscheidenden Telefonaten auf wessen Seite wechselt.

High Noon in der Union. Die am Sonntag so demonstrativ zur Schau gestellte Demut Söders war ja nicht weniger als ein auf offener Bühne vorgetragenes Angebot, die Seiten zu wechseln. Dass es so weit kommen konnte, hat natürlich mit dem Ende der Ära Merkel zu tun. Viel zu lange dachte die Union, ihre parteipolitische Hegemonie sei unerschütterlich. Das ist sie offensichtlich nicht. Viel zu lange dachte sie, programmatisch so ziemlich alles (mit-)machen zu können, so lange die Bundeskanzlerin ganz oben mit ihrer Aura für die Im-Großen-und-Ganzen-ist-alles-in-bester-Ordnung-Stimmung sorgte. So ist es eben nicht.

Als die Pandemie über das Land kam und eine Rezession herbeiführte, wie sie die Bundesrepublik noch nicht gesehen hatte, war es dann um einen der letzten beiden (!) Pfeiler christdemokratischer Politik geschehen: Die Schwarze Null und mit ihr die Schuldenbremse landeten auf dem Müllhaufen der Geschichte. Das Letzte, das Allerletzte, das der Union noch bleibt, ist ihr Klammern an das Versprechen, keine Steuern für niemanden zu erhöhen. Ein ziemliches Armutszeugnis.

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Hier liegt das eigentliche Problem der Kandidaten, vielleicht auch der entscheidende Grund für ihre Kollision: Mit den Namen Laschet und Söder verbindet sich keinerlei inhaltliche Richtungsentscheidung, keine wirtschaftspolitische Grundsatzfrage. Es geht nur darum, wer gerade in Umfragen die bessere Figur macht; wer telegener wirkt; wer weniger verkniffen guckt, wenn Journalisten ein bisschen nachfassen; wer gerade welche Rolle im x-ten Coronakapitel zu spielen glaubt; oder wem die Öffentlichkeit gerade welche Rolle zuschiebt.

Um die Sache dagegen geht es schon lange nicht mehr. Welches Verständnis von Wirtschaft besitzt Markus Söder jenseits von Bavaria One und dem Schöpfen aus dem fiskalischen Vollen für Lehrstühle hier und Ansiedlungen dort? Was genau macht Armin Laschet in NRW in einer schwarz-gelben Landesregierung so viel besser, so anders, dass sich daraus eine substanzielle Idee für ein „Modernisierungsjahrzehnt“ ableitet? Hier Antworten zu finden, fällt nicht nur professionellen Beobachtern schwer. Es fällt auch der Partei schwer. Den Kandidaten. Und am Ende den Wählern. High nun ja.

Mehr zum Thema: Die meisten Unternehmer schweigen zur Frage, wer Kanzlerkandidat der Union werden sollte und warnen vor „öffentlicher Selbstzerfleischung“. Doch erste Chefs legen sich fest. Wer Laschet unterstützt – und wer Söder.

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