Umstrittene Pläne Der Schwarzwald soll Nationalpark werden

Die Landesregierung will Teile des Nordschwarzwalds in einen Nationalpark umwandeln. Doch der Nutzen des grünen Prestigeprojekts ist umstritten – und in den betroffenen Schwarzwalddörfern organisiert sich der Widerstand.

Jörg Möhrle Quelle: Dominic Jan Geis

Ludwig Züfle hätte nie geglaubt, dass er auf seine alten Tage noch zum politischen Aktivisten wird. Doch nun stapeln sich im Büro des 62-Jährigen die Kartons mit Protestaufklebern, im Vorzimmer liegt eine Unterschriftenliste aus, und wenn man ihn auf seine Landesregierung anspricht, ist der Unternehmer innerhalb von Sekunden auf 180.

Züfle führt mit Sohn Axel einen 25-Mitarbeiter-Betrieb in der Schwarzwaldgemeinde Baiersbronn; das Unternehmen baut Blockhäuser und liefert zugeschnittene und getrocknete Hölzer an den Handel. Sein Zorn richtet sich gegen Pläne der grün-roten Landesregierung, Teile des Nordschwarzwalds zum staatlichen Nationalpark zu erklären – und damit der wirtschaftlichen Nutzung zu entziehen. Züfles Problem: Rund ein Drittel der 30.000 Festmeter Holz, die der Betrieb jährlich bearbeitet, stammen aus dem nahen Areal, das unberührter Urwald werden soll.

Grafik Baiersbronn

Positive Impulse für den Tourismus

Die Landesregierung hat drei sogenannte Suchräume festgelegt. Irgendwo zwischen Kaltenbronn, Baiersbronn und dem Hohen Ochsenkopf soll auf mindestens 10.000 Hektar die Natur nach und nach sich selbst überlassen bleiben und das Wegerecht für Menschen eingeschränkt werden. Die Landesregierung sieht in dem Projekt „eine Bereicherung für die biologische Vielfalt und die Natur im Lande“ und erhofft sich positive Impulse für den Tourismus. Züfle hingegen hält die Pläne „für gefährlich“, auch wenn es für die Holzwirtschaft großzügige Übergangsfristen geben soll. „Es ist ökonomischer Unfug, den Rohstoff Holz künstlich zu verknappen“, schimpft der Unternehmer. Für Touristen, die es beim Wandern wild und schaurig mögen, gebe es schon heute in der Region sogenannte Bannwälder, „da braucht es keinen Nationalpark“.

Mit seinem Widerstand steht Züfle nicht allein. Wer in diesen Tagen durch die Dörfer der Region fährt, entdeckt immer wieder grelle Protestplakate in Vorgärten und an Häuserwänden: „Ja zum Wald – NEIN zum Nationalpark Nordschwarzwald“. Ein Spediteur hat gar einen kompletten Truck mit Anti-Nationalpark-Signets überzogen.

"Versuchslabor für Naturschutzideologie"

Die dreckigsten Flüsse der Welt
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„Die Mehrheit der Menschen hier ist gegen das Projekt“, behauptet Andreas Fischer, Vorsitzender der Bürgerinitiative Unser Nordschwarzwald, die den Nationalpark mit aller Macht verhindern will. Der Verein sieht in dem Ökoprojekt ein „großflächiges Versuchslabor für die Naturschutzideologie“ und hat nach eigenen Angaben bereits über 24.000 Unterschriften dagegen gesammelt. „Jeden Monat kommen 2000 dazu“, sagt Fischer.

Es geht im Nordschwarzwald allerdings nicht nur um die Natur, und das macht die Sache kompliziert. Es geht auch, ganz profan, um Politik. Für die regierenden Grünen ist der Nationalpark ein Prestigeprojekt, denn Baden-Württemberg zählt bislang mit Rheinland-Pfalz und dem Saarland zu den einzigen Flächenländern ohne eine solche Ökosonderzone. Die Partei braucht dringend Vorzeigbares für die nächste Landtagswahl. Das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, das die Partei gegen den Willen ihrer Basis realisieren muss, ist ebenso wenig ein Stimmenbringer wie die anstehenden Sparmaßnahmen im Landeshaushalt. Wie unter einem Brennglas lässt sich im Nordschwarzwald nun ein Grundproblem der grün-roten Regentschaft beobachten. Der grüne Gestaltungswille trifft in der strukturkonservativen Provinz vielfach auf Unverständnis. Nicht von ungefähr gibt es unter den 35 baden-württembergischen Landräten weder einen Grünen noch einen SPD-Vertreter.

Die schönsten Parkanlagen
Platz 10: Westfalenpark, DortmundZwar ist das alljährliche Lichterfest schon vorbei - doch der größte Park Dortmunds lockt auch mit anderen Events. Im Oktober gibt es eine öffentliche Führung durch die Gärten des Deutschen Rosariums, außerdem können Gartenfans beim Herbst- und Bauernmarkt stöbern. Heimische Produkte aus Hofläden sorgen für Vorfreude auf einen goldenen Herbst. Das Ranking bezieht sich auf dem Popularitäts-Index der Reise-Webseite TripAdvisor, der auf den Bewertungen und Meinungen auf der Seite basiert. Quelle: Tripadvisor
Platz 9: Botanischer Garten, München Mehr als nur ein kleiner grüner Kaktus: Der Neue Botanische Garten am Nymphenburger Park ist mit einer Fläche von 22 Hektar und jährlich über 400.000 Besuchern einer der größten Botanischen Gärten Deutschlands. Hier kann man auch im Herbst noch unter Palmen wandeln - und ab Dezember in einem tropischen Gewächshaus frei herumfliegende exotische Schmetterlinge bestaunen. Quelle: Tripadvisor
Platz 8: Lichtentaler Allee, Baden-BadenWie geschaffen für einen Herbstspaziergang ist die 2300 Meter lange Promenade. Über 300 verschiedene einheimische und exotische Bäume und Pflanzen, darunter Linden, Kastanien, Gingkobäume oder Silberahorne säumen den Weg. Die Allee führt auch entlang einiger prachtvoller Gebäude, darunter das weltberühmte Brenner's Parkhotel. Im Dahliengarten sind schmucke Büsten von Clara Schumann, Johannes Brahms und Robert Stolz aufgestellt.
Platz 7: Staatspark Karlsaue, KasselDie barocke Anlage vereint Idylle mit Wissenswertem. Gemütliche Bänke auf der großen Wiese vor der Orangerie laden zum Innehalten ein, davor erstreckt sich eine weitläufige Parklandschaft mit Kanälen und kleinen Bächen. Außerdem gibt es einen 6 Kilometer langen Planetenwanderweg, der die Entfernung von Sonne und Pluto symbolisiert. Am Ende des Parks liegt die Insel Siebenbergen, wegen ihrer Flora auch „Blumeninsel“ genannt.
Platz 6: Luisenpark, MannheimDer Luisenpark ist Mannheims größte Parkanlage und liegt am linken Neckarufer. Er gliedert sich heute in zwei Teile: Der Untere Luisenpark ist älter und öffentlich zugänglich, er gilt als Gartendenkmal. Der Obere Luisenpark wird privatwirtschaftlich genutzt. Neben einem Schauhaus mit tropischen und subtropischen Pflanzen werden auch Tiere im Park gehalten: Es gibt unter anderem ein Schmetterlingsparadies, einen Bauernhof, Aquarien und Gehege mit Affen, Eulen oder Pinguinen. Das Maskottchen des Luisenparks ist der Weißstorch.
Platz 5: Potsdamer Gärten/Park Sanssouci, PotsdamOhne Sorge kann man um das Schloss Sanssouci spazieren gehen. Das Rokoko-Bauwerk liegt im östlichen Teil des gleichnamigen Parks und wurde nach Skizzen des Preußenkönigs Friedrich II. erbaut. Alle Schlösser und die Gartenarchitektur in der Parkanlage gehören seit 1990 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Auch „preußisches Versailles“ genannt, fasziniert die historische Anlage mit ihren 290 Hektar und fast 70 Kilometern Wegelänge noch heute. Das Gesamtkunstwerk erfreut das Auge mit barocken Zier- und Nutzgärten, Springbrunnen und vielen weiteren Perlen der Gartenkunst.
Platz 4: Herrenhäuser Gärten, HannoverVom Küchengarten zum Lustgarten: Die herzogliche Anlage hat eine lange Geschichte. Sie wurde 1710 auf bis zu 200 Hektar erweitert, dann im Laufe der Jahre auf 50 Hektar geschrumpft. Das Herrenhäuser Kernstück, der Große Garten, gilt als einer der bedeutendsten Barockgärten in Europa. Jährlich kämpfen Pyrotechniker beim Internationalen Feuerwerkswettbewerb um den Sieg. Auch Musical- und Theateraufführungen, ein Irrgarten und die Große Fontäne locken zahlreiche Besucher an. Quelle: dpa
Platz 3: Planten un Blomen, Hamburg„Wenn ich hier spazieren gehen, weiß ich, wieso ich in Hamburg wohne“, sagt ein Besucher. „Diese Perle inmitten der Stadt sollten sich nicht nur Pflanzenfreunde nicht entgehen lassen.“ Der Name des 47 Hektar großen Parks im Herzen Hamburgs kommt aus dem Plattdeutschen und bedeutet „Pflanzen und Blumen“.  „Diese Grünanlage liegt zentral, weist aber jede Menge ruhige Plätze zum Entspannen auf“, weiß ein Spaziergänger, der den Park bewertet hat. Für ihn ist Planten und Blomen das ganze Jahr ein Highlight, aber für den Herbst empfiehlt er den japanischen Garten. Quelle: dpa
Platz 2: Schwetzinger Schloss, SchwetzingenDass sich ein Besuch nicht nur im Sommer lohnt, verdeutlicht ein Fan: „Wir kommen hier immer wieder gerne hin für einen Spaziergang. Besonders im Herbst gefällt es mir wegen dem tollen Farbenspiel.“ Romantisches Flair versprüht diese Gartenanlage mit Wasserschloss, die bald zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören könnte, also ganzjährig. Der Tipp eines Besuchers lautet, „einfach mal die größeren Wege zu verlassen und die kleinen Pfade zu entdecken – der Schwetzinger Schlossgarten hat ein ganz besonderes Ambiente!“
Platz 1: Englischer Garten, München„Der schönste Park der Welt“, schreibt ein Spaziergänger über den Englischen Garten in München. „Im vorderen Teil am Monopteros und Chinesischen Turm lebendig und bunt, im hinteren Teil ruhig und beschaulich mit einem einzigartigen Baumbestand.“ Im Nordosten der bayerischen Landeshauptstadt und an der Isar gelegen, gehört er zu den größten Parkanlagen der Welt. Er sei „ein besonderes Phänomen in dieser liebenswerten kleinen Großstadt. Größer als New Yorks Central Park oder Berlins Tiergarten, bietet der Englische Garten alles“, so das Resümee. Die Top-Ten der Parks und Gärten in Deutschland ergeben sich aus einem Ranking von TripAdvisor.

60 Prozent der örtlichen Hoteliers lehnen das Projekt ab

Was den Streit um den Nationalpark besonders pikant macht: Der grüne Minister für Ländlichen Raum, Alexander Bonde, der die Nationalparkidee mit Nachdruck vorantreibt, wohnt ausgerechnet in Baiersbronn. Die Gegend umfasst auch nicht irgendwelche Dörfer im Irgendwo, sondern ist eine der wichtigsten Tourismusregionen ganz Baden-Württembergs. Hier liegt das deutsche Mekka für Gourmets, mit Harald Wohlfahrt (Schwarzwaldstube) und Claus-Peter Lumpp (Restaurant Bareiss) stehen gleich zwei Drei-Sterne-Köche am Herd. Baiersbronn ist ein Luftkurort für vornehmlich älteres Publikum, das auf gepflegten Wegen die Hügel, Wälder und Seen des Nordschwarzwalds genießen will und dem Reiz des Urwüchsigen nicht zwingend erliegt.

Beim Hotel- und Gaststättenverband ist zu hören, dass bislang rund 60 Prozent der örtlichen Hoteliers das Projekt Nationalpark ablehnen. „Ich kenne meine Gäste. Die haben keine Freude daran, beim Wandern auf abgestorbene Bäume zu schauen“, ätzt ein Hotelier, der ungenannt bleiben möchte. Sturmschäden nämlich würden in der Kernzone eines Nationalparks nicht mehr beseitigt – wie es in der Wildnis eben so ist. „Die von Befürwortern ins Gespräch gebrachten Gästezuwächse sind schöngeredete Wunschträume“, schreibt Herbert Möhrle, Besitzer des Fünf-Sterne-Hotels Engel in Baiersbronn, in einem offenen Brief. Die Natur der Region sei „zu wertvoll, um als Spielwiese für ideologische Gedankenspiele herhalten zu können“.

Kleines Krabbeltier

Ludwig Züfle Quelle: Dominic Jan Geis

Manche in der Branche fürchten, dass Stammgäste wegbleiben und stattdessen vermehrt Tagestouristen in Bussen kommen und die Straßen verstopfen. Hinzu kommt ein nicht zu unterschätzender kultureller Faktor: In der einst bitterarmen Region haben die Menschen eine höchst emotionale Beziehung zum Wald. In vielen alteingesessenen Familien konnten Groß- und Urgroßeltern ihr karges Auskommen allein mit dem Holz der Schwarzwaldhöhen bestreiten. Warum es Sinn machen soll, Holz ungenutzt vergammeln zu lassen, erschließt sich so manchem in der älteren Generation nicht.

Was Hoteliers, Förster und Waldbesitzer allerdings am meisten sorgt, ist ein kleines Krabbeltier, das sich in den dichten Fichtenwäldern des Schwarzwalds pudelwohl fühlt – der Borkenkäfer. In einem sich selbst überlassenen Nationalpark, so warnen Projektgegner, könnte sich der gefräßige Schädling ungehemmt ausbreiten und auf andere Waldgebiete überspringen. Als mahnendes Beispiel gilt der Nationalpark Bayerischer Wald, wo das Insekt in den Neunzigerjahren ganze Landstriche kahl nagte. „Eine ungehemmte Ausbreitung des Borkenkäfers wäre für den Nordschwarzwald eine Katastrophe“, sagt Holzunternehmer Züfle. Die vorgesehene Schutzzone um den Nationalpark hält er für „einen Witz, denn dem Borkenkäfer ist es egal, wo der Nationalpark aufhört und wo der andere Wald anfängt“.

Deutschlands sündhaft teure Prestigebauten
Die Elbphilharmonie ist das teuerste Kulturprojekt in Deutschland. Die Kostenexplosion und Bauverzögerung wird ein Fall für die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt, ob Straftaten vorliegen. Laut Abschlussbericht sind eine unfertige Planung, mangelnde Kontrolle vonseiten der Politik und ein Chaos auf der Baustelle schuld am Desaster beim Bau. Die Kosten für den Steuerzahler bei dem Projekt sind von ursprünglich 77 Millionen auf 789 Millionen Euro gestiegen, die Eröffnung wurde von 2010 auf 2017 verschoben. Erstmals nennt der Abschlussbericht, der die Ereignisse bis Ende 2008 untersucht, auch die Namen der Verantwortlichen. Demnach ist die städtische Realisierungsgesellschaft (Rege) mit ihrem Chef Hartmut Wegener für wichtige Fehlentscheidungen verantwortlich. Die politisch Verantwortlichen, allen voran Hamburgs damaliger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und sein Chef der Senatskanzlei Volkmar Schön (CDU), seien dagegen ihrer Aufsichtspflicht nicht gerecht geworden. Aber auch die Architekten Herzog & de Meuron und der Baukonzern Hochtief kommen in dem Bericht nicht gut weg. „Wenn wir konkrete Anhaltspunkte für eine verfolgbare Straftat finden würden, würden wir entweder einen Ermittlungsvorgang gegen einen bestimmten namentlich bekannten Beschuldigten oder mehrere einleiten oder wir würden ein Unbekannt-Verfahren einleiten, wenn wir noch nicht wüssten, wer der Beschuldigte ist“, erklärt die Sprecherin Nana Frombach. Quelle: dpa
Deutschlands teuerstes Kulturprojekt, die Hamburger Elbphilharmonie, wird die Steuerzahler laut Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) stolze 789 Millionen Euro kosten - und soll 2017 eröffnet werden. Das Prestigeprojekt würde damit gut zehnmal teurer als 2005 vom damaligen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) veranschlagt. Damals war von rund 77 Millionen Euro die Rede. Auf der Baustelle im Hafen herrscht mittlerweile seit rund anderthalb Jahren Stillstand, weil sich die Vertragspartner lange nicht einigen konnten. Erst im März hatte Scholz mit Hochtief einen Vertrag geschlossen, wonach der Essener Baukonzern künftig sämtliche Risiken übernimmt und das Konzerthaus bis Ende Oktober 2016 zum „Globalpauschalfestpreis“ von 575 Millionen Euro zu Ende baut. Nicht berücksichtigt waren dabei jedoch unter anderem die Finanzierungs- und Baukosten für den kommerziellen Teil und die Vorplanungskosten. Nun geht aus dem vertraulichen zweiten Entwurfs des Abschlussberichts des Untersuchungsausschusses hervor, der Spiegel Online vorliegt. Die Schuldigen sollen die Projektkoordination, Bauunternehmer und Architekt, sowie auch der damalige Erster Oberbürgermeister, Ole von Beust, sein. Quelle: REUTERS
Die sogenannte 'Kanzlerbahn', die derzeit zwischen dem Hauptbahnhof, Kanzleramt und dem Brandenburger Tor verkehrt, soll um 92 Millionen Euro teurer werden. Laut Berliner Morgenpost beläuft sich das Gesamtvolumen künftig auf 525 Euro, die das Land und der Bund zahlen müssen. Quelle: dpa
In Schlangen winden sich Hunderte Besucher durch den Saal, bestaunen historische Exponate, erhaschen per Kurzfilm einen Einblick in die Arbeit der Bundestagsabgeordneten. In einem Miniplenarsaal mit originalgetreuen blauen Sesseln lauschen sie einer gespielten Debatte und ergreifen selbst das Wort. Dann geht es durch den unterirdischen Gang ins Reichstagsgebäude, hinauf in die gläserne Kuppel. Zum Abschluss noch ein Imbiss an einem der 16 Bistro-Tische, die die 16 Bundesländer repräsentieren. So soll es aussehen, das Besucher- und Informationszentrum des Bundestages (BIZ). Ursprünglich sollte es 200 Millionen Euro kosten. Im Januar dann lag der anvisierte Preis schon bei 330 Millionen Euro. "Ein Bau für 330 Millionen Euro, das wird nicht kommen", sagte damals Eduard Oswald, CSU-Bundestagsvizepräsident und Vorsitzender der inneren Kommission, gegenüber WirtschaftsWoche. Nun heißt es in einem Bericht der Welt, dass der Bau mit bis zu 500 Millionen Euro zu Buche schlagen werde. das gehe aus einem Bericht der 36-köpfigen "Reformkommission Bau von Großprojekten" der Bundesregierung hervor. Quelle: dpa
Die Stuttgarter waren nicht ohnmächtig: Stuttgart 21 steht für einen politischen Umbruch in Baden-Württemberg und den Einzug neuer Formulierungen in die deutsche Sprache, wie zum Beispiel das Wort „Wutbürger”. Der alte Kopfbahnhof soll zu einem Tunnelbahnhof umgebaut werden. Eine riesige Protestwelle überrollte die baden-württembergische Landeshauptstadt, seit der Abriss des alten Bahnhofs startete. In einer Abstimmung Ende 2011 sprach sich eine Mehrheit der Bevölkerung jedoch für das Projekt aus. Gestritten wird vor allem über die Kosten des Umbaus... Quelle: dpa
Immer wieder wurden die prognostizierten Baukosten nach oben korrigiert. Zwischenzeitlich sprach die Deutsche Bahn von 4,5 Milliarden Euro, mittlerweile hat sie die Zahlen um ganze zwei Milliarden erhöht.. Andere Experten veranschlagen Kosten von bis zu elf Milliarden Euro. Auch der Bundesrechnungshof hat diese Summe bereits vor drei Jahren als viel zu gering bezeichnet. Die DB hatte damals die Einschätzung zurückgewiesen. Inzwischen sind viele Dokumente ans Tageslicht gekommen, die beweisen, dass die Bahn hohe Mehrkosten vorsätzlich verschwiegen hat. Nicht zuletzt die mangelnde Transparenz bezüglich der Gesamtkosten des Projekts hat viele Bürger auf die Straße getrieben. Die ersten Züge werden wohl nicht vor 2022 im unterirdischen Bahnhof einfahren. Quelle: dpa
Eigentlich sollte die Erweiterung des Saarland-Museums und der Modernen Galerie in Saarbrücken ein Prestigeprojekt werden. Allerdings haben sich die veranschlagten Kosten mehr als verdreifacht. Ursprünglich sollte der Bau neun Millionen Euro kosten. Wie tief der Steuerzahler dafür in die Tasche greifen muss, ist noch offen. Bisher steht in bester Lage in Saarbrücken unweit des Staatstheaters ein hässlicher Betonklotz im Rohbau, dem ein Gutachten jetzt zahlreiche Mängel bescheinigt hat. Die Landesregierung will aber auf jeden Fall an dem schon weit vorangeschrittenen Projekt festhalten, obwohl viele vor einer „zweiten Elbphilharmonie“, wenn auch in sehr viel kleinerer Größenordnung, warnen. Quelle: dpa
Die ständig neuen Meldungen über die steigenden Kosten für den Bau des Berliner Hauptbahnhofs sorgten 2007 für großen Ärger. Anfangs kalkulierte man mit „nur“ 300 Millionen Euro – letztlich wurden es 1,2 Milliarden. Allein 200 Millionen gingen für die beiden Büro-Gebäuderiegel über dem Glasdach drauf. Im April kam dann der Paukenschlag: 2015 muss der dann erst acht Jahre alte Hauptbahnhof drei Monate lang gesperrt und saniert werden. Grund dafür sind mangelhafte Schrauben an den Übergängen der Gleisbrücken. Die Bahn rechnet mit einem Sanierungsaufwand von 25 Millionen Euro. Quelle: dpa
Doch die gestiegenen Baukosten sind nicht das einzige Übel. Denn mit der Miete, die die Bahn jedes Jahr von den Geschäften kassiert, nämlich zwischen sechs und acht Millionen Euro, kann sie die Baukosten niemals wieder hereinholen. Quelle: dpa
Nach der Deutschen Einheit bildeten sich mehrere Vereine, die für einen Wiederaufbau des Schlosses kämpften. Sie betonten die Identität stiftende Funktion des Schlosses für die Deutschen, das zudem einen neuen architektonischen Mittelpunkt der berühmten Prachtstraße Unter den Linden bilde. Gegner des Schlosses argumentierten gegen den Rückgriff auf die Ära Preußens und die hohen Kosten des Projekts. Die Planung für den Wiederaufbau des Stadtschlosses begannen kurz nach der Vereinigung, doch lange Jahre war die Finanzierung nicht gesichert. "Mit der Grundsteinlegung wird die Realisierung dieses großen Kulturvorhabens nun endlich für alle sichtbar", erklärte Neumann am Mittwoch. In den Nachbau sollen Einrichtungen aus Kultur, Kunst und Wissenschaft ziehen, Architekt ist der Italiener Franco Stella. Quelle: dpa
Der Bau soll rund 595 Millionen Euro kosten und nach dem Willen der Bauherren 2019 eingeweiht werden. 2007 hatte der Berliner Haushaltsausschuss noch 552 Millionen Euro als Obergrenze festgelegt, allerdings habe sich eine Kostensteigerung durch höhere Preise im Baugewerbe ergeben, so das Finanzministerium. Die Kosten der Rekonstruktion der historischen Fassade in Höhe von 80 Millionen Euro sollen private Spender aufbringen. Angesichts der chronischen finanziellen Probleme der Hauptstadt betonte Bürgermeister Wowereit, dass für etwaige Mehrkosten beim Bau der Bund zuständig sei. Falls ein Betrag fehlen sollte, müsse das aus Bundesmitteln ausgeglichen werden. Laut einer Umfrage der Zeitschrift "Stern" stößt die Rekonstruktion des Stadtschlosses bei den Bundesbürgern auf wenig Gegenliebe. Fast zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) gaben demnach an, sie fänden den Wiederaufbau nicht gut. 30 Prozent befürworten ihn. Quelle: dpa
Die im Bau befindliche Nord-Süd-Stadtbahn in Köln soll mit einer Tunnelstrecke unter der Altstadt zwischen dem Innenstadttunnel und dem Rhein das bestehende Netz der Kölner Stadtbahn erweitern. Die Baukosten werden auf mindestens 1,1 Milliarden Euro geschätzt. Doch das Projekt ist nicht nur teuer, immer wieder wurde das Bauvorhaben von Zwischenfällen überschattet - wie dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs. Die komplette Strecke soll nach aktuellen Plänen erst im Jahr 2017/2018 fertig sein, ab 2016 werden Teilbereiche im Süden der Domstadt in Betrieb genommen. Quelle: dpa
Eine riesige Stahlkonstruktion, die „Waldschlösschenbrücke“, ist Schuld daran, dass dem Dresdner Elbtal der Weltkulturerbetitel der UNESCO aberkannt wurde. Die Brücke verschandele eine einmalige Kulturlandschaft. Der Stahlkoloss soll im November 2011 fertig gestellt werden, der Verkehr soll ab 2012 rollen. Auch dieses Projekt wurde im nachhinein teurer als geplant: Der gesamte Straßenzug und die Tunneleinfahrten sollen rund 180 Millionen Euro kosten. Bisher hatte man mit 157 Millionen Euro kalkuliert. Quelle: dapd
Eigentlich eine kreative Idee: Ein teils frei schwebender Kubus auf den Silos des Kunstmuseums Küppersmühle in Duisburg sollte ein Zeichen im Kulturhauptstadtjahr 2010 setzen (hier als Computeranimation). Fraglich ist bis heute, ob der Stahlkubus überhaupt jemals auf dem Dach des Museums landen wird. Die Kosten des Vorhabens sind in die Höhe geschossen: Zuerst wurden die Kosten auf 25 Millionen Euro geschätzt, dann später auf 40 Millionen Euro korrigiert und inzwischen gehen jüngste Schätzungen von einem Kostenvolumen von 69 Millionen Euro aus. Der Kunst-Kubus ist bisher nicht fertig geworden und es bleibt abzuwarten, ob und wann das für den Bau verantwortliche Wohnungsunternehmen Gebag sich mit dem Mäzen-Ehepaar Ströher auf eine neue Finanzierung einigt. Quelle: dpa
Ist diese Aussicht nicht schön? Nein, sagen Gegner des Hochmoselübergangs, einer 25 Kilometer langen Neubaustrecke der B50 mitten durch das Moseltal. Dies ist zwar nur eine Computergrafik des Straßen- und Verkehrsamtes Trier, aber so in etwa soll ein Teilstück bei Ürzig dann später aussehen. Ein Argument für den Hochmoselübergang: eine bessere Anbindung an den Flughafen Frankfurt-Hahn. Die Gegner bezweifeln den Nutzen des Projekts und warnen vor einem erheblichen Eingriff in das Landschaftsbild, der sich negativ auf den Tourismus auswirken könnte. Und billig ist das Ganze auch nicht: die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 330 Millionen Euro. Quelle: dpa
Der Ausbau des Nürburgrings im Jahr 2009 sollte eigentlich komplett privat finanziert werden, allerdings wurde kein Investor gefunden. Trotzdem zahlte Rheinland-Pfalz das Projekt vorläufig aus Steuergeldern, so dass mit dem Bau begonnen werden konnte. Inzwischen sind um die 350 Millionen Euro an Steuergeldern in das neue Freizeit- und Erlebniszentrum geflossen. Landesfinanzminister Ingolf Deubel trat am 7. Juli 2009 zurück. Er wollte den Ausbau über hochspekulative Fonds, Liechtensteiner Konten und unbekannte Geschäftspartner in Dubai finanzieren. Formel 1-Rennen auf dem Nürburgring werden vom Land mit Millionenbeträgen subventioniert. Diese als „Strukturhilfe“ aufgeführten Zahlungen werfen nicht nur bei der oppositionellen CDU die Frage nach dem richtigen Umgang mit Steuergeldern auf, auch die Gastronomen im Umland lehnen die subventionierte Konkurrenz ab. Quelle: dpa

Namhafte Befürworter

Allerdings hat der Nationalpark auch namhafte Befürworter. In einem Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprachen sich im Juni mehr als 50 Hochschullehrer und Wissenschaftler für das Ökoprojekt aus. Mit finanzieller Hilfe des Naturschutzbundes hat sich ein „Freundeskreis“ für den Nationalpark gegründet, und auch in der lokalen Wirtschaft finden sich Unterstützer. Immerhin will die Koalition in Stuttgart „für den Nationalpark viel Geld in die Hand nehmen“, heißt es in Regierungskreisen; im Gespräch sind zwischen fünf und zehn Millionen Euro jährlich. Das ist verlockend für eine Fremdenverkehrsregion, in der die Übernachtungszahlen seit Anfang der Neunzigerjahre um rund 400.000 zurückgegangen sind.

„Für unsere strukturschwache Gegend wäre der Nationalpark eine Chance und sicherlich ein Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Tourismusgebieten“, hofft etwa Jörg Möhrle, 42, Chef des Hotels Tanne in Tonbach. Der im Vergleich zum Südteil rauere Nordschwarzwald könne so zu einer „echten Marke“ werden – „damit die Leute zusätzlich zu Bollenhut und Kuckucksuhr auch an Wildnis und ursprüngliche Natur denken, wenn sie das Wort Schwarzwald hören.“

AK Auerhuhn

Welche Bundesländer bei der Bildung Spitze sind
Platz 14: SaarlandAuch im Saarland ist bei der Bildung vieles eher Schatten als Licht. Gerade in den mathematisch-naturwissenschaftlichen MINT-Fächern muss Deutschlands kleinstes Bundesland noch aufholen. Lediglich elf Prozent der Studenten haben 2010 ein ingenieurwissenschaftliches Studium abgeschlossen - bundesweit der niedrigste Wert. Positiv ist hingegen, dass im Saarland nur 5,6 Prozent aller Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen. Damit liegen die Saarländer im Kampf gegen die Bildungsarmut auf Platz zwei. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 16: Schleswig-HolsteinSchlusslicht des IW-Bildungsmonitors ist Schleswig-Holstein. Zwar liegen die Nordlichter bundesweit bei der Integration (Platz 2) vorne. Leute aus bildungsfernen Schichten haben in Schleswig-Holstein eher die Möglichkeit einen ordentlichen Ausbildungsabschluss zu machen, als anderswo. Dafür aber hat Schleswig-Holstein starke Defizite bei der Akademisierung, der Internationalisierung und den Betreuungsbedingungen. Quelle: dpa
Platz 7: NiedersachsenBesondere Stärken weist Niedersachen bei der Ausgabenpriorisierung (3. Platz) und Zeiteffizienz (4. Platz) auf. Das bedeutet: Für das Land haben Bildungsausgaben besondere Priorität – vor allem Ausgaben für die Hochschulen. Außerdem ist Niedersachsen bei der Umsetzung der Bologna-Ziele für einen gemeinsamen europäischen Hochschulraum relativ weit. Schlechter schneiden die Niedersachsen bei der Integration und dem Ausbau der Förderinfrastruktur ab. Quelle: dpa
Platz 12: BrandenburgSchüler in Brandenburg können sich auf gute Betreuungsbedingungen verlassen. Auf einen Lehrer in der Sekundarstufe I (ohne Gymnasium) kommen hier nur 12,2 Schüler. Im Bundesdurchschnitt sind es 14,7. Auch bei der Förderinfrastruktur, der Internationalisierung und der Integration geht Brandenburg mit gutem Beispiel voran. Probleme hingegen gibt es hingegen bei der Schulqualität und der beruflichen Bildung. Quelle: dpa
Platz 3: Baden-WürttembergBaden-Württembergs Stärken liegen in der erfolgreichen Vermeidung von Bildungsarmut (Platz 1), und der Akademisierung (Platz 2). Nachholbedarf gibt es vor allem beim Ausbau der Förderinfrastruktur und der Integration. Quelle: dpa
Platz 10: Mecklenburg-VorpommernÜberdurchschnittlich gut präsentiert sich Mecklenburg-Vorpommern bei der Förderinfrastruktur. Ein Viertel der unter Dreijährigen können einen Ganztagsplatz in einer Kindertagesstätte nutzen, bei den drei- bis sechsjährigen sind es sogar 58 Prozent. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt liegen die Werte lediglich bei 11,3 bzw. 34,7 Prozent. Schwächen hat das Bundesland allerdings in der Zeiteffizienz (Platz 15): Im Jahr 2010 brachen mehr als 40 Prozent der Auszubildenden ihre Lehre ab. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 1: SachsenDas leistungsfähigste Bildungssystem in Deutschland hat Sachsen. Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) führt dies vor allem auf  die gute individuelle Förderung dort zurück. Außerdem biete Sachsen wie auch das zweitplatzierte Thüringen einen breiten Zugang zu akademischen Abschlüssen, vor allem in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern an. Quelle: ZB
Platz 9: HessenAuch in Hessen ist die Bilanz durchwachsen. In puncto Integration liegen die Hessen aber über dem Bundesdurchschnitt. Knapp 15 Prozent der Schüler mit ausländischer Staatsangehörigkeit konnten in Hessen Abitur machen (Bundesdurchschnitt: 12,5 Prozent). Bei Internationalisierung und Förderinfrastruktur muss Hessen hingegen noch deutlich aufholen: Es fehlt an Hochschulkooperationen mit ausländischen Universitäten und an Ganztagsschulen. Quelle: dpa
Platz 6: Sachsen-AnhaltSachsen-Anhalt ist bei den Betreuungsbedingungen, der Förderinfrastruktur und der Internationalisierung besonders gut, hängt aber bei der beruflichen Bildung, Schulqualität und Akademisierung zurück. Quelle: dapd
Platz 11: Rheinland-PfalzRheinland-Pfalz schneidet auch eher durchschnittlich ab. Die Schüler können sich zwar über eine hohe Schulqualität freuen (bundesweit Platz 4), dafür gibt es Defizite bei der Forschungsorientierung (Platz 16). Quelle: dpa
Platz 8: HamburgHamburg gehört zu den großen Gewinnern im Ranking. Im Vergleich zum Vorjahr (13. Platz) haben die Hanseaten fünf Plätze gut gemacht. Stärken weist Hamburg bei der berufliche Bildung (2.Platz) und Akademisierung auf. Verbesserungspotenzial besteht bei Schulqualität und Bildungsarmut. Quelle: dpa
Platz 13: Nordrhein-WestfalenDas bevölkerungsreichste Bundesland landet beim deutschlandweiten Vergleich im unteren Drittel ab. Gründe dafür gibt es viele: Es mangelt in NRW an der Schulqualität und ausreichender Betreuung. Zudem schließen nur zwei Drittel der Abgänger an beruflichen Schulen ihre Ausbildung erfolgreich ab – der schlechteste Wert in ganz Deutschland. Lediglich bei der Forschungsorientierung (Platz 3) kann NRW oben mithalten. Quelle: dpa
Einmal im Jahr zieht das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) einen ausführlichen Vergleich zwischen den Bildungssystemen der deutschen Bundesländer. Es stützt sich dabei auf 13 Kriterien. Sie reichen von der Schulqualität über die Integration lernschwacher Schüler bis hin zur Förderung so genannter MINT-Fächer (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Quelle: dpa
Platz 4: BayernBayern schneidet in sieben der dreizehn Kriterien überdurchschnittlich ab. Die herausragenden Stärken des Landes liegen bei der Schulqualität (Platz 1), der Förderung der beruflichen Bildung(Platz 1) und dem erfolgreichen Vermeiden von Bildungsarmut (Platz 3). Deutlichen Nachholbedarf gibt es beim Ausbau der Förderinfrastruktur. Quelle: dpa
Platz 2: ThüringenKein anderes Bundesland räumt den Bildungsausgaben so hohe Priorität ein wie Thüringen. Auch bei der Förderinfrastruktur und der naturwissenschaftlich-mathematischen MINT-Fächer liegt es jeweils auf dem zweiten Platz. Verbesserungsbedarf besteht bei der Effizienz der eingesetzten Mittel. Quelle: dpa
Platz 5: BremenBremen ist ein Bundesland der Extreme. Einerseits liegt es bei der Akademisierung und der Förderung der MINT-Fächer auf dem ersten Platz. Andererseits besteht erheblicher Verbesserungsbedarf in puncto Bildungsarmut und Schulqualität. Quelle: dpa
Platz 15: BerlinBerlins Bürgermeister Klaus Wowereit muss noch einiges in die Bildung investieren, damit seine Stadt dort zur Spitze gehört. So muss Berlin zum Beispiel noch an der Integration arbeiten und sich stärker für die Bekämpfung von Bildungsarmut einsetzen. Es gibt aber auch einen Lichtblick: Im Vergleich zum letzten Bildungsmonitor hat sich das Land immerhin um einen Platz verbessert. Bei der Forschungsorientierung liegt Berlin sogar bundesweit ganz vorne. Quelle: dpa

Damit sich solche Argumente durchsetzen, hat die Landesregierung nun eine breite Kampagne gestartet. Grünen-Politiker werden nicht müde, darauf hinzuweisen, dass auch frühere CDU-Regierungen mit einem Nationalpark geliebäugelt hätten. Es gibt immer wieder Informationsveranstaltungen, es wurden 120.000 Haushalte angeschrieben und sieben regionale Arbeitskreise eingerichtet – unter anderem der „AK Auerhuhn“. Auch über eine Online-Plattform und ein Infotelefon können sich Anwohner informieren. Die Koalition in Stuttgart will nach den verheerenden Erfahrungen mit Stuttgart 21 jeden Eindruck zerstreuen, sie wolle das Projekt von oben durchsetzen – was sie per Landtagsbeschluss durchaus könnte. „Der Nationalpark ist eine große Chance für die Region. Wir können und werden dieses Projekt aber nicht gegen die Bürgerschaft vor Ort durchdrücken“, verspricht die grüne Fraktionsvorsitzende Edith Sitzmann.

Derzeit arbeiten die Unternehmensberatungen PricewaterhouseCoopers und Ö:Konzept an einem Gutachten über die ökologischen und wirtschaftlichen Folgen des Projekts. Die Studie soll bis Jahresende vorliegen. Dass sie die aufgeheizte Stimmung in den Schwarzwaldtälern abkühlt, ist jedoch unwahrscheinlich. „Nach der Veröffentlichung des Gutachtens wird der Streit sicherlich neu entfacht“, befürchtet Hotelier Jörg Möhrle. Wohl wahr: Die Bürgerinitiative um Andreas Fischer plant bereits eine „Entmythologisierungskampagne“. Helfen soll dabei eine soeben fertiggestellte Bachelor-Arbeit der TU Dresden, in der eine Studentin die wirtschaftlichen Chancen und Risiken des Nationalparks analysiert – und ein negatives Fazit zieht.

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Bürgerbefragung

Auch kommunalpolitisch spitzt sich die Lage zu: Sobald die Studie vorliegt, wollen die skeptischen Gemeinderäte von Baiersbronn und zwei weiteren Orten eine Bürgerbefragung einleiten. Lehnen die Einwohner den Nationalpark ab, wäre dies zwar juristisch irrelevant, würde die Landesregierung aber in eine peinliche Lage bringen. Nicht ganz zufällig veröffentlichte das Staatsministerium in Stuttgart jüngst eine – landesweite – Umfrage, wonach 64 Prozent der Baden-Württemberger einen Nationalpark prinzipiell befürworten.

Damit es ähnliche Zahlen bald auch in Baiersbronn gibt, setzt Projektbefürworter Jörg Möhrle auf ein spezielles Argument, das auch eingefleischte Gegner überzeugen könnte: „Wenn der Nationalpark kommt, können auf diesem Gebiet keine Windräder aufgestellt werden.“

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