Umlage zur Ökostrom-Förderung Strompreise steigen um bis zu zehn Prozent

Auf Verbraucher kommt ab dem kommenden Jahr eine satte Strompreiserhöhung zu. Die Umlage zur Ökostrom-Förderung steigt um fast 50 Prozent. Jetzt geht der Streit um mögliche Entlastungen los.

So setzt sich der Strompreis zusammen
Traditionelle Erzeuger Quelle: dapd
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Strombörse Quelle: dpa
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Die Endverbraucher Quelle: dpa
EEG-Umlage Quelle: dpa

Die Verbraucher müssen im kommenden Jahr mit satten Strompreiserhöhungen rechnen. Die auf den Strompreis aufgeschlagene Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien steigt um 47 Prozent auf 5,277 Cent je Kilowattstunde, wie die vier für die Verwaltung der Förderzahlungen zuständigen Übertragungsnetzbetreiber am Montag bestätigten.

Dies würde für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden bedeuten, dass allein diese Zusatzkosten beim Strompreis von 125 auf knapp 185 Euro steigen - ohne Mehrwertsteuer. Ein Grund ist der Boom bei der Solarenergie. Zusammen mit höheren Netzentgelten und weiteren durch die Energiewende bedingten Kosten drohen Strompreiserhöhungen um bis zu zehn Prozent, schätzen Versorger.


Die vier Betreiber von Höchstspannungsleitungen in Deutschland berechnen den erzeugten Ökostrom und sind daher auch für die Zahlung der Vergütungen an Betreiber von Solaranlagen, Windrädern und Biogasanlagen verantwortlich. Diese erhalten auf 20 Jahre garantierte Vergütungen für jede Kilowattstunde Strom. Die Fördersätze werden regelmäßig gesenkt, in einigen Jahren soll die Förderung auslaufen.

Die bereits durchgesickerte Erhöhung hat eine Auseinandersetzung darüber ausgelöst, wie sich ein Ausufern der Energiewende-Kosten verhindern lässt. Bei dem Streit geht es vor allem darum, wie man private Haushalte entlasten kann.Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bekräftigte seine Forderung nach Sofortmaßnahmen. „Kurzfristig können wir die Stromsteuer senken, um die Verbraucher zu entlasten“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ (Montag). Mit der EEG-Umlage zur Förderung von Ököstrom profitiere auch der Bund über höhere Steuereinnahmen. „Diese ungeplanten Mehreinnahmen sollten wir den Menschen schnellstmöglich zurückgeben“, sagte der FDP-Chef. Vor allem aber müsse das Erneuerbare-Energien-Gesetz noch vor der Bundestagswahl radikal reformiert werden.


Betreiber von Ökoenergie-Anlagen erhalten auf 20 Jahre garantierte Vergütungen für jede Kilowattstunde Strom. Die Fördersätze werden regelmäßig gesenkt, in einigen Jahren soll die Förderung ganz gestoppt werden. Die erneuerbaren Energien müssen sich dann ohne weitere Anschubfinanzierung im Markt behaupten.

Was Verbraucher zahlen
Stromverbraucher finden bei der Zusammensetzung des Strompreises einen Posten namens EEG-Umlage. Sie ist seit dem Jahr 2000 im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) verankert, um Ökoenergien zu fördern. Quelle: dpa
Derzeit sind 3,59 Cent je Kilowattstunde zu zahlen. Bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden pro Jahr sind das für eine Familie Ökoförderkosten von 125 Euro pro Jahr. Gezahlt wird die Differenz zwischen dem Marktpreis, etwa für eine Kilowattstunde Solarstrom, und dem festen Fördersatz. Ein Beispiel: Quelle: dpa
Derzeit bekommt ein Hausbesitzer mit einer Solaranlage auf dem Dach 19,5 Cent pro Kilowattstunde. Wird der Strom an der Strombörse für 7 Cent verkauft, müssen die Verbraucher 12,5 Cent über die EEG-Umlage bezahlen. Quelle: dpa
Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Förderzahlungen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert. Für 2013 werden Steigerungen bei der Umlage vorausgesagt. Quelle: dpa
Diese wären aber nicht primär dem rasant steigenden Anteil erneuerbarer Energien am Strommix (derzeit 20 Prozent) anzulasten. Industrieunternehmen wurden teilweise von Ökoförderkosten befreit, um sie in Deutschland zu halten. Gleiches gilt für Netznutzungskosten. Lasten werden also auf weniger Schultern verteilt. Quelle: dpa
Hinzu kommt eine teure Marktprämie für Besitzer von Wind- und Solarparks, die Strom selbst vermarkten. Und die mögliche Steigerung liegt in der Umlageberechnung begründet. Da immer mehr Solarstrom mittags den Börsenstrompreis senkt, wächst die Differenz zum Fördersatz und damit die Kosten für die Bürger. Der Solarstrom wird so also Opfer des eigenen Erfolges. Quelle: dpa


Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) forderte eine Senkung der Stromsteuer. „Um die Mehrbelastung für die Masse der Unternehmen und Verbraucher kurzfristig zu dämpfen, sollte die Stromsteuer zumindest teilweise abgeschmolzen werden, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann der „Passauer Neuen Presse“ (Montag). „Sie schöpft über einen Zuschlag auf den Strompreis derzeit weitere rund sieben Milliarden Euro jährlich ab.“

Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) gibt SPD und Grünen eine Mitschuld an den stark steigenden Kosten. „Der Grundfehler wurde bereits 2000 von Rot-Grün gemacht“, sagte er der „Bild“-Zeitung (Montag): „Damals wurde nicht überlegt, wie sich die Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien im Griff halten lassen. Die Quittung gibt es jetzt.“ Altmaier betonte, die Energiewende sei „nicht zum Nulltarif“ zu haben. „Der Anstieg der EEG-Umlage in dieser Höhe war vor einem Jahr nicht absehbar.“

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Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth warf im „Bericht aus Berlin“ der ARD der FDP vor, ihr falle wieder nichts anderes als Steuersenkungen ein. „Wir wollen einen Energiesparfonds, aus dem wir Energieberatung, Ankauf von günstigen energieeffizienten Geräten unterstützen. Wir wollen einen Stromspartarif und wir wollen vor allem einen Anreiz bieten einzusparen.“ Außerdem müssten die „exzessiven Ausnahmen“ von der EEG-Umlage abgebaut werden.

Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns EWE, Werner Brinker, glaubt, dass die Verbraucher Verständnis für den Strompreisanstieg haben werden. Ein Großteil der Bevölkerung wolle die erneuerbaren Energien, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Montag). Er sei überzeugt, dass ein darauf beruhender Preisanstieg „von den Verbrauchern im Großen und Ganzen getragen wird“.

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