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Universitäten Studiengebühren gestrichen

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Wolfgang Heubisch Quelle: dapd

Vor allem aber sind die beschworenen negativen sozialen Aspekte offensichtlich ausgeblieben: Sowohl die regelmäßige Sozialerhebung des deutschen Studentenwerkes als auch der Forschungsstelle „Hochschul-Informations-System“ (HIS), zeigen nur marginale Veränderungen bei der sozialen Zusammensetzung der Studentenschaft. „Die Verschiebungen sind so gering, dass es kaum möglich ist, auf systematische Effekte zu schließen“, erklärt Michael Jaeger, der am HIS für Hochschulfinanzierung zuständig ist. Nur drei Prozent der 2008 vom Institut befragten jungen Erwachsenen gaben an, die Gebühren hätten sie vom Studium abgehalten, weitere sechs Prozent nennen dies zumindest als möglichen Grund. Diese Anteile erhöhen sich zwar, betrachtet man bildungsferne Schichten, doch bedrohlich sind diese Zahlen noch lange nicht.

Zukunft der Studenten

Als Schlüssel zur sozialen Verträglichkeit erweisen sich die Befreiungsregeln. Nach einer Studie des bayrischen Staatsinstituts für Hochschulforschung verteilten sich die gebührenbefreiten Studenten in NRW, Niedersachsen oder Hamburg relativ gleichmäßig auf die sozialen Schichten. In Bayern hingegen wurden nur rund 19 Prozent der Studenten aus unteren Schichten von den Gebühren befreit, aus der höchsten sozialen Schicht waren es dagegen gut 28 Prozent. Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es in Bayern sehr großzügige Befreiungsregeln für Geschwister und bei guten Studienleistungen. Ersteres ist von der sozialen Herkunft mehr oder weniger unabhängig, die universitären Leistungen sind gar positiv mit der sozialen Herkunft korreliert – etwa weil gut situierten Studenten öfter der zeitraubende Nebenjob erspart bleibt.

Wolfgang Heubisch sieht daher keinen Grund, an den Studiengebühren etwas zu ändern. Heubisch ist Wissenschaftsminister in Bayern und FDP-Mitglied, damit Vertreter der selten gewordenen Mischung aus liberalem Politiker und Wahlsieger. Das entsprechende Selbstbewusstsein bringt er gleich mit. „ Die Studiengebühren in Bayern sind ein Erfolg“, sagt Heubisch. Er sei da „ganz pragmatisch“. Lasse man alle Ideologie beiseite, bleibe eines: „Die Vorteile für die Zukunft unserer Studenten.“

Mit dieser Aussage hat Heubisch inzwischen unerwartete Verbündete gefunden – die Studenten selbst. Denn diese äußern sich in jüngster Zeit deutlich positiver über den Nutzen der Gebühren. War 2006 nur knapp die Hälfte der Studenten überzeugt, die Beiträge würden tatsächlich zur Verbesserung der Studienbedingungen beitragen, teilten bei der jüngsten Befragung 2010 immerhin schon 62 Prozent diese Ansicht. Pascal Hetze, Hochschulforscher beim Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, hebt zudem hervor, dass sich die generelle Zufriedenheit mit den Studienbedingungen in den Gebührenländern überdurchschnittlich günstig entwickelt habe. „Das ist ein Beleg dafür, dass sie ihre intendierte Wirkung erreicht haben.“

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