WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Universitäten Studiengebühren gestrichen

Seite 4/5

Doch diese Wirkung wurde nicht flächendeckend erreicht. In drei der sechs Länder, die zumindest zwischenzeitlich auf Studiengebühren setzten, beschäftigte sich schon kurz nach Einführung der Landesrechnungshof mit dem Thema. Und förderte zum Teil haarsträubende Ineffizienzen zutage. So verfügen viele der Gebührenländer auch vier Jahre nach Einführung noch über immense Restbeträge, allein in Bayern waren es Ende vergangenen Jahres mehr als 100 Millionen Euro. Zwar sichern Ministerien und Universitäten zu, die Mittel schnellstmöglich auszugeben, doch diese Zusagen können nicht das dahinterliegende Problem verbergen: Um die erwarteten Proteste der Studenten abzumildern, haben sich die Länder so enge Ausgabegrenzen gesetzt, dass eine effiziente Mittelverwendung kaum möglich ist. In den meisten Ländern wurde die Formel der „Verbesserung von Studium und Lehre“ gewählt.

An der Universität Göttingen fließen pro Jahr 14 Millionen Euro aus den Beiträgen der Studenten in den Etat der Hochschule. Längere Öffnungszeiten für Bibliotheken, mehr Studienberatung, bessere Verknüpfung von Universität und Berufseinstieg – all das ist dank der 500 Euro pro Student und Semester möglich geworden. „Der größte Vorteil der Studienbeiträge ist, dass sie in die Verbesserung der Lehre fließen“, sagt Uni-Vizepräsident Wolfgang Lücke, „die Studenten helfen damit der Universität – und sie nehmen Einfluss.“ Viele Länder haben den Studenten umfassende Mitspracherechte eingeräumt, um sich deren Zustimmung zu sichern.

Neuer Standard

Doch aus diesen Zugeständnissen und der mangelhaften Planbarkeit der Einnahmen ergibt sich ein abgestimmtes Rezept zur möglichst unflexiblen und langsamen Verwendung. Denn einerseits weigern sich die Studentenvertreter oftmals, Ausgaben für Bau oder Instandhaltung von Gebäuden zu billigen. Auf der anderen Seite tun sich die Universitäten schwer, Personalstellen zu schaffen, auf die sie im Zweifel nicht wieder verzichten könnten. Übrig bleiben unmittelbar wirksame Sachausgaben wie Bücher, Drucker, Computer und verzichtbare Personalstellen – wie die von Anneke Hackenbroich. Ob Servicestellen für die Vermittlung von Praktika, die Beratung bei der Suche nach Stipendien oder der Recherche in der Bibliothek – all das gehört heute zum Standard vieler Universitäten. Zudem wurden an deutschen Universitäten in den vergangenen Jahren zuhauf Tutorien eingerichtet, in denen die Studenten unter Aufsicht den Stoff der Vorlesungen wiederholen. Da jedoch zugleich aufgrund der langfristigen Mittelbindung kaum neue Professorenstellen aufgebaut werden konnten oder größere Investitionen angegangen wurden, gibt es an vielen Hochschulen inzwischen ein Missverhältnis: In Tutorien herrscht bestes Betreuungsverhältnis, die Professorenquote hingegen ist unverändert mau. In der Bibliothek gibt es Servicetheken und moderne Chipkartentechnik, während die Dächer undicht sind.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%