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Umstellungschaos Tausende warten seit Monaten auf Kindergeldzahlung

Exklusiv

Wegen der Reform der Familienkassen müssen Tausende Eltern monatelang auf die Auszahlung des Kindergeldes warten. Besserung ist nicht in Sicht.

Quelle: Fotolia

Schon 2007 mahnte der Bundesrechnungshof eine Reform der Familienkassen an, um die Kosten zu senken und die Arbeit zu straffen. Doch erst 2013 ging die Bundesagentur für Arbeit unter ihrem Chef Frank-Jürgen Weise daran, die bundesweit 102 Familienkassen auf 14 Standorte zu konzentrieren. Mit dramatischen Folgen: Noch rund ein Jahr nach dem Umbau müssen Tausende Eltern monatelang auf die Auszahlung des Kindergeldes warten. „Bei uns herrscht das totale Chaos“, sagt die Mitarbeiterin einer Familienkasse in Nordrhein-Westfalen. „Man hat bei der Verwaltungsreform wohl zu viel auf einmal gewollt“, sagt Werner Marquis, Sprecher der nordrhein-westfälischen Arbeitsagentur. Ein Insider bezeichnet die Durchführung der Verwaltungsreform als „strategischen Fehler“.

Wer auch immer in den vergangenen Monaten mit der Familienkasse zwecks Kindergeld zu tun hatte, sollte sein Konto checken. Zum Teil wurden Auszahlungen eingestellt, ohne die Eltern zu informieren. Betroffen sind Neuanträge, Fälle mit behördlichen Rückfragen und Auslandsüberweisungen. Aktuell bearbeiten die Familienkassen bundesweit rund 300.000 solcher Verfahren. Wie viele Eltern von den Verzögerungen betroffen sind, weiß niemand. Das Bundesfinanzministerium, zuständig für rechtliche Fragen, kann allerdings keine Probleme erkennen. „Die Organisationsreform hat keinen Bearbeitungsstau ausgelöst.“ Mitarbeiter vor Ort haben da andere Erfahrungen gemacht. Zumal im vergangenen Jahr nicht nur die Verwaltung reformiert wurde, außerdem wurde auch die elektronische Aktenverarbeitung durch einen externen Dienstleister eingeführt. „Beide Umstände verursachen einen erheblichen Arbeitsrückstand“, sagt Marquis, der Sprecher der nordrhein-westfälischen Arbeitsagentur. Angepeilt war, dass Antragsteller nach 18 Tagen einen Bescheid erhalten, tatsächlich dauert es jetzt bis zu einem halben Jahr.

Probleme bestätigt auch eine Sprecherin der Familienkasse für Rheinland-Pfalz und das Saarland: „Es kann zeitweise immer noch zu Verzögerungen kommen.“ Das gilt auch für Bayern und Sachsen.

So ist die Behörde im sächsischen  Bautzen einerseits für Dresden zuständig, seit der Reform jedoch auch für alle Anträge von Polen oder Tschechen, die in Deutschland leben oder arbeiten. „Dadurch ist die Arbeitsfähigkeit am Standort Bautzen beeinträchtigt worden. Dies führte zu längeren Bearbeitungszeiten für alle Kindergeldanträge“, antwortete das Finanzministerium bereits auf eine Anfrage der Linken.

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