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Umstrittene Pläne Der Schwarzwald soll Nationalpark werden

Die Landesregierung will Teile des Nordschwarzwalds in einen Nationalpark umwandeln. Doch der Nutzen des grünen Prestigeprojekts ist umstritten – und in den betroffenen Schwarzwalddörfern organisiert sich der Widerstand.

Jörg Möhrle Quelle: Dominic Jan Geis

Ludwig Züfle hätte nie geglaubt, dass er auf seine alten Tage noch zum politischen Aktivisten wird. Doch nun stapeln sich im Büro des 62-Jährigen die Kartons mit Protestaufklebern, im Vorzimmer liegt eine Unterschriftenliste aus, und wenn man ihn auf seine Landesregierung anspricht, ist der Unternehmer innerhalb von Sekunden auf 180.

Züfle führt mit Sohn Axel einen 25-Mitarbeiter-Betrieb in der Schwarzwaldgemeinde Baiersbronn; das Unternehmen baut Blockhäuser und liefert zugeschnittene und getrocknete Hölzer an den Handel. Sein Zorn richtet sich gegen Pläne der grün-roten Landesregierung, Teile des Nordschwarzwalds zum staatlichen Nationalpark zu erklären – und damit der wirtschaftlichen Nutzung zu entziehen. Züfles Problem: Rund ein Drittel der 30.000 Festmeter Holz, die der Betrieb jährlich bearbeitet, stammen aus dem nahen Areal, das unberührter Urwald werden soll.

Grafik Baiersbronn

Positive Impulse für den Tourismus

Die Landesregierung hat drei sogenannte Suchräume festgelegt. Irgendwo zwischen Kaltenbronn, Baiersbronn und dem Hohen Ochsenkopf soll auf mindestens 10.000 Hektar die Natur nach und nach sich selbst überlassen bleiben und das Wegerecht für Menschen eingeschränkt werden. Die Landesregierung sieht in dem Projekt „eine Bereicherung für die biologische Vielfalt und die Natur im Lande“ und erhofft sich positive Impulse für den Tourismus. Züfle hingegen hält die Pläne „für gefährlich“, auch wenn es für die Holzwirtschaft großzügige Übergangsfristen geben soll. „Es ist ökonomischer Unfug, den Rohstoff Holz künstlich zu verknappen“, schimpft der Unternehmer. Für Touristen, die es beim Wandern wild und schaurig mögen, gebe es schon heute in der Region sogenannte Bannwälder, „da braucht es keinen Nationalpark“.

Mit seinem Widerstand steht Züfle nicht allein. Wer in diesen Tagen durch die Dörfer der Region fährt, entdeckt immer wieder grelle Protestplakate in Vorgärten und an Häuserwänden: „Ja zum Wald – NEIN zum Nationalpark Nordschwarzwald“. Ein Spediteur hat gar einen kompletten Truck mit Anti-Nationalpark-Signets überzogen.

"Versuchslabor für Naturschutzideologie"

Die dreckigsten Flüsse der Welt
Murray-Darling River Quelle: Hindaandjohn
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Donau Quelle: dpa
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„Die Mehrheit der Menschen hier ist gegen das Projekt“, behauptet Andreas Fischer, Vorsitzender der Bürgerinitiative Unser Nordschwarzwald, die den Nationalpark mit aller Macht verhindern will. Der Verein sieht in dem Ökoprojekt ein „großflächiges Versuchslabor für die Naturschutzideologie“ und hat nach eigenen Angaben bereits über 24.000 Unterschriften dagegen gesammelt. „Jeden Monat kommen 2000 dazu“, sagt Fischer.

Es geht im Nordschwarzwald allerdings nicht nur um die Natur, und das macht die Sache kompliziert. Es geht auch, ganz profan, um Politik. Für die regierenden Grünen ist der Nationalpark ein Prestigeprojekt, denn Baden-Württemberg zählt bislang mit Rheinland-Pfalz und dem Saarland zu den einzigen Flächenländern ohne eine solche Ökosonderzone. Die Partei braucht dringend Vorzeigbares für die nächste Landtagswahl. Das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, das die Partei gegen den Willen ihrer Basis realisieren muss, ist ebenso wenig ein Stimmenbringer wie die anstehenden Sparmaßnahmen im Landeshaushalt. Wie unter einem Brennglas lässt sich im Nordschwarzwald nun ein Grundproblem der grün-roten Regentschaft beobachten. Der grüne Gestaltungswille trifft in der strukturkonservativen Provinz vielfach auf Unverständnis. Nicht von ungefähr gibt es unter den 35 baden-württembergischen Landräten weder einen Grünen noch einen SPD-Vertreter.

Die schönsten Parkanlagen
Platz 10: Westfalenpark, DortmundZwar ist das alljährliche Lichterfest schon vorbei - doch der größte Park Dortmunds lockt auch mit anderen Events. Im Oktober gibt es eine öffentliche Führung durch die Gärten des Deutschen Rosariums, außerdem können Gartenfans beim Herbst- und Bauernmarkt stöbern. Heimische Produkte aus Hofläden sorgen für Vorfreude auf einen goldenen Herbst. Das Ranking bezieht sich auf dem Popularitäts-Index der Reise-Webseite TripAdvisor, der auf den Bewertungen und Meinungen auf der Seite basiert. Quelle: Tripadvisor
Platz 9: Botanischer Garten, München Mehr als nur ein kleiner grüner Kaktus: Der Neue Botanische Garten am Nymphenburger Park ist mit einer Fläche von 22 Hektar und jährlich über 400.000 Besuchern einer der größten Botanischen Gärten Deutschlands. Hier kann man auch im Herbst noch unter Palmen wandeln - und ab Dezember in einem tropischen Gewächshaus frei herumfliegende exotische Schmetterlinge bestaunen. Quelle: Tripadvisor
Platz 8: Lichtentaler Allee, Baden-BadenWie geschaffen für einen Herbstspaziergang ist die 2300 Meter lange Promenade. Über 300 verschiedene einheimische und exotische Bäume und Pflanzen, darunter Linden, Kastanien, Gingkobäume oder Silberahorne säumen den Weg. Die Allee führt auch entlang einiger prachtvoller Gebäude, darunter das weltberühmte Brenner's Parkhotel. Im Dahliengarten sind schmucke Büsten von Clara Schumann, Johannes Brahms und Robert Stolz aufgestellt.
Platz 7: Staatspark Karlsaue, KasselDie barocke Anlage vereint Idylle mit Wissenswertem. Gemütliche Bänke auf der großen Wiese vor der Orangerie laden zum Innehalten ein, davor erstreckt sich eine weitläufige Parklandschaft mit Kanälen und kleinen Bächen. Außerdem gibt es einen 6 Kilometer langen Planetenwanderweg, der die Entfernung von Sonne und Pluto symbolisiert. Am Ende des Parks liegt die Insel Siebenbergen, wegen ihrer Flora auch „Blumeninsel“ genannt.
Platz 6: Luisenpark, MannheimDer Luisenpark ist Mannheims größte Parkanlage und liegt am linken Neckarufer. Er gliedert sich heute in zwei Teile: Der Untere Luisenpark ist älter und öffentlich zugänglich, er gilt als Gartendenkmal. Der Obere Luisenpark wird privatwirtschaftlich genutzt. Neben einem Schauhaus mit tropischen und subtropischen Pflanzen werden auch Tiere im Park gehalten: Es gibt unter anderem ein Schmetterlingsparadies, einen Bauernhof, Aquarien und Gehege mit Affen, Eulen oder Pinguinen. Das Maskottchen des Luisenparks ist der Weißstorch.
Platz 5: Potsdamer Gärten/Park Sanssouci, PotsdamOhne Sorge kann man um das Schloss Sanssouci spazieren gehen. Das Rokoko-Bauwerk liegt im östlichen Teil des gleichnamigen Parks und wurde nach Skizzen des Preußenkönigs Friedrich II. erbaut. Alle Schlösser und die Gartenarchitektur in der Parkanlage gehören seit 1990 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Auch „preußisches Versailles“ genannt, fasziniert die historische Anlage mit ihren 290 Hektar und fast 70 Kilometern Wegelänge noch heute. Das Gesamtkunstwerk erfreut das Auge mit barocken Zier- und Nutzgärten, Springbrunnen und vielen weiteren Perlen der Gartenkunst.
Platz 4: Herrenhäuser Gärten, HannoverVom Küchengarten zum Lustgarten: Die herzogliche Anlage hat eine lange Geschichte. Sie wurde 1710 auf bis zu 200 Hektar erweitert, dann im Laufe der Jahre auf 50 Hektar geschrumpft. Das Herrenhäuser Kernstück, der Große Garten, gilt als einer der bedeutendsten Barockgärten in Europa. Jährlich kämpfen Pyrotechniker beim Internationalen Feuerwerkswettbewerb um den Sieg. Auch Musical- und Theateraufführungen, ein Irrgarten und die Große Fontäne locken zahlreiche Besucher an. Quelle: dpa

60 Prozent der örtlichen Hoteliers lehnen das Projekt ab

Was den Streit um den Nationalpark besonders pikant macht: Der grüne Minister für Ländlichen Raum, Alexander Bonde, der die Nationalparkidee mit Nachdruck vorantreibt, wohnt ausgerechnet in Baiersbronn. Die Gegend umfasst auch nicht irgendwelche Dörfer im Irgendwo, sondern ist eine der wichtigsten Tourismusregionen ganz Baden-Württembergs. Hier liegt das deutsche Mekka für Gourmets, mit Harald Wohlfahrt (Schwarzwaldstube) und Claus-Peter Lumpp (Restaurant Bareiss) stehen gleich zwei Drei-Sterne-Köche am Herd. Baiersbronn ist ein Luftkurort für vornehmlich älteres Publikum, das auf gepflegten Wegen die Hügel, Wälder und Seen des Nordschwarzwalds genießen will und dem Reiz des Urwüchsigen nicht zwingend erliegt.

Beim Hotel- und Gaststättenverband ist zu hören, dass bislang rund 60 Prozent der örtlichen Hoteliers das Projekt Nationalpark ablehnen. „Ich kenne meine Gäste. Die haben keine Freude daran, beim Wandern auf abgestorbene Bäume zu schauen“, ätzt ein Hotelier, der ungenannt bleiben möchte. Sturmschäden nämlich würden in der Kernzone eines Nationalparks nicht mehr beseitigt – wie es in der Wildnis eben so ist. „Die von Befürwortern ins Gespräch gebrachten Gästezuwächse sind schöngeredete Wunschträume“, schreibt Herbert Möhrle, Besitzer des Fünf-Sterne-Hotels Engel in Baiersbronn, in einem offenen Brief. Die Natur der Region sei „zu wertvoll, um als Spielwiese für ideologische Gedankenspiele herhalten zu können“.

Kleines Krabbeltier

Ludwig Züfle Quelle: Dominic Jan Geis

Manche in der Branche fürchten, dass Stammgäste wegbleiben und stattdessen vermehrt Tagestouristen in Bussen kommen und die Straßen verstopfen. Hinzu kommt ein nicht zu unterschätzender kultureller Faktor: In der einst bitterarmen Region haben die Menschen eine höchst emotionale Beziehung zum Wald. In vielen alteingesessenen Familien konnten Groß- und Urgroßeltern ihr karges Auskommen allein mit dem Holz der Schwarzwaldhöhen bestreiten. Warum es Sinn machen soll, Holz ungenutzt vergammeln zu lassen, erschließt sich so manchem in der älteren Generation nicht.

Was Hoteliers, Förster und Waldbesitzer allerdings am meisten sorgt, ist ein kleines Krabbeltier, das sich in den dichten Fichtenwäldern des Schwarzwalds pudelwohl fühlt – der Borkenkäfer. In einem sich selbst überlassenen Nationalpark, so warnen Projektgegner, könnte sich der gefräßige Schädling ungehemmt ausbreiten und auf andere Waldgebiete überspringen. Als mahnendes Beispiel gilt der Nationalpark Bayerischer Wald, wo das Insekt in den Neunzigerjahren ganze Landstriche kahl nagte. „Eine ungehemmte Ausbreitung des Borkenkäfers wäre für den Nordschwarzwald eine Katastrophe“, sagt Holzunternehmer Züfle. Die vorgesehene Schutzzone um den Nationalpark hält er für „einen Witz, denn dem Borkenkäfer ist es egal, wo der Nationalpark aufhört und wo der andere Wald anfängt“.

Deutschlands sündhaft teure Prestigebauten
Die Elbphilharmonie ist das teuerste Kulturprojekt in Deutschland. Die Kostenexplosion und Bauverzögerung wird ein Fall für die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt, ob Straftaten vorliegen. Laut Abschlussbericht sind eine unfertige Planung, mangelnde Kontrolle vonseiten der Politik und ein Chaos auf der Baustelle schuld am Desaster beim Bau. Die Kosten für den Steuerzahler bei dem Projekt sind von ursprünglich 77 Millionen auf 789 Millionen Euro gestiegen, die Eröffnung wurde von 2010 auf 2017 verschoben. Erstmals nennt der Abschlussbericht, der die Ereignisse bis Ende 2008 untersucht, auch die Namen der Verantwortlichen. Demnach ist die städtische Realisierungsgesellschaft (Rege) mit ihrem Chef Hartmut Wegener für wichtige Fehlentscheidungen verantwortlich. Die politisch Verantwortlichen, allen voran Hamburgs damaliger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und sein Chef der Senatskanzlei Volkmar Schön (CDU), seien dagegen ihrer Aufsichtspflicht nicht gerecht geworden. Aber auch die Architekten Herzog & de Meuron und der Baukonzern Hochtief kommen in dem Bericht nicht gut weg. „Wenn wir konkrete Anhaltspunkte für eine verfolgbare Straftat finden würden, würden wir entweder einen Ermittlungsvorgang gegen einen bestimmten namentlich bekannten Beschuldigten oder mehrere einleiten oder wir würden ein Unbekannt-Verfahren einleiten, wenn wir noch nicht wüssten, wer der Beschuldigte ist“, erklärt die Sprecherin Nana Frombach. Quelle: dpa
Deutschlands teuerstes Kulturprojekt, die Hamburger Elbphilharmonie, wird die Steuerzahler laut Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) stolze 789 Millionen Euro kosten - und soll 2017 eröffnet werden. Das Prestigeprojekt würde damit gut zehnmal teurer als 2005 vom damaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) veranschlagt. Damals war von rund 77 Millionen Euro die Rede. Auf der Baustelle im Hafen herrscht mittlerweile seit rund anderthalb Jahren Stillstand, weil sich die Vertragspartner lange nicht einigen konnten. Erst im März hatte Scholz mit Hochtief einen Vertrag geschlossen, wonach der Essener Baukonzern künftig sämtliche Risiken übernimmt und das Konzerthaus bis Ende Oktober 2016 zum „Globalpauschalfestpreis“ von 575 Millionen Euro zu Ende baut. Nicht berücksichtigt waren dabei jedoch unter anderem die Finanzierungs- und Baukosten für den kommerziellen Teil und die Vorplanungskosten. Nun geht aus dem vertraulichen zweiten Entwurfs des Abschlussberichts des Untersuchungsausschusses hervor, der Spiegel Online vorliegt. Die Schuldigen sollen die Projektkoordination, Bauunternehmer und Architekt, sowie auch der damalige Erster Oberbürgermeister, Ole von Beust, sein. Quelle: REUTERS
Die sogenannte 'Kanzlerbahn', die derzeit zwischen dem Hauptbahnhof, Kanzleramt und dem Brandenburger Tor verkehrt, soll um 92 Millionen Euro teurer werden. Laut Berliner Morgenpost beläuft sich das Gesamtvolumen künftig auf 525 Euro, die das Land und der Bund zahlen müssen. Quelle: dpa
In Schlangen winden sich Hunderte Besucher durch den Saal, bestaunen historische Exponate, erhaschen per Kurzfilm einen Einblick in die Arbeit der Bundestagsabgeordneten. In einem Miniplenarsaal mit originalgetreuen blauen Sesseln lauschen sie einer gespielten Debatte und ergreifen selbst das Wort. Dann geht es durch den unterirdischen Gang ins Reichstagsgebäude, hinauf in die gläserne Kuppel. Zum Abschluss noch ein Imbiss an einem der 16 Bistro-Tische, die die 16 Bundesländer repräsentieren. So soll es aussehen, das Besucher- und Informationszentrum des Bundestages (BIZ). Ursprünglich sollte es 200 Millionen Euro kosten. Im Januar dann lag der anvisierte Preis schon bei 330 Millionen Euro. "Ein Bau für 330 Millionen Euro, das wird nicht kommen", sagte damals Eduard Oswald, CSU-Bundestagsvizepräsident und Vorsitzender der inneren Kommission, gegenüber WirtschaftsWoche. Nun heißt es in einem Bericht der Welt, dass der Bau mit bis zu 500 Millionen Euro zu Buche schlagen werde. das gehe aus einem Bericht der 36-köpfigen "Reformkommission Bau von Großprojekten" der Bundesregierung hervor. Quelle: dpa
Die Stuttgarter waren nicht ohnmächtig: Stuttgart 21 steht für einen politischen Umbruch in Baden-Württemberg und den Einzug neuer Formulierungen in die deutsche Sprache, wie zum Beispiel das Wort „Wutbürger”. Der alte Kopfbahnhof soll zu einem Tunnelbahnhof umgebaut werden. Eine riesige Protestwelle überrollte die baden-württembergische Landeshauptstadt, seit der Abriss des alten Bahnhofs startete. In einer Abstimmung Ende 2011 sprach sich eine Mehrheit der Bevölkerung jedoch für das Projekt aus. Gestritten wird vor allem über die Kosten des Umbaus... Quelle: dpa
Immer wieder wurden die prognostizierten Baukosten nach oben korrigiert. Zwischenzeitlich sprach die Deutsche Bahn von 4,5 Milliarden Euro, mittlerweile hat sie die Zahlen um ganze zwei Milliarden erhöht.. Andere Experten veranschlagen Kosten von bis zu elf Milliarden Euro. Auch der Bundesrechnungshof hat diese Summe bereits vor drei Jahren als viel zu gering bezeichnet. Die DB hatte damals die Einschätzung zurückgewiesen. Inzwischen sind viele Dokumente ans Tageslicht gekommen, die beweisen, dass die Bahn hohe Mehrkosten vorsätzlich verschwiegen hat. Nicht zuletzt die mangelnde Transparenz bezüglich der Gesamtkosten des Projekts hat viele Bürger auf die Straße getrieben. Die ersten Züge werden wohl nicht vor 2022 im unterirdischen Bahnhof einfahren. Quelle: dpa
Eigentlich sollte die Erweiterung des Saarland-Museums und der Modernen Galerie in Saarbrücken ein Prestigeprojekt werden. Allerdings haben sich die veranschlagten Kosten mehr als verdreifacht. Ursprünglich sollte der Bau neun Millionen Euro kosten. Wie tief der Steuerzahler dafür in die Tasche greifen muss, ist noch offen. Bisher steht in bester Lage in Saarbrücken unweit des Staatstheaters ein hässlicher Betonklotz im Rohbau, dem ein Gutachten jetzt zahlreiche Mängel bescheinigt hat. Die Landesregierung will aber auf jeden Fall an dem schon weit vorangeschrittenen Projekt festhalten, obwohl viele vor einer „zweiten Elbphilharmonie“, wenn auch in sehr viel kleinerer Größenordnung, warnen. Quelle: dpa

Namhafte Befürworter

Allerdings hat der Nationalpark auch namhafte Befürworter. In einem Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprachen sich im Juni mehr als 50 Hochschullehrer und Wissenschaftler für das Ökoprojekt aus. Mit finanzieller Hilfe des Naturschutzbundes hat sich ein „Freundeskreis“ für den Nationalpark gegründet, und auch in der lokalen Wirtschaft finden sich Unterstützer. Immerhin will die Koalition in Stuttgart „für den Nationalpark viel Geld in die Hand nehmen“, heißt es in Regierungskreisen; im Gespräch sind zwischen fünf und zehn Millionen Euro jährlich. Das ist verlockend für eine Fremdenverkehrsregion, in der die Übernachtungszahlen seit Anfang der Neunzigerjahre um rund 400.000 zurückgegangen sind.

„Für unsere strukturschwache Gegend wäre der Nationalpark eine Chance und sicherlich ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Tourismusgebieten“, hofft etwa Jörg Möhrle, 42, Chef des Hotels Tanne in Tonbach. Der im Vergleich zum Südteil rauere Nordschwarzwald könne so zu einer „echten Marke“ werden – „damit die Leute zusätzlich zu Bollenhut und Kuckucksuhr auch an Wildnis und ursprüngliche Natur denken, wenn sie das Wort Schwarzwald hören.“

AK Auerhuhn

Welche Bundesländer bei der Bildung Spitze sind
Platz 14: SaarlandAuch im Saarland ist bei der Bildung vieles eher Schatten als Licht. Gerade in den mathematisch-naturwissenschaftlichen MINT-Fächern muss Deutschlands kleinstes Bundesland noch aufholen. Lediglich elf Prozent der Studenten haben 2010 ein ingenieurwissenschaftliches Studium abgeschlossen - bundesweit der niedrigste Wert. Positiv ist hingegen, dass im Saarland nur 5,6 Prozent aller Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen. Damit liegen die Saarländer im Kampf gegen die Bildungsarmut auf Platz zwei. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 16: Schleswig-HolsteinSchlusslicht des IW-Bildungsmonitors ist Schleswig-Holstein. Zwar liegen die Nordlichter bundesweit bei der Integration (Platz 2) vorne. Leute aus bildungsfernen Schichten haben in Schleswig-Holstein eher die Möglichkeit einen ordentlichen Ausbildungsabschluss zu machen, als anderswo. Dafür aber hat Schleswig-Holstein starke Defizite bei der Akademisierung, der Internationalisierung und den Betreuungsbedingungen. Quelle: dpa
Platz 7: NiedersachsenBesondere Stärken weist Niedersachen bei der Ausgabenpriorisierung (3. Platz) und Zeiteffizienz (4. Platz) auf. Das bedeutet: Für das Land haben Bildungsausgaben besondere Priorität – vor allem Ausgaben für die Hochschulen. Außerdem ist Niedersachsen bei der Umsetzung der Bologna-Ziele für einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum relativ weit. Schlechter schneiden die Niedersachsen bei der Integration und dem Ausbau der Förderinfrastruktur ab. Quelle: dpa
Platz 12: BrandenburgSchüler in Brandenburg können sich auf gute Betreuungsbedingungen verlassen. Auf einen Lehrer in der Sekundarstufe I (ohne Gymnasium) kommen hier nur 12,2 Schüler. Im Bundesdurchschnitt sind es 14,7. Auch bei der Förderinfrastruktur, der Internationalisierung und der Integration geht Brandenburg mit gutem Beispiel voran. Probleme hingegen gibt es hingegen bei der Schulqualität und der beruflichen Bildung. Quelle: dpa
Platz 3: Baden-WürttembergBaden-Württembergs Stärken liegen in der erfolgreichen Vermeidung von Bildungsarmut (Platz 1), und der Akademisierung (Platz 2). Nachholbedarf gibt es vor allem beim Ausbau der Förderinfrastruktur und der Integration. Quelle: dpa
Platz 10: Mecklenburg-VorpommernÜberdurchschnittlich gut präsentiert sich Mecklenburg-Vorpommern bei der Förderinfrastruktur. Ein Viertel der unter Dreijährigen können einen Ganztagsplatz in einer Kindertagesstätte nutzen, bei den drei- bis sechsjährigen sind es sogar 58 Prozent. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt liegen die Werte lediglich bei 11,3 bzw. 34,7 Prozent. Schwächen hat das Bundesland allerdings in der Zeiteffizienz (Platz 15): Im Jahr 2010 brachen mehr als 40 Prozent der Auszubildenden ihre Lehre ab. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 1: SachsenDas leistungsfähigste Bildungssystem in Deutschland hat Sachsen. Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) führt dies vor allem auf  die gute individuelle Förderung dort zurück. Außerdem biete Sachsen wie auch das zweitplatzierte Thüringen einen breiten Zugang zu akademischen Abschlüssen, vor allem in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern an. Quelle: ZB

Damit sich solche Argumente durchsetzen, hat die Landesregierung nun eine breite Kampagne gestartet. Grünen-Politiker werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass auch frühere CDU-Regierungen mit einem Nationalpark geliebäugelt hätten. Es gibt immer wieder Informationsveranstaltungen, es wurden 120.000 Haushalte angeschrieben und sieben regionale Arbeitskreise eingerichtet – unter anderem der „AK Auerhuhn“. Auch über eine Online-Plattform und ein Infotelefon können sich Anwohner informieren. Die Koalition in Stuttgart will nach den verheerenden Erfahrungen mit Stuttgart 21 jeden Eindruck zerstreuen, sie wolle das Projekt von oben durchsetzen – was sie per Landtagsbeschluss durchaus könnte. „Der Nationalpark ist eine große Chance für die Region. Wir können und werden dieses Projekt aber nicht gegen die Bürgerschaft vor Ort durchdrücken“, verspricht die grüne Fraktionsvorsitzende Edith Sitzmann.

Derzeit arbeiten die Unternehmensberatungen PricewaterhouseCoopers und Ö:Konzept an einem Gutachten über die ökologischen und wirtschaftlichen Folgen des Projekts. Die Studie soll bis Jahresende vorliegen. Dass sie die aufgeheizte Stimmung in den Schwarzwaldtälern abkühlt, ist jedoch unwahrscheinlich. „Nach der Veröffentlichung des Gutachtens wird der Streit sicherlich neu entfacht“, befürchtet Hotelier Jörg Möhrle. Wohl wahr: Die Bürgerinitiative um Andreas Fischer plant bereits eine „Entmythologisierungskampagne“. Helfen soll dabei eine soeben fertiggestellte Bachelor-Arbeit der TU Dresden, in der eine Studentin die wirtschaftlichen Chancen und Risiken des Nationalparks analysiert – und ein negatives Fazit zieht.

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Bürgerbefragung

Auch kommunalpolitisch spitzt sich die Lage zu: Sobald die Studie vorliegt, wollen die skeptischen Gemeinderäte von Baiersbronn und zwei weiteren Orten eine Bürgerbefragung einleiten. Lehnen die Einwohner den Nationalpark ab, wäre dies zwar juristisch irrelevant, würde die Landesregierung aber in eine peinliche Lage bringen. Nicht ganz zufällig veröffentlichte das Staatsministerium in Stuttgart jüngst eine – landesweite – Umfrage, wonach 64 Prozent der Baden-Württemberger einen Nationalpark prinzipiell befürworten.

Damit es ähnliche Zahlen bald auch in Baiersbronn gibt, setzt Projektbefürworter Jörg Möhrle auf ein spezielles Argument, das auch eingefleischte Gegner überzeugen könnte: „Wenn der Nationalpark kommt, können auf diesem Gebiet keine Windräder aufgestellt werden.“

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