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Ungleiche Verteilung in Deutschland "Ärzte lassen sich nicht aufs Land zwingen"

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Zwangsaufkäufe von Praxen genügen nicht

Die heftigsten Reaktionen jedoch löst der Teil des Gesetzes aus, wonach Kassenärztliche Vereinigungen Praxen aufkaufen sollen, wenn ein Arzt in Ruhestand geht und es in der Gegend nach geltendem Maß mehr als genug Mediziner gibt, also 110 Prozent im Fachgebiet. Ein ähnlicher Passus wird bereits in Berlin angewandt, wo Ärzte von gut versorgten nur in schlechter versorgte Bezirke ziehen dürfen.

Jens Spahn: „Es ist schon viel gewonnen, wenn fünf Praxen in Münster schließen und dafür fünf im Münsterland aufmachen.“ Er blockt das Begehren der KBV ab: „Ich sehe noch keinen Bedarf, irgendetwas zu verändern oder zu streichen.“ Gegenargumente würden im Gesetzesverfahren angehört.

Was Ärzte verdienen

Manche Abgeordnete mit vielen Praxen im Wahlkreis haben aber durchblicken lassen, dass man die Grenze für den Aufkauf lockern könnte – etwa auf 180 bis 200 Prozent Ärztedichte. Dann wäre der „Zwangsaufkauf“ kaum ein Thema mehr.

Spahn weiß, dass Praxisaufkäufe allein noch wenig bewirken. „Wichtig wird auch sein, dass wir diejenigen eher zum Studium zulassen, die Hausärzte werden wollen, und dass Studenten Erfahrungen in Landpraxen sammeln. Sonst bleiben zu viele in den großen Städten hängen.“

Gassen will ans Geld der Krankenhäuser

Auch wollen nicht mehr so viele Nachwuchsleute Einzelkämpfer sein, nicht 55 Stunden die Woche als Praxisinhaber arbeiten, sondern lieber 40 Stunden als Angestellte. Die Hälfte sind Frauen. Da könnten medizinische Versorgungszentren (MVZ) eine Lösung sein oder im Dorf tageweise Sprechstunden von Ärzten aus größeren Praxen.

Deutschland



Auf dem Land könnten höhere Honorare gezahlt werden. Telemedizin verringert die Distanz zum Arzt, und medizinisch ausgebildete Fachassistenten könnten Aufgaben übernehmen. Die KBV sieht mit solchen Vorschlägen den Arzt als freien Beruf eingeschränkt.

Stattdessen will Gassen ans Geld der Krankenhäuser. „Wir müssen übergreifend planen, welche Versorgung niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser insgesamt übernehmen können. Und dann muss man reden, wer wie viel Geld bekommt.“

Was früher in der Klinik gemacht worden sei, leisteten heute ambulante Ärzte. „Man kann einige Krankenhäuser schließen, das ist wahrscheinlich sogar gut für die Patienten“, verlangt der oberste Kassenarzt.

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