Verbandswechsel Frischer Wind beim DIHK

Die Honoratioren-Fraktion muss jetzt ganz tapfer sein: Mit Eric Schweitzer kommt frischer Wind in die Kammer-Organisation.

Eric Schweitzer Quelle: dpa

Wenn Eric Schweitzer am Schreibtisch sitzt, schaut ihm sein Vater auf die Finger, ein bärtiger Mann mit klarem Blick. In kräftigen Ölfarben, mit viel Rot und Schwarz, interpretiert das Porträt des Firmengründers Tradition modern. Für eine richtige Ahnenreihe ist die Unternehmensgeschichte noch zu kurz, aber das Gemälde signalisiert: Hier wirkt die Familie. Der Vater hatte die Söhne schon vor seinem plötzlichen frühen Tod in die Führung des Berliner Entsorgers Alba geholt. Mit 28 Jahren wurde Eric Schweitzer Vorstand. Jetzt, mit 47 Jahren, kandidiert er als Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages.

Traditionell steht an der DIHK-Spitze ein Familienunternehmer. Nun aber müssen die Honoratioren ganz tapfer sein: Nach dem Sägen-Urgestein Hans-Peter Stihl, dem Pharma-Patriarchen Ludwig Georg Braun und dem zurückhaltenden 64-jährigen Lebensmittelfabrikanten Hans-Heinrich Driftmann folgt nun ein echter Hauptstadtjunge. Dessen Credo, vorgelebt als Vorsteher der Berliner IHK: „Der Präsident ist ein aktiver Aufsichtsratsvorsitzender, kommt aber nicht nur vier Mal im Jahr.“

Die Reform der Unternehmenssteuer...

Seit acht Jahren führt Schweitzer die Berliner Kammer, sammelt Erfahrungen mit der Politik. „Man kann eine Landesregierung oder einzelne Senatoren nicht immer nur kritisieren, ohne selbst auch konstruktive Verbesserungsvorschläge zu machen.“ Er sieht sich als Helfer und Mittler. „Ich bin Unternehmer, das gibt mir geistige und materielle Unabhängigkeit.“ Genauso will er künftig auch auf Bundesebene verfahren, die ihn lockt mit „neuen spannenden Themen, interessanten Personen“.

Der künftige DIHK-Präsident hat deutlich mehr Flocken als Vorgänger Driftmann. Während dessen Hafer-Imperium Kölln-Flocken gut 80 Millionen Euro umsetzt, bewegt die Alba-Gruppe inzwischen 3,2 Milliarden Euro. Und legt Wert darauf, dass fürs Firmenprofil die Begriffe so sauber getrennt werden wie der Abfall. Einst als private Müllabfuhr gestartet und zum Groß-Entsorger aufgestiegen, versteht sich Alba heute als Rohstoffkonzern und „Umweltdienstleister“.

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