USA und Großbritannien warnen Bedrohung durch russische Hacker „ist nicht verschwunden“

London und Washington werfen Russlands Regierung Hackerattacken vor. Das britische Parlament kennt die Gefahr – die Angst vor Spionage wächst.

USA und Großbritannien werfen Russland Hackerattacken vor Quelle: dpa

LondonIm vergangenen Sommer kamen die britischen Abgeordneten ins Schwitzen. Nicht wegen der anstrengenden Debatten über den Brexit oder gar wegen des Sommerwetters, nein, sie wurden angegriffen. Von Hackern.

An einem sonnigen Freitagabend im Juni stellte das Nationalen Cyber-Sicherheitszentrum einen „anhaltenden Angriff“ auf das Parlament fest, weswegen den Abgeordneten und der Regierung der Zugriff auf ihre E-Mails verwehrt wurde. Der Angriff wurde offenbar noch rechtzeitig abgewehrt – aber er war bei weitem nicht der einzige.

Warnung vor globalem Angriff aus Russland

In der vergangenen Nacht warnten die Behörden in Großbritannien und den USA offiziell vor einer global angelegten Cyberattacke der russischen Regierung. Ein bisher einmaliger Schritt. Aber seit über zwanzig Jahren verfolge man die Aktivitäten russischen Cyber-Angreifer, heißt es vom britischen Geheimdienst.

„Die Bedrohung ist nicht verschwunden“, sagt Ciaran Martin, Vorsitzender des Nationalen Cyber Security Center NCSC in Großbritannien. Die Aktivitäten, auf die man nun hinweise, seien „Teil eines sich wiederholenden Musters von störenden und schädlichen Cyber-Aktionen, die von der russischen Regierung durchgeführt werden“, erklärte der stellvertretende Direktor des amerikanischen FBI, Howard Marshall.

Bereits 2015 hatten die britischen Geheimdienste gewarnt, dass die Bedrohung durch Cyber-Angriffe sowohl von der organisierten Verbrechern als auch von ausländischen Geheimdiensten für Großbritannien zu den größten Gefahren überhaupt gehöre. Vor knapp zwei Jahren wurde deswegen auch die auf Cybercrime spezialisierte Behörde NCSC als Teil des Geheimdienstes GCHQ ins Leben gerufen.

Router als Werkzeug für die Attacken

Wie die Geheimdienste beider Länder nun mitteilten, nutzten vom russischen Staat unterstützte Personen und Institutionen Router zu Computerattacken mit dem Ziel zu spionieren. Und das nicht nur unmittelbar, sondern auch als Vorbereitung für Angriffe in der Zukunft. Sowohl staatliche Stellen als auch die Privatwirtschaft seien im Visier der Hacker.

„Mehrere Quellen, darunter private und öffentliche Forschungseinrichtungen für Cybersicherheit und Verbündete, haben diese Aktivität den Regierungen der USA und des Vereinigten Königreichs gemeldet“. Diese Aktivitäten könnten einen bevorstehenden Cyberangriff nahelegen, so die Experten. Sie haben deswegen Hinweise veröffentlicht, um die Sicherheit zu erhöhen.

Zudem fordere man alle verantwortungsbewussten Nationen auf, ihre Ressourcen für die Bekämpfung der russischen Cyberbedrohung einzusetzen, sei es auf diplomatischer, strafrechtlicher, technischer oder anderer Ebene, heißt es in der Mitteilung.

Besonders in Großbritannien beobachtet man die Entwicklungen in Russland mit Argusaugen. Das Verhältnis der beiden Länder ist derzeit so schlecht wie seit dem Ende des kalten Krieges nicht mehr, weil ein russischer Ex-Spion und seine Tochter in Großbritannien vergiftet wurden.

Nach Einschätzung der britischen Regierung ist klar, dass hinter dem Giftanschlag Angriff Russland steht, ein Vorwurf, der von Moskau zurückgewiesen wurde. Auch das Vorgehen von Russland in Syrien wird von der Premierministerin verurteilt.

Zeitpunkt der Warnung hinterfragt

Als Konsequenz des Giftanschlags in Salisbury wurden mehr als 20 russische Diplomaten aus Großbritannien ausgewiesen, andere Länder folgten. Zudem deutete die britische Premierministerin Theresa May an, dass Großbritannien selbst Cyberattacken gegen Russland unternehmen könnte.

Angesichts dieser Situation zeigt sich ein US-Experte für Cybersicherheit, Jake Williams, skeptisch über die Motivation hinter der Warnung aus den USA und Großbritannien. Schließlich seien die Aktivitäten schon seit geraumer Zeit bekannt, sagte er der Nachrichtenagentur AP. „Jetzt auf die Russen zu zeigen, macht kaum Sinn, es sei denn es gibt da eine andere (höchst wahrscheinlich politische) Agenda.

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