Verteidigungsministerium: Pistorius' Frauen-Kindergarten

Rund 13 Prozent des Bundeswehr-Personals sind Frauen.
Foto: imago imagesGeht es um das Verteidigungsministerium und dessen Chef Boris Pistorius, muss ich gerade öfter an die Kita meines Sohnes denken. Und das kommt so: Wie auch im Ministerium kam es im Kindergarten vor kurzem zu einer Neuaufstellung der Gruppen. Mein Dreijähriger landete in einer reinen Jungengruppe – nach einer verwunderten Rückmeldung tat es allen Leid: Die Mischung von Jungen und Mädchen habe man zu wenig beachtet. „Der Arbeitsdruck, die begrenzten Möglichkeiten, Pardon!“
Eine Veränderung sei jetzt trotzdem nicht mehr möglich. Eine bescheidene Situation für die Entwicklung der Kinder. Zudem eine Entschuldigung ohne Folgen – und ein dicker Kratzer in der Glaubwürdigkeit der sonst so gut arbeitenden Kita-Leitung.
Damit weiter zum Kindergarten von Boris Pistorius. In seiner Bundestagsrede vor einer Woche betonte der Verteidigungsminister noch, Frauen in der Bundeswehr fördern zu wollen. Aber offenbar nicht sofort, sondern irgendwann. Bei den unter Hochdruck laufenden Reformen im Ministerium hat Mann das weibliche Spitzenpersonal jedenfalls schlicht vernachlässigt. Staatssekretärin Siemtje Möller bleibt erst einmal die einzige Frau im Leitungsapparat. Den politischen Hochdruck dieser Tage managen also fast nur die Herren.
Für die (Personal-)Entwicklung der Bundeswehr ist das ein fatales Zeichen. Mögliche Bewerberinnen mussten zuletzt schon im aktuellen Bericht der Wehrbeauftragten von Problemen mit sexuellen Übergriffen und Alkohol erfahren. Aber auch wer jenseits der Kasernen eine Karriere machen will, bekommt jetzt die Botschaft: Trotz blumiger Worte bleibt die gläserne Decke sowohl für zivile Mitarbeiterinnen als auch für Soldatinnen im Ministerium bestehen.
Frauen machten vergangene Woche Medienberichten zufolge laut ihrem Ärger auf einer internen Versammlung mit dem Minister Luft. Dass Pistorius dann auch noch eine uralte männliche Schutzbehauptung gezogen haben soll, muss für die 23.500 Soldatinnen (13 Prozent) der Truppe regelrecht an Unverschämtheit grenzen: Er habe einfach nicht die richtigen Frauen gefunden, denen er auf den Leitungsstellen vertrauen könne, soll der Minister argumentiert haben.
So ein Satz im Jahr 2023? Autsch. Die Ampel arbeitet übrigens auch an einem Gleichstellungsgesetz. Da kann ein „Ups, lässt sich nicht anders machen“ – wie im Kindergarten – doch wirklich nicht die Antwort bleiben.
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