Volker Bouffier lobt die Grünen "Wir arbeiten erfolgreich und respektvoll zusammen"

Der hessische Ministerpräsident macht Werbung für Schwarz-Grün – und attackiert die Profiteure des Länderfinanzausgleichs in Deutschland.

Volker Bouffier Quelle: Oliver Rüther für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Herr Ministerpräsident, die hessische CDU stand wie kein anderer Landesverband gegen die Grünen. Wie gefällt es Ihnen nun mit Ihren neuen Freunden?

Bouffier: Schwarz-Grün regiert seit einem Dreivierteljahr. Wir arbeiten erfolgreich und respektvoll zusammen, wir streiten nicht. Die Union liegt bei Fragen der Wirtschaft, der Finanzen, der Arbeitsplätze in der Bevölkerung weit vorn. Die Grünen sind führend bei Umweltschutz, Verbraucherschutz, Nachhaltigkeit. Wir wollen in unserer Regierungspolitik Ökonomie und Ökologie verklammern – das ist unser Ansatz für das 21. Jahrhundert.

Klingt pompös. Was heißt das praktisch?

Die Umweltministerin hat gerade eine weitreichende Entscheidung für das Weltunternehmen Kali + Salz getroffen: Wir verbessern uns ökologisch, und wir erhalten die 6000 Arbeitsplätze. Will ich ab morgen Tafelwasserqualität in der Werra haben, dann sind die Arbeitsplätze weg. Und beuten wir alles rigoros aus, bin ich in ein paar Jahren auch am Ende. Erst der Kompromiss führt zur Handlungs- und Zukunftsfähigkeit. So macht die Arbeit Spaß.

Zur Person

Die gesamte CDU schaut auf Hessen. Gilt das Sinatra-Motto: If I can make it there, I’ll make it anywhere?

Schwarz-Grün ist zunächst eine hessische Lösung. Die ist untrennbar verbunden mit der Sache und den handelnden Personen. Da hilft der hessischen CDU, dass sie nicht im Verdacht steht, wegen einer Regierungsbeteiligung alle ihre Grundsätze über Bord zu werfen. Sind wir erfolgreich, ist das sicherlich ein Bündnis für die Zukunft.

Diese Regionen haben die höchste Wirtschaftskraft
Focus Money hat verschiedene Regionen in Deutschland unter die Lupe genommen und auf ihre Wirtschaftskraft hin untersucht. Mehr als 400 Gemeinden und Landkreise wurden anhand der Faktoren Arbeitslosenquote, Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen, Haushaltseinkommen, Bevölkerungswachstum, Veränderung der Erwerbstätigenzahl und Investitionen im verarbeitenden Gewerbe analysiert. Quelle: dpa
Platz zehn: Kreis Donau-RiesFacharbeiter bauen bei eurocopter in Donauwörth im Kreis Donau-Ries Hubschrauber vom Typ EC 145 in Serie. Arbeitgeber wie die deutsch-französische Firma EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) sorgen für den wirtschaftlichen Boom in der Region. Im Ranking nicht berücksichtigt sind die Landkreise und kreisfreien Städte Dingolfing-Landau, Frankfurt/Oder, Garmisch-Partenkirchen, Gifhorn, Helmstedt, Landau in der Pfalz, Landshut, Miesbach, Neustadt an der Weinstraße, Potsdam, Regen, Straubing-Bogen, Wolfenbüttel und Wolfsburg. Für sie lagen keine Angaben zu den Investitionen vor. Quelle: ZBSP
Platz neun: HohenlohekreisBaden-Württemberg ist das Bundesland, dessen Regionen die besten durchschnittlichen Platzierungen aufweist. Der Hohenlohekreis, in dem beispielsweise die Firma Würth (Künzelsau) ansässig ist, hat es im Ranking der wirtschaftsstarken Regionen auf Platz neun geschafft. Quelle: dpa
Platz acht: Kreis Ebersberg Insgesamt haben es 19 bayerische Kreise und kreisfreie Städte unter die Top 30 im Ranking geschafft. Einer davon ist der Kreis Ebersberg in Oberbayern. Mit 549,3 Quadratkilometern gehört Ebersberg zwar zu den kleineren Landkreisen in Deutschland, dafür ist die Bevölkerungsdicht vergleichsweise hoch: Rund 131.000 Menschen leben dort. Quelle: dpa
Platz sieben: Regensburg (Stadt)Beim WirtschaftsWoche-Städteranking zusammen mit ImmobilienScout24 lebt es sich in den mittelgroßen Städten wie Regensburg am Besten. Und auch wirtschaftlich hat die Stadt in Ostbayern die Nase vorn. So erreicht Regensburg die dritthöchste Arbeitsplatzdichte in Deutschland. Quelle: dpa
Platz sechs: Augsburg Augsburg (Schwaben) ist mit rund 270.000 Einwohnern nach München und Nürnberg die drittgrößte Stadt in Bayern. Augsburg ist außerdem Sitz beziehungsweise Heimat vieler Unternehmen wie MAN, Osram, AEROTEC, Fujitsu Technology Solutions, Siemens, KUKA oder die Fürst Fugger Privatbank. Im Ranking der wirtschaftsstärksten Kreise bringt es Augsburg dadurch auf Platz sechs. Quelle: dpa
Platz fünf: TuttlingenDer baden-württembergische Landkreis Tuttlingen ist die Heimat vieler Traditionsunternehmen wie der Firma Hohner, die seit 150 Jahren Mundharmonikas fertigt. Außerdem sind zahlreiche Unternehmen im Bereich Medizintechnik dort ansässig. Dementsprechend gut steht der Landkreis wirtschaftlich da. Sowohl Arbeitslosigkeit als auch Jugendarbeitslosigkeit sind sehr gering. Tuttlingen ist deutschlandweit der Landkreis mit der höchsten Arbeitsplatzdichte. Quelle: dpa
Platz vier: BodenseekreisDer baden-württembergische Bodenseekreis hat nicht nur touristisch einiges zu bieten. Der Bodenseekreis gilt wegen seiner führenden Technologieunternehmen auch als eine der wirtschaftlich innovativsten Regionen Baden-Württembergs. Außerdem sind die Automobilzulieferer und Maschinenbauer ZF Friedrichshafen AG und MTU sowie Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrttechnik im Bodenseekreis ansässig. Quelle: dpa
Platz drei: MünchenDie bayerische Hauptstadt beziehungsweise der Kreis München belegt im Ranking den dritten Platz. Gründe dafür sind die hohe Bruttowertschöpfung pro Erwerbstätigen, sowie die Vielzahl der vor Ort ansässigen Unternehmen und die damit verbundenen Arbeitsplätze und Investitionen. So sitzen im Kreis München unter anderem Microsoft, Infineon, EADS und ProSieben/Sat 1. Quelle: dpa
Platz zwei: HeilbronnDer zweite Platz geht an das baden-württembergische Heilbronn. Dort leben in 46 Städten und Gemeinden etwa 330.000 Menschen auf einer Fläche von 1100 Quadratkilometern - Tendenz steigend. Vor Ort ansässig sind unter anderem Audi und Bosch sowie Unternehmen aus dem High-Tech-Bereich. Neben Handel, Industrie und High-Tech bist der Landkreis außerdem für den Weinbau bekannt. Quelle: dpa
Platz eins: IngolstadtAudi sei Dank geht der erste Platz an die kreisfreie Gemeinde Ingolstadt. "Natürlich spielen Audi und die Unternehmen in seinem Umfeld eine dominante Rolle in Stadt und Region", sagte Oberbürgermeister Alfred Lehmann (CSU) gegenüber Focus Money. Etwa jeder dritte Erwerbstätige in Ingolstadt arbeitet bei Audi. Quelle: dpa

Angela Merkel ist also zu links und zu beliebig, um Schwarz-Grün wagen zu können?

Das ist eine unzulässige journalistische Weiterentwicklung.

Im Bund hat es parallel dazu in den Gesprächen mit den Grünen nicht gereicht.

Ich war auch im Bund dabei und habe gesehen: Die Grünen waren auf Bundesebene noch nicht so weit. Heute leiden sie unter Bedeutungslosigkeit. Auch die sächsischen Grünen sind auf dem Weg zu fünf Jahren Nirwana. Und wenn sie nicht klug sind, machen sie es in Thüringen auch so. Deren Motto lautet: Lieber ohne jede Bedeutung, aber reinen Herzens.

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