Unterschiede Ost-West Letzter Ausweg Ruhrmetropole

Planer verabschieden sich von gleichwertigen Lebensverhältnissen und fordern, Kräfte zu bündeln.

Die Städte im Ruhrgebiet fühlen sich gegenüber ostdeutschen Kommunen benachteiligt, die bis 2019 per Solidarpakt gepäppelt werden. Doch der Soziologieprofessor und Infrastrukturexperte Andreas Knie lässt den Vergleich nicht gelten: „Den Ruhrstädten geht es noch besser als vielen Orten im Osten.“ Im Ballungszentrum gebe es auch viel mehr Schulen oder Fachärzte – und „eine Infrastruktur, die in den Fünfzigerjahren mal top war, jetzt aber deutlich angerostet ist“. Davon gebe es in Ostregionen weniger.

Die Gewinner und Verlierer des Aufbau Ost
Eine alte Frau verlaesst mit ihrem Hund ein Haus in Duisburg-Bruckhausen, Quelle: dapd
"Marietta-Bar-Areal" im Nordabschnitt des Breiten Weges in Magdeburg wird am Neubau für ein Geschäftshaus gearbeitet. Quelle: ZB
Die quer durch das Ruhrgebiet verlaufende Autobahn A40 ist in Essen kaum befahren. Quelle: dpa
Die Bundesstraße 95 zwischen Chemnitz und Leipzig Quelle: dpa/dpaweb
Ein Bauarbeiter schwingt den Hammer auf der Baustelle für die neue Schwimmhalle des SV Halle Quelle: dpa
Eine Frau geht am 18.02.2012 in Oberhausen an einer Kaufhof Filiale vorbei, die bald geschlossen wird und mit dem Räumungsverkauf wirbt Quelle: dpa
Das Bürogebäude in Mülheim an der Ruhr, in dem die Firma Globudent Quelle: dpa/dpaweb
Die Dresdner Katholische Hofkirche (M), der Hausmannsturm des Schlosses (l) und die Semperoper Quelle: dpa
Das Foto zeigt das Gelände der Westfalenhallen in Dortmund mit dem markanten Rundbau der Westfalenhalle Quelle: dpa/dpaweb
Besucher strömen am Samstag (17.03.2012) auf die Leipziger Buchmesse. Quelle: dpa
Das Rathaus in Herne Quelle: dpa/dpaweb
Marienkirche in Rostock Quelle: dpa
Öfen der Olefin III Anlage im Werk Gelsenkirchen Scholven Quelle: obs
Mariendom und Severikirche auf dem Erfurter Weihnachtsmarkt Quelle: dpa

Mehr Freiheit

Knie, der am Wissenschaftszentrum Berlin forscht, hält wenig vom Verweis auf „gleichwertige Lebensverhältnisse“, die das Grundgesetz recht allgemein anstrebt. „Vieles war noch nie gleich und wird es noch weniger sein.“ Es mache keinen Sinn, Distanzen zum Briefkasten oder eine Mindestzahl an Gymnasien festzulegen. „Damit wird man keine gleiche Lebensqualität in München, Duisburg und Neuruppin erreichen.“

Infrastrukturplaner wie Knie plädieren dafür, sich von einer einheitlichen Daseinsvorsorge des Staates zu verabschieden und den Kommunen oder Kreisen mehr Freiheiten zu übertragen, in was überhaupt investiert wird. Knie nennt das „Gewährleistungsstaat“ mit deutlich abgespeckter Bürokratie. Nicht festlegen, dass ein Zug fährt, sondern vor Ort entscheiden, ob ein Ruftaxi passender ist. Nicht Schwimmbäder erhalten, sondern planen, unter welcher Regie Badespaß angeboten werden kann. „Mit Infrastruktur allein kann man die Leute nicht halten – nicht im Ruhrgebiet und nicht in Ostdeutschland.“

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Ein wichtiges Hemmnis ließe sich ohne Soli-Millionen lösen, sagt Knie: „Jede Stadt im Ruhrgebiet macht viel für sich. Wenn sie gemeinsam planten, wäre viel zu sparen.“ Eine Ruhrmetropole wäre attraktiver als viele Städte mit Kirchturmpolitik.

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