Umfrage zu Werkverträgen IG Metall attackiert Outsourcing in der Industrie

Laut IG Metall nimmt das Outsourcing in der Industrie weiter zu. Die Gewerkschaft plant nun einen Feldzug gegen Werkverträge - und hofft auf Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles.

Kampagne gegen Werkverträge: Die IG Metall hofft, dass sich die Politik wie bei der Zeitarbeit zu einer Regulierung bewegen lässt. Quelle: dapd

Die IG Metall hat ihre seit Monaten laufende Kampagne gegen Werkverträge in der Wirtschaft weiter verschärft. Die Gewerkschaft präsentierte heute die Ergebnisse einer Umfrage bei rund 4000 Betriebsratsvorsitzenden, wonach die Unternehmen immer häufiger das Instrument von Werkverträgen nutzen.

Bei einem Werkvertrag vergibt ein Unternehmen bestimmte Tätigkeiten an ein externes Unternehmen, das dann eigene Mitarbeiter in den Betrieb schickt. „Immer öfter setzen Unternehmen Werkverträge ein, um dadurch Lohndumping durchzusetzen. Sie schaffen mit dieser Art der prekären Beschäftigung betriebsratsfreie und tariflose Zonen in relevanten Bereichen der Wertschöpfung“, schimpft Jörg Hofmann, Zweiter Vorsitzender der IG Metall.

Nach Wahrnehmung der Betriebsräte vergeben heute 22 Prozent der Unternehmen mehr Aufträge nach draußen als vor drei Jahren. Insgesamt kauften mittlerweile mehr als zwei Drittel der Betriebe Leistungen bei anderen Firmen ein. Und in fast drei Viertel aller Fälle müssten die Werkverträgler zu schlechteren Bedingungen arbeiten als die Stammbelegschaft, sagen die IG-Metall-Betriebsräte.

In jedem dritten Betrieb werden laut Umfrage Tätigkeiten aus der Produktion fremdvergeben, aber auch Montage, Logistik, Forschung und Entwicklung sind offenbar betroffen. "Gleichzeitig ist es den Betriebsräten in nur fünf Prozent der Unternehmen gelungen, das Thema in einer Betriebsvereinbarung zu regeln", kritisiert Christiane Benner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

Die größte deutsche Gewerkschaft will daher nun den betrieblichen und politischen Druck verstärken. Vizechef Hofmann kündigte einen Aktionstag am 24. September an. Da werde man “an nahezu allen Standorten der deutschen Automobilhersteller mit Kundgebungen und sichtbaren Aktionen Druck machen." Zudem soll es in Kürze einen gemeinsamen Aufruf der Gesamtbetriebsratsvorsitzenden von Automobilherstellern und Zulieferern an die Politik geben.

Hier haben die meisten Menschen einen befristeten Arbeitsvertrag

„Wir kritisieren nicht die sinnvolle Arbeitsteilung zwischen dem Produzenten von Fahrzeugen oder Maschinen und Spezialisten, die hierfür Dienstleistungen anbieten. Daneben hat sich aber eine Praxis der Auslagerung entwickelt, die alleine auf Lohndumping baut, um Extraprofite einzustreichen“, so Hofmann. Nach dem Willen der Gewerkschaft sollen die Arbeitgeber verpflichtet werden, den Betriebsrat über eingesetzte Werkverträge sowie den beauftragten Betrieb und die dort geltenden Tarifverträge zu informieren. Beim Outsourcing von Leistungen sollen die Betriebsräte ein Mitbestimmungsrecht erhalten. Rund 75 Prozent aller Betriebsratsmitglieder in der Metallindustrie sind IG-Metall-Mitglied.

Der erste und wichtigste Adressat dieser Botschaften ist ebenfalls IG Metall-Mitglied, arbeitete einst im Berliner Verbindungsbüro der Gewerkschaft und heißt Andrea Nahles.

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