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Urlaub Wer in Risikogebiete reist, sollte seinen Corona-Test auch selbst zahlen

Die Bundesländer wollen allen Rückkehrern aus dem Auslandsurlaub kostenlose Corona-Tests anbieten und so eine drohende zweite Virus-Welle eindämmen. Quelle: imago images

Endlich Sommer: Viele drängt es in den Urlaub. Dass einige Länder Risikogebiete sind, hält nicht alle ab. Dass der Vorsichtige für deren Corona-Tests aufkommen soll, ist aber ein Unding. Ein Kommentar.

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Sommer, Sonne, Corona: Sommerzeit ist Urlaubszeit. Dass da momentan immer noch eine weltweite Pandemie tobt, scheinen einige schon verdrängt zu haben. Merkt man ja auch in Deutschland wenig von, wenn nicht gerade die Brille beim Einkaufen von der Maske beschlägt.

Beliebte Urlaubsländer wie Ägypten, die Türkei oder die Malediven führt das Robert-Koch-Institut zusammen mit über hundert anderen Ländern immer noch als Risikogebiet auf. Wer von dort nach Deutschland zurückkam, musste sich eigentlich in eine 14-tägige Quarantäne begeben, wenn er keinen negativen Corona-Test, der jünger als 48 Stunden war, nachweisen konnte. Wobei die Praxis bisher schon fraglich ist: Melden sich Urlauber nicht selbst beim Gesundheitsamt als potenzielle Infizierte, weiß niemand um die eigentlich vorgeschriebene Quarantäne. Nach dem Urlaub zu Hause zu bleiben, beruhte bisher also mehr auf Freiwilligkeit denn auf Anordnung.

Bund und Länder diskutieren über kostenlose Tests

Um die armen Urlauber, die sich ein bisschen Erholung am Strand gönnen wollen, zu entlasten, soll es für sie jetzt kostenlose Corona-Tests bei der Rückkehr geben. Das haben Bund und Länder in einer gemeinsamen Schalte jüngst entschieden. Verpflichtend sind die aber nicht. Auch Reisende aus nicht ausgewiesenen Risikogebieten können sich kostenlos testen lassen – allerdings nicht direkt am Flughafen. Vor dem gemeinsamen Beschluss waren die Bayern mal wieder vorangeprescht: Schon vor einigen Tagen kündigte Markus Söder an, an allen Flughäfen im Freistaat kostenlose Tests für Rückkehrer anbieten zu wollen. Auch Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller hatte das schon für den Flughafen Tegel im Alleingang entschieden.



Die Haltung der Politik ist trotzdem zweischneidig: Zwar lässt sie die Bürger wild in der Weltgeschichte herumreisen, doch gleichzeitig fürchtet sie durch die Urlauber eine steigende Zahl an Coronafällen. Nicht nur in ausgewiesenen Risikogebieten können sich Urlauber anstecken. Auch in europäischen Urlaubshochburgen, am Flughafen und im Flugzeug sind Abstands- und Schutzmaskenregelungen oft passé. Wer am Ballermann feiert, geht ein Risiko ein, auch wenn Spanien prinzipiell nicht zu den Risikogebieten zählt. Wer eng an eng feiert, kann sich aber auch in der Düsseldorfer Altstadt anstecken oder in Berlin. Kostenlose Tests? Warum dann nicht für alle?

Vor dem Entscheid konnten sich Urlaubsrückkehrer in München und Frankfurt freiwillig testen lassen – und zahlten selbst dafür, bis zu 190 Euro pro Test. So war das auch in Ordnung. Wer sich einen Urlaub leisten kann, kann dafür auch selbst aufkommen.

Wer sich dazu entscheidet, in Zeiten einer weltweiten Pandemie zu reisen und sich in potenziell gefährliche Gebiete zu begeben, sollte auch die Verantwortung tragen. Sowohl gesellschaftlich, sprich die vorgeschriebene Quarantäne einzuhalten, als auch finanziell – und den Corona-Test gefälligst selbst bezahlen. Denn wer vorsichtig ist und den Sommer um seiner Mitmenschen willen auf Balkonien statt im Bierkönig verbringt, sollte nicht für den Leichtsinn anderer zahlen müssen.

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