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Verbraucherschutz Ansturm legt Lebensmittelportal lahm

Ilse Aigners Portal Lebensmittelklarheit.de sollte am Vormittag online gehen. Der große Ansturm hat die Website lahmgelegt. Doch das ist nicht das einzige Problem. Die Lebensmittelwirtschaft schreit auf.

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Einkaufswagen mit Quelle: dpa

Schokoaufstrich enthält viele Vitamine, Fruchtjoghurt echte Früchte oder die Tiefkühlpizza reichlich Käse. Obwohl die Zutaten auf der Packung angegeben sind, fühlen sich viele Verbraucher getäuscht, denn oft handelt es sich um Ersatzstoffe.

Ab jetzt können Verbraucher für diese Fälle das Forum Lebensmittelklarheit.de nutzen und hier Produkte melden, die ihrer Meinung nach in die Irre führen.

Eigentlich sollte die Seite um elf im Netz sein, doch seit dem reiht sich Fehlermeldung an Fehlermeldung.  Es sei „ein echtes Überlastungsproblem“, sagte die Sprecherin der Verbraucherzentrale Hessen. Nach Angaben des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) versuchten 20.000 Nutzer pro Sekunde auf die Seiten zuzugreifen. Eine Lösung soll schnellstmöglich gefunden werden. 

Hersteller nehmen Stellung

Wer sich in Zukunft von der Aufmachung der Lebensmittel getäuscht fühlt,  kann dies auf der Seite melden. Verbraucherschützer bewerten dann die gemeldeten Fälle und bitten die Hersteller um eine Stellungnahme. Diese soll dann ebenfalls im Internet veröffentlicht werden.

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) finanziert das Projekt. 775.000 Euro kostet es für zwei Jahre. Aigners Ziel ist es, ein Forum zu schaffen, in dem Verbraucher und Unternehmen über irreführende Kennzeichnungen diskutieren.

Kritik im Vorfeld gab es reichlich. Die Lebensmittelwirtschaft warnte vor der Gefahr eines „modernen Prangers“. Generell seien Informationen und Diskussionsforen zur Kennzeichnung von Lebensmitteln zwar zu begrüßen, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Matthias Horst, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Nicht tragbar seien jedoch produktbezogene Angaben, „bei denen Marke sowie Hersteller- und Händlernamen genannt werden“.

Nach Ansicht von  Michael Goldmann (FDP),  dem Vorsitzender des Agrarausschusses schüre das Portal die Ängste der Verbraucher vor Lebensmitteln. Die Grünen kritisierten, dass Ilse Aigner die Verbraucher sich selbst überlassen würde und nicht gesetzlich gegen Verstöße vorgehe.

Verbraucherschutzministerin Ilse verteidigte sich. Das neue Portal stehe für umfassende Verbraucherinformation und mehr Transparenz und solle einen fairen und sachlichen Austausch zwischen Verbrauchern und Wirtschaft ermöglichen, sagte die CSU-Politikerin in Berlin. „Wir fördern den Dialog, das ist das Gegenteil von Pranger.“ Die Internetseite solle zeigen, wo Verbrauchern der Schuh drücke und wo Regelungen angepasst werden müssten.

Klarheit und Wahrheit

Die Verbraucherorganisation Foodwatch sprach dagegen von einem guten ersten Schritt. Ziel sei, dass Klarheit und Wahrheit nicht nur für einige Produkte im Internet geschaffen würden, sondern auf allen Etiketten direkt im Supermarkt, sagte ein Sprecher.

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