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Wahlerfolge in Brandenburg und Thüringen Die AfD triumphiert – und wird konservativer

Die „Alternative für Deutschland“ erreicht in Thüringen und Brandenburg zweistellige Wahlergebnisse. Ein Riesenerfolg. Damit ist die Richtungsdebatte in der Partei endgültig entschieden.

Der phänomenale Aufstieg der AfD
AfD Bundesparteitag in Erfurt Quelle: dpa
AfD im Europaparlament Quelle: dpa
AfD Zeiungsabonnements Quelle: dpa
Bernd Lucke Europaparlament Quelle: dpa
AfD Bernd Lucke Europaparlament Quelle: dpa
DMark
Frauke Petry Quelle: dpa

Die „Alternative für Deutschland“ marschiert von Triumph zu Triumph. Nach den Erfolgen bei der Europa- und der Sachsenwahl durfte die AfD auch in Brandenburg und Thüringen jubeln: Die Euro-Kritiker haben im Osten die FDP in die Versenkung getrieben, die Grünen deklassiert – und sich als vierte Kraft etabliert. In Thüringen wählten rund 10,0 Prozent die AfD, in Brandenburg erreicht die Partei gar ein noch besseres Ergebnis (12,0 Prozent).

Stimmen zu den Wahlen in Thüringen und Brandenburg

Dort führt der 73-jährige Alexander Gauland die Partei an. Ein Konservativer, der das traditionelle Familienbild verteidigt, die Abschaffung der Wehrpflicht und die Energiewende kritisiert – sowie natürlich die Euro-Rettungspolitik der Regierung. Für diese Punkte stritt Gauland lange in der Öffentlichkeit, sei es bei Debatten oder durch Beiträge in den Medien. Und in seiner Partei: 40 Jahre lang war das die CDU. Unter Merkel wurde ihm die Partei zu beliebig und zu links. Noch heute ist er „enttäuscht“ von der Kanzlerinnen-CDU.

In der "Alternative für Deutschland" fand Gauland eine neue Heimat – und neue Politikfelder. Neben seinen klassischen Themen streitet er nun auch gegen die „Willkommenskultur für Zuwanderer“ und gegen den Missbrauch der Sozialsysteme. Gauland ist noch konservativer, Kritiker würden sagen: populistischer, geworden. Der Erfolg gibt ihm Recht. Sowie dem konservativen Flügel der AfD, der sich nach den Wahlerfolgen in Ostdeutschland in der Partei endgültig durchgesetzt hat.

Die wichtigsten Köpfe in der AfD

Vor einem Jahr noch stritt die Partei um ihre Ausrichtung. Neben dem bekannten konservativen Flügel gab es eine große Zahl von liberalen AfD’lern, die das Erbe der FDP antreten wollten. Dazu zählten Köpfe wie der ehemalige NRW-Landesvorsitzende Alexander Dilger, sowie die ehemalige AfD- Pressesprecherin Dagmar Metzger. Parteichef Bernd Lucke versuchte stets, die Wogen zu glätten. Im Interview mit WirtschaftsWoche Online entgegnete er auf möglichen Richtungsstreit in seiner Partei angesprochen: „Wir sind weder rechts von der Union, noch links und auch keine FDP 2.0. Lasst uns doch mit dem Schubladen-Denken aufhören!“

Im November 2013 trat Dilger vom Landesvorsitz zurück, im März 2014 folgte Sprecherin Metzger. Der liberale Flügel, der gegen den Euro und den Mindestlohn kämpften, aber für Toleranz in der Familienpolitik einstand – auch die Homo-Ehe war bei Teilen der Mitglieder kein Tabu –, verlor an Bedeutung. Die AfD wurde seitdem Schritt für Schritt konservativer. Dilgers Äußerung, er erklärte nach seinem Rücktritt, dass die Richtungsstreitereien zu viel Platz eingenommen hätten, da „ein homogener Kurs (…) gar nicht nötig“ sei, schließlich sei die AfD eine „pluralistische Partei“, scheint überholt.

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