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Vermögens-Debatte 16.000 Euro Gehalt – ist Olaf Scholz damit reich?

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Reichtum in Deutschland: Zurückhaltung ist üblich

Aber warum ist es den Deutschen offensichtlich so unangenehm, gar peinlich, sich als reich zu bezeichnen – offensichtlich gerade als Politiker?
Das betrifft nicht nur Politiker, sondern das ist ein Phänomen, das wir generell bei sehr wohlhabenden Menschen sehen. Viele denken, dass es Leute gibt, die über noch mehr Einkommen oder Vermögen verfügen und ordnen sich deshalb lieber in einer unteren Kategorie ein.

Würde es Olaf Scholz und Friedrich Merz denn tatsächlich Wählerstimmen kosten, wenn Sie sich als wohlhabend oder reich bezeichnen würden?
Das kann ich nicht beantworten, das wäre eher eine Frage für Politologen.

In den USA sieht es dagegen anders aus: Erneut kämpfen mit Joe Biden und Donald Trump zwei Millionäre um das Amt des Präsidenten. Warum sind die Amerikaner cooler, wenn es um Reichtum geht?
Auch das ist ein kultureller Unterschied. In den USA wird der eigene Erfolg, das, was man erreicht hat, öffentlich zelebriert. Es wird dort auch anerkannt, dass man durch Erfolg wohlhabend oder reich werden kann. In Deutschland wird das eher zurückhaltend betrieben – insbesondere, wenn es sich um sogenanntes altes Vermögen handelt. Das wird man selten so bewusst in der Öffentlichkeit wahrnehmen, sondern das wird eher dezenter zelebriert.

Wird sich diese Mittelschichts-Kultur in Deutschland jemals ändern – und wäre das nicht sogar wünschenswert?
Kulturelle Prägungen sind nicht in Stein gemeißelt, sondern sie können sich über Generationen hinweg ändern – aber ob das in Deutschland jemals passieren wird, vermag ich nicht zu sagen.

Olaf Scholz will mit der Reichensteuer in den Wahlkampf ziehen. Leute, die mehr als 200.000 Euro verdienen, sollen höhere Beiträge zahlen. Ist das eine gute Idee?
Genau wie nach der Finanzmarktkrise haben wir jetzt durch Corona eine enorme finanzielle Herausforderung für den Staatshaushalt. Es wurden erhebliche zusätzliche Kredite aufgenommen, die abgetragen werden müssen. Nach der Finanzmarktkrise sind wir durch Wachstum wieder sukzessive aus der Krise herausgewachsen. Das würde ich mir in der aktuellen Situation auch wünschen, aber die negativen Folgen der coronabedingten Rezession werden länger anhalten als nach der Finanzmarktkrise.

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    Deshalb braucht es jetzt die höhere Steuer für Wohlhabende?
    Die Hoffnung, dass wir zügig aus der aktuellen Krise herauswachsen, ist zwar anzuzweifeln – es wird vermutlich länger andauern. Deshalb stellt sich die Frage nach der gerechten Lastenverteilung – und bei den oberen Einkommen kann die Last etwas besser verteilt werden als weiter unten, wo kaum bis gar keine Steuern gezahlt werden. Insofern geht das Vorhaben von Scholz in die richtige Richtung.

    Mehr zum Thema: Die komplizierte Suche nach den Vermögen der Reichen

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