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Universitäten Studiengebühren gestrichen

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Länderausgaben für Hochschulen Quelle: Bildungsfinanzbericht 2010

Dabei ließe sich jetzt, vier Jahre nach der ersten Einführung in Hessen, erstmals wirklich beurteilen, welche Auswirkungen die Campus-Maut tatsächlich gehabt hat. Doch eine objektive Bewertung findet kaum statt. Zur Rechtfertigung der Abschaffung werden Sorgen bemüht, die schon bei der Einführung die Studenten auf die Straße brachten: Gebühren seien ungerecht, sie würden Menschen vom Studium abhalten und so die soziale Schere in Deutschland weiter öffnen.„Es ist eine Tatsache, dass Studiengebühren Jugendliche vom Studium abschrecken“, sagt Jens Böhrnsen, SPD-Bürgermeister im gebührenfreien Bremen. Auf der anderen Seite tun sich auch die Befürworter schwer, aus den ersten Erfahrungen neue Argumente für die Gebühren abzuleiten. Nach wie vor werben sie mit der Verbesserung der Lehrbedingungen und verweisen auf die enge Zweckbindung, die gar nichts anderes zulasse, als die Gelder direkt in die Lehre zu investieren.

Ein Blick auf die Erfahrungen der ersten Jahre würde sich lohnen. Denn er zeigt: Weder die eine noch die andere Seite kommt mit ihrem seit bald einem Jahrzehnt vorgetragenen Argumentationsmantra der Wirklichkeit wirklich nahe. Es wurde zwar vieles falsch gemacht, mit den richtigen Justierungen aber taugen die Gebühren sehr wohl zum Erfolgsmodell. Zwar steht das Beispiel aus Schwäbisch-Gmünd für einen eher stümperhaften Umgang mit den zusätzlichen Einnahmen. Doch klug verwendet, können diese durchaus Nutzen stiften.

Kaum Gebühren-Tourismus

So sind viele Befürchtungen der Gebührengegner gar nicht eingetreten. Während in Österreich nach der Einführung die Anzahl der Studiumsanfänger schlagartig um fast 20 Prozent abnahm, ist sie hierzulande nahezu gleich geblieben oder sogar gestiegen. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind dabei nur marginal. Zwar hat es in einigen Gebührenländern parallel zur Einführung einen Rückgang der Studienanfänger gegeben, in den Folgejahren war dieser Effekt jedoch nicht mehr festzustellen.

Auch aus den Wanderungen der Studenten lässt sich keine klare Tendenz ablesen. Somit bestätigt sich zwar nicht die These, Studenten könnte es in der Hoffnung besserer Studienbedingungen scharenweise in die Gebührenländer ziehen. Doch auch das Schreckensszenario der Gegner entpuppt sich als Hirngespinst: Die Zahl der Studenten, die das Beitragsland Bayern in die gebührenfreie Zone verlassen haben, ist zwar zuletzt leicht gestiegen. Von einem Massenexodus kann jedoch keine Rede sein. Am ehesten noch scheinen die Mehrkosten für ostdeutsche Studenten eine Rolle zu spielen: In den vergangenen Jahren verließen sie ihre Heimat immer seltener für ein Studium in Gebührenländern.

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