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Wahl-Marketing Vater Staat und Mutter Merkel: Wie Politik verpackt wird

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Grünewald Quelle: W. Schuering für WirtschaftsWoche

Die FDP machte aus der Not, für die Krise mitverantwortlich gemacht zu werden, eine Tugend: Hilf dir selbst?

Ja, dabei kommt der FDP entgegen, dass ja der Staat schon durch Merkel repräsentiert wird. Den Wählern ist bewusst, dass die FDP nur ein Korrektiv ist. Er sieht sie weniger als Partei der freien Märkte, sondern verspricht sich von ihr, wieder mehr für seine Arbeit zu bekommen. Psychologisch betrachtet können die Motive, FDP zu wählen oder die Linken zu wählen, bei vielen Wählern verwandt sein, da auch die Linke Robin Hood spielt: Sie nimmt es den Reichen und gibt es den Armen. Das macht die FDP sehr viel charmanter: Sie nimmt es dem Staat und gibt es den Bürgern – unter dem Strich hat der Arbeiter und der Mittelständler so das Gefühl, am Ende trotz Krise profitieren zu können.

Die FDP wird nicht als Programmpartei wahrgenommen?

Nein, das hat Westerwelle meisterhaft gemacht: Er hat Angriffsflächen etwa beim Thema Mindestlohn oder Kündigungsschutz vermieden. Die FDP hat zwar einen programmatischen Ansatz, wird aber von vielen Wählern komplett anders wahrgenommen...

...und grätschte damit der SPD einen Teil ihrer Wählerschaft weg?

Man kann die Schlappe der SPD auf einen dreifachen Verrat zurückführen, den sie in den Augen der Wähler begangen hat. Erstens hat sie elf Jahre mitregiert und Hartz IV zu verantworten. Verrat Nummer zwei besteht darin, den Kampfgeist der SPD gelähmt zu haben. Gerhard Schröder hatte es noch geschafft, die Massen zu mobilisieren: Der SPD-Wähler will die Signale hören. Steinmeier blieb stumm.

Und der dritte Verrat?

Das war der Verrat an der Konstanz der Regierung: Steinmeier galt ja immer als der treue Johannes, der als Statthalter der Macht erst Schröder und dann Merkel stützte. Sobald er Merkel angriff, machte er sich unglaubwürdig. So saß er am Ende komplett zwischen allen Stühlen.

Hat nicht zudem die traditionelle Anhängerschaft der SPD den Eindruck, die Partei wisse gar nicht mehr, wofür sie da ist?

Die Anhängerschaft der SPD hat – anders als viele CDU-Wähler – von Haus aus nicht das Gefühl, in der besten aller Welten zu leben, sondern in einer ungerechten. Sie braucht eine Partei, die beherzt einen Weg in die bessere Welt weist. Und genau da ist die SPD gescheitert: Sie ist aus Sicht der Wähler schuld an mancher Ungerechtigkeit und hat keinen Moses, der sie in ein gelobtes und gerechtes Land führen kann.

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