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Umfrage zur Impfquote Die Impfquoten der Länder sind desaströs – mit einer Ausnahme

Exklusiv
Die Impfkampagne der Priorisierungsgruppe 1 läuft in der Bundesrepublik nicht so gut, wie es bei manchem Politiker klingt. Mancherorts sind nicht einmal zehn Prozent bislang vollständig geimpft. Quelle: imago images

Bald startet die Immunisierung der zweiten Impfgruppe. Diese Ankündigung war zuletzt von vielen Politikern zu hören. Die WirtschaftsWoche hat in den Bundesländern nachgefragt, wie es denn aussieht mit der Impfquote – und unbefriedigende Antworten bekommen.

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Die Bundesländer hinken bei der Covid-19-Impfung für die besonders schützenswerten Gruppen zum Teil stark hinterher. Das widerspricht der Einschätzung von Mitgliedern der Bundesregierung, die nun von einem Start der Immunisierung der Jüngeren und nach der zweiten Priorisierung eingruppierten Berufe ausgehen.

Zur bisher nur sehr unvollständig geimpften Gruppe 1 gehören die Über-80-Jährigen und medizinisches und Pflegepersonal in Kliniken und Senioreneinrichtungen. Nur einzelne Länder kündigen an, ab Anfang März auch mit der Immunisierung der zweiten Priorisierungsgruppe zu beginnen. Dazu gehören die Über-70-Jährigen, Menschen mit schweren Vorerkrankungen und nun auch Erzieher und Lehrerinnen, niedergelassene Ärzte und Polizistinnen.

Nach Recherchen der WirtschaftsWoche hängt die Impfkampagne in Deutschland immer noch, weil viel zu wenig Vakzin da ist und weil die Berechtigten nicht immer erreicht werden. Allerdings antworteten auf die Umfrage trotz mehrmaliger Nachfrage innerhalb von vier Tagen ohnehin nur zehn der 16 Bundesländer – und das zum Teil sehr lückenhaft. Hier der Überblick:

In Baden-Württemberg sind nach Auskunft des Sozialministeriums von den rund 720.000 Menschen über 80 Jahren erst etwa ein Sechstel oder rund 120.000 Senioren zweifach gegen Covid-19 immunisiert. Doppelt so viele haben bisher eine Impfdosis verabreicht bekommen. Von der rund eine Million Menschen, die in die erste Gruppe der höchsten Priorität gehören, sind insgesamt rund 208.000 Menschen inzwischen doppelt geschützt, rund 407.000 haben die erste Spritze bekommen. Das sind nur gut 20 bzw. gut 40 Prozent. Deshalb bleibt das Stuttgarter Sozialministerium auch noch ungenau, wann die nächste Gruppe der Menschen ab 70, jene mit schweren Vorerkrankungen sowie etwa Lehrerinnen und Erzieher drankommen.

In Hessen ist die Landesregierung schon etwas weiter gekommen und lädt nun die Gruppe mit hoher, also zweiter Priorität ein. Diese Impfungen sollen ab 5. März erfolgen. Dabei ist die Wiesbadener Regierung dazu übergegangen, die rund 1,5 Millionen Menschen aus dieser Gruppe mit einem konkreten Termin einzubestellen. Wer den Termin nicht wahrnehmen kann oder lieber mit seinem Partner zusammen zum Termin möchte, kann dann umbuchen. In Alten- und Pflegeheimen gelten in Hessen rund 80 Prozent als erstmals geimpft. Das Sozialministerium erklärt, größtes Problem sei der nach wie vor knappe Impfstoff und dass nicht geplant werden könne. „Zwar bekommen wir mittlerweile mehr Dosen, aber die Lieferzahlen sind nur für wenige Wochen verlässlich.“

In Sachsen-Anhalt haben von den rund 320.000 Menschen über 80 den Angaben der Landesregierung zufolge nur 15 Prozent die erste und erst neun Prozent auch eine zweite Dosis Vakzin bekommen. Von den Bewohnern in Pflegeheimen seien gut die Hälfte vollständig immunisiert. Beim Personal in Krankenhäusern und in Pflegeeinrichtungen sei es rund ein Drittel. „Wann die Impfungen in der Priorisierungsgruppe 1 abgeschlossen sein werden, lässt sich derzeit nicht sagen“, heißt es lapidar beim Sozialministerium in Magdeburg.

In Thüringen, wo die Landesregierung von etwa 150.000 Berechtigten über 80 ausgeht, sind erst knapp 24.000 Menschen vollständig und 53.000 erst einmal immunisiert. Das sind ein Sechstel und gut ein Drittel der Berechtigten. Die Ärztinnen und Pfleger aus der Priorisierungsgruppe 1 seien dagegen wohl weitgehend versorgt, sofern sie dies wünschten. Thüringen wolle nun übergehen, auch in der zweiten Priorisierungsgruppe mit Verabreichung des Vakzins zu beginnen.

Im kleinen Bremen gibt es von der Gesundheitssenatorin ebenfalls noch keine Erfolgsmeldungen. Bei der Gesundheitsverwaltung heißt es: „Eine große Aufgabe ist noch die Impfung der Personen zwischen 80 und 85 Jahren.“ Diese Gruppe werde erst ab Ende dieser Woche eingeladen. Alle von ihnen, die wollten, sollten im Laufe des März geimpft werden. Von den noch Hochbetagteren sind in Bremen erst rund 20 Prozent doppelt immunisiert. Ärzte und Pflegepersonal der ersten Priorität haben sich im Stadtstaat bisher nur zu 24 Prozent vollständig impfen lassen.

Im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen ist die Verwaltung ebenfalls noch ausschließlich mit der ersten Impfgruppe beschäftigt. Das Sozialministerium in Düsseldorf will keine Zahlen bereits Geimpfter nennen und erklärt zum Abschluss der ersten Priorisierung lediglich, wann die Gruppe versorgt sei, hänge davon ab, wieviel Impfstoff noch geliefert werde. „Die Nennung eines festen Datums zum jetzigen Zeitpunkt wäre nicht seriös.“ Pro Woche würden derzeit etwa 70.000 Menschen im Alter ab 80 geimpft.

Bayern gibt in der Antwort der Regierungs-Taskforce Coronapandemie nicht einmal Schätzungen zum bisherigen Stand der Impfungen bei den Über-80-Jährigen und anderen Menschen mit höchster Priorität. Von den 700.000 Über-80-Jährigen im Freistaat, die nicht dauerhaft in einer Einrichtung lebten sei „ein Großteil“ per Brief über die Impfmöglichkeiten und eine Registrierung informiert worden, hieß es lediglich. Auch eine Schätzung zum weiteren Verlauf sei kaum zu liefern: „Eine genaue Prognose ist nicht möglich, da die Impfleistung unmittelbar von der Verfügbarkeit und der Liefermenge des Impfstoffs abhängt“, verweist die Regierung in München auf Zuständigkeit des Bundes.

Schleswig-Holstein hat inzwischen zumindest alle Menschen über 80 angeschrieben und zum Impfen eingeladen, heißt es im Gesundheitsministerium. In Alten- und Pflegeheimen sei die Immunisierung fast abgeschlossen, nur die Inseln Föhr, Amrum und Helgoland seien noch außen vor. Mehr Informationen gibt es nicht aus dem Bundesland.



Rheinland-Pfalz sieht sich selbst in der Spitzengruppe beim Impfen und kritisiert die „durch die Lieferengpässe des Bundes erzwungene Pause der Erstimpfungen in den Impfzentren. Beim Sozialministerium in Mainz heißt es, von den rund 280.000 Über-80-Jährigen im Bundesland seien gut 50.000 zweimal geschützt, 117.000 hätten eine Impfung bekommen. Um auch die Hochbetagten zu erreichen, die nicht ins Impfzentrum kommen könnten, laufe auch ein Pilotprogramm in vier Arztpraxen, die Patienten mit dem Vakzin bereits versorgten. Menschen, die durch ihre Berufe in der zweiten Priorität eingestuft seien, könnten ab Anfang März Termine beantragen.

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Niedersachsen äußert sich nur allgemein über den Anteil der bereits Immunisierten aus der obersten Priorität. Nun stehe der Übergang mit auf die zweite Gruppe bevor, heißt es beim Sozialministerium in Hannover. Doch das gelte nicht für Über-70-Jährige. ES beschränke sich „zunächst auf Personen unter 65 Jahre, da derzeit nur der Impfstoff von AstraZeneca in entsprechenden Mengen zur Verfügung steht.“

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