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Vor dem SPD-Parteitag Die heikle Partie des Sigmar Gabriel

Für die große Koalition werben und der Linkspartei die Hand reichen, das Wahldebakel erklären und gleichzeitig Mut machen: Der SPD-Parteichef Sigmar Gabriel steht vor großen Herausforderungen.

Vom 14. bis 16. November findet in Leipzig der SPD-Bundesparteitag statt. Quelle: dpa

Wenn sich die SPD am Donnerstagvormittag zu ihrem Bundesparteitag versammelt, herrscht ein merkwürdiger Schwebezustand. Gerade mal ein halbes Jahr ist es her, dass die Sozialdemokraten – ebenfalls in Leipzig – mit Pathos, Freude und Gelassenheit ihr 150-jähriges Parteijubiläum feierten. Damals war die Lage schon schlecht, aber die Stimmung war trotzig, stolz, für Optimisten war noch alles möglich. Heute, im November 2013, wütet in den Genossen noch immer der Schmerz einer Wahlniederlage, die nur ganz wenige Prozentpunkte entfernt blieb von einem Totaldebakel. Das Mögliche fiel am Abend des 22. September in sich zusammen. Übrig blieb eine geschlagene, kraftlose Partei, die sich im Zustand der Schwäche nicht zerfleischte, sondern umso fester aneinanderklammerte.

Zehn legendäre Sozialdemokraten
Willy Brandt Quelle: AP
Herbert Wehner Quelle: AP
Carlo Schmid Quelle: Bundesarchiv
Kurt Schumacher Quelle: AP
Friedrich Ebert Quelle: Bundesarchiv
Rosa Luxemburg Quelle: gemeinfrei
Karl Liebknecht (1871-1919)Der Sozialismus als Lebensaufgabe war dem dritten Sohn von Wilhelm Liebknecht in die Wiege gelegt. Seine Taufpaten waren Karl Marx und Friedrich Engels. Ab 1900 in den Reichstag gewählt, war der Sohn aber radikaler als sein Vater und gehörte bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu den wenigen Sozialdemokraten, die der kaiserlichen Regierung die Zustimmung verweigerten.  Liebknecht wurde als Kriegsgegner inhaftiert. Nach Kriegsende organisierte er den Spartakus-Aufstand  gegen die SPD-Regierung und wurde dann gemeinsam mit Rosa Luxemburg von Regierungstruppen ermordet.

Knapp zwei Monate sind seitdem nun vergangen. Eine klare Perspektive, ein erschütterungsresistentes Selbstbild hat die SPD seitdem noch nicht wieder gewonnen. Vielmehr wirkt es, als halte nur der Druck des Koalitionsverhandlungs-Alltags die Genossen zusammen.

Es ist vor allem Parteichef Sigmar Gabriel zu verdanken, dass der Patient zumindest stabil ist. Gabriel ist bislang einer der wenigen Sieger der Wahl. In den Koalitionsverhandlungen hält er die SPD auf Augenhöhe mit den Wahlsiegern der Union. Der frühzeitig angekündigte Mitgliederentscheid hat seine befriedende Wirkung schon jetzt entfaltet. Von Putsch ist keine Rede mehr. Seine Wiederwahl am Donnerstag steht außer Frage.

Unter Druck funktionieren die Instinkte des Parteichefs besonders gut. Gabriel hat früh geahnt, dass er alles jenseits von Rot-Grün niemals ohne die eigene Basis würde durchsetzen können. Die große Koalition ist bei vielen Ortsvereinen bis heute ein unverarbeitetes Trauma. Mit dem Mitgliederentscheid zwingt Gabriel die Basis, dieses Trauma selbst aufzuarbeiten.

Die Geschichte der SPD

Gabriels Rede morgen ist deshalb so spannend, weil sie auf mehreren Ebenen ausbalanciert sein muss. Der Parteichef wird für den Eintritt in eine große Koalition als Juniorpartner werben, ohne handfeste Verhandlungsergebnisse in Kernfragen (Mindestlohn, Rente) vorweisen zu können. Er muss eine nachvollziehbare Erklärung für die Wahlniederlage liefern, obwohl das Gewerkschafts-Best-of-Programm für das beste seit langem gehalten wird und Agenda-Freund Peer Steinbrück trotzdem ehrenvoll verabschiedet werden soll.

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