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Umfrage DIHK: Engpässe und Preisanstiege drohen wirtschaftliche Erholung zu verzögern

Die große Mehrheit der deutschen Unternehmen kämpft laut einer Umfrage mit Lieferproblemen und höheren Preisen. Nur jedes Fünfte erwarte eine Besserung bis zum Jahreswechsel.

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Vor allem Stahl ist momentan knapp. Quelle: dpa

Der Großteil der deutschen Unternehmen leidet unter Materialengpässen und höheren Kosten. Das ist das Ergebnis einer am Donnerstag veröffentlichen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter fast 3000 Unternehmen.

Demnach klagen 83 Prozent über Preisanstiege oder Lieferprobleme bei Rohstoffen, Vorprodukten und Waren. Die Probleme „dürften den Erholungsprozess der Wirtschaft merklich erschweren“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. Die Lieferkettenprobleme hätten sich aufgetürmt.

70 Prozent der befragten Unternehmen sehen die gestiegene Nachfrage während des Aufschwungs beziehungsweise zu geringe Produktionskapazitäten als Grund für die Probleme. Vor allem mangele es an Containern (76 Prozent) für den Transport von Rohstoffen und Vorleistungsgütern. Außerdem gebe es zu wenig Schiffe für die Logistik (74 Prozent).

Zu spüren bekommen die Firmen die Engpässe und steigenden Preise insbesondere bei direkten Vorprodukten, Stahl, Aluminium, Kupfer und Holz. Verpackungen sind durch alle Branchen hinweg ebenfalls Mangelware, ebenso Elektronikkomponenten.

In der Fahrzeugindustrie fehlen massiv Halbleiter. Der Einzelhandel berichtet etwa von Engpässen bei Textilien. Bei diversen Unternehmen ist die Geschäftigkeit direkt betroffen. In der Elektrotechnik zum Beispiel gaben 64 Prozent der Firmen an, bestehende Aufträge nicht abarbeiten zu können.

Unternehmen klagen über höhere Einkaufspreise

Die jüngste Teilschließung des chinesischen Hafens in Ningbo trifft die deutsche Wirtschaft in einer Zeit, in der sie ohnehin schon erhebliche Lieferschwierigkeiten bewältigen müsse, so der DIHK.

Jedes zweite Unternehmen nennt zudem Produktionsausfälle bei Zulieferern als Grund für den Rohstoffmangel. Deutsche Unternehmen berichten laut DIHK vereinzelt davon, dass die Hochwasserkatastrophe zu den Problemen beiträgt.

Nur jedes fünfte Unternehmen erwartet eine Besserung bis zum Jahreswechsel, 53 Prozent rechnen nicht mit einer Verbesserung der Situation vor 2022. Die DIHK hält daher die aktuell zu beobachtenden Preisanstiege für ein nachhaltiges Phänomen. Die Verbraucherpreise in Deutschland waren zuletzt im Juli um 3,8 Prozent und damit so sehr wie seit Jahren nicht mehr gestiegen.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass wir es nicht nur mit einem kurzfristigen Anstieg der Preise zu tun haben“, sagte Treier. Der Grund: 67 Prozent der Unternehmen erklärten, die Preiserhöhungen bei Rohstoffen und Vorleistungen an ihre Kunden weiterzugeben. Der Chef der Außenhandelskammer in China, Jens Hildebrandt, rechnet mit einer weiteren Verschärfung der Situation durch das Weihnachtsgeschäft.

Die Wirtschaftsvertreter erwarten, dass die Probleme für grundsätzliche Strategieschwenks bei vielen Firmen sorgen werden. „Da ist noch sehr viel Druck im Kessel bei den Unternehmen“, sagte Treier.

Neben den Lieferengpässen zwingt auch die Abkopplung Chinas deutsche Unternehmen dazu, ihre Lieferketten neu aufzustellen. Sie setzen entweder auf breitere Zuliefererstrukturen oder verlagern Produktionskapazitäten direkt in ihre wichtigsten Absatzmärkte.

Mit Agenturmaterial

Mehr: Chipmangel ohne Ende: Der Ausblick für die Autobauer verdüstert sich

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