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Universitäten Studiengebühren gestrichen

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Manfred Schmitt freut sich deshalb über die Abschaffung der Gebühren – dabei profitiert er selbst von ihnen. Schmitt ist Vizepräsident der Universität Saarbrücken und zuständig für Lehre und Forschung, seit vergangenem Jahr bekommt er statt Studiengebühren Kompensationszahlungen. Und zwar in gleicher Höhe. „Für uns ist das eine große Erleichterung“, so Schmitt, „wir können jetzt besser mit den Ausgaben planen und längerfristige Projekte fördern.“ Dass er sich damit zugleich zum Spielball im politischen Geschachere um die öffentlichen Haushalte macht, scheint Schmitt nicht zu stören. „Für die nächsten Jahre haben wir eine Finanzierungszusage vom Land“, sagt er. Hochschulforscher Hetze sieht jedoch genau in diesem Punkt einen entscheidenden Vorteil der Gebühren: „Sie machen die Universitäten unabhängig von der Einnahmensituation der öffentlichen Hand.“

Mehr Fair Play

Zudem haben die Gebühren ein jahrelang als selbstverständlich hingenommenes Missverständnis in der öffentlichen Finanzierung von Ausbildung beendet. Während das mit großer Wahrscheinlichkeit zu hohem Einkommen führende Studium nichts kostet, muss frühkindliche und berufliche Bildung in großen Teilen des Landes teuer von den Eltern bezahlt werden. Meisterbrief und Meisterschule etwa kosten den Fleischer rund 2500, den Elektrotechniker rund 8000 Euro. Wie doppelzüngig diese Finanzierungsstrategie ist, offenbart der Vergleich mit anderen Industrieländern. So liegt nur in drei von der OECD verglichenen Ländern der private Finanzierungsanteil der Hochschulen niedriger als in Deutschland, vergleicht man die Gesamtausgaben der Bürger für die Bildung ihrer Kinder, ist Deutschland mit 0,9 Prozent des BIPs hingegen vorne mit dabei: Nur in Südkorea, Japan, den USA, Kanada und Australien ist der Anteil höher. In den frühen Jahren also, wo Bildung am wichtigsten für gleiche Chancen wäre, hält sich der deutsche Staat zurück. Für Bildungsexperten ein fatales Ungleichgewicht.

So groß der Reformbedarf daher auch sein mag, um die Gebühren sozial gerecht zu organisieren und ihre Verwendung effizienter zu steuern, umso fahrlässiger ist es doch, sie einfach fallen zu lassen. Denn richtig eingesetzt, hätten die Gebühren nicht nur die Finanzierungsnöte der Universitäten lindern können, sondern auch für ein Stück mehr Fair Play in der Ausbildung gesorgt.

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